Bauernbund, Südtiroler Landwirt | 01.03.2018

Dem Bauernstand die Zukunft sichern

Um Nachhaltigkeit nicht nur im Sinne von Ressourcen- und Umweltschutz ging es bei der Landesversammlung des Südtiroler Bauernbundes. Mindestens gleich wichtig muss die Wirtschaftlichkeit der bäuerlichen Betriebe sein. Auch das ist nachhaltig, war man sich einig.  von Renate Anna Rubner

Warum der vielbenutzte Begriff Nachhaltigkeit neben der ökologischen auch eine ökonomische Bedeutung hat, erfuhren die Teilnehmer der Landesversammlung.

Warum der vielbenutzte Begriff Nachhaltigkeit neben der ökologischen auch eine ökonomische Bedeutung hat, erfuhren die Teilnehmer der Landesversammlung.

Zum Schluss der Veranstaltung ein emotionaler Moment: Der ehemalige EU-Kommissar für Landwirtschaft Franz Fischler dankt Hans Berger nicht nur für seine Verdienste für den Südtiroler Bauernstand, wie es auf der Ehrenurkunde des Südtiroler Bauernbundes steht. Fischler beschreibt Berger als geradlinigen, aufrechten, klar denkenden und optimistischen Menschen, der etwas erreichen wolle. Er fasst in seiner Laudatio den Dank des Bauernbundes aber noch weiter: „Deine große Leistung als Landesrat und später als Senator liegt darin, zusammenzuführen, was im Wort ‚Landwirtschaft‘ bereits vereint ist: das Land als Landschaft, die es zu bewahren gilt, und die Wirtschaft, die die Vereinbarkeit zwischen dem Erhalt der Natur und den Notwendigkeiten der Produktion darstellt.“ Und so fasst Fischler zusammen: „Du warst ein Segen für Südtirol!“

LV 2018 (5)

Hans Berger wiederum nutzte die Gelegenheit, sich zu bedanken: bei Franz Fischler, dem er unumwunden seine große Hochachtung bekundete, dem Alt-Landeshauptmann Luis Durnwalder, der ihm die Landwirtschaft überantwortet hatte und ihn entsprechend eingeführt hatte in diese verantwortungs­volle Aufgabe, dem Bauernbund als Gesprächspartner, wenn es um neue Herausforderungen ging, sowie seinem Team in der Brennerstraße über all die Jahre in seiner Funktion als Landesrat. Er bedankte sich aber auch bei den Südtiroler Bauern: für das Verständnis für Entscheidungen, die getroffen werden mussten, auch wenn es manchmal schwer war, das zu akzeptieren. „Denn die Politik muss schauen, was machbar ist. Da sind Kompromisse notwendig“, sagte er zum Abschluss und erntete tosenden Applaus und stehende Ovationen.

Nachhaltigkeit auch durch Wirtschaftlichkeit
Um zukünftige Entwicklungen in der Landwirtschaft ging es in Worten von Landesobmann Leo Tiefenthaler: „Wohin wird sich die Landwirtschaft entwickeln?“, fragte er und gab einige Denkanstöße als Antwort: „Die Megatrends der Ökologisierung und Nachhaltigkeit sind wichtige Anhaltspunkte: Aber wenn wir die Entwicklung der letzten Jahrzehnte anschauen, hat sich in dieser Hinsicht schon viel getan.“ Der Weinbau setze auf Qualität, die Berglandwirtschaft garantiere in Laufställen und durch die Alpung Tierwohl, die Anzahl der Biobetriebe steige kontinuierlich und auch der Ressourcen-Schutz werde ständig verbessert.
„Nachhaltigkeit muss aber nicht nur in der Produktion gewährleistet werden, auch das Überleben der bäuerlichen Familien am Hof muss garantiert werden, indem sie wirtschaftlich produzieren können. Auch das ist Nachhaltigkeit!“, unterstrich Tiefenthaler. Dazu brauche es unter anderem technische Innovationen, schnelles Internet bis an den letzten Hof und Möglichkeiten des Zuerwerbs durch Nischenkulturen oder durch das Angebot von Dienstleistungen, wie sie in der Sozialen Landwirtschaft teils bereits umgesetzt werden.

Marke Südtirol mit Thema Nachhaltigkeit aufladen
Im Festvortrag ging EU-Parlamentarier Herbert Dorfmann auf die großen Herausforderungen und Ziele der Europäischen Landwirtschaft ein und brach sie auf Südtiroler Niveau herunter: Neben der Einkommenssicherung für bäuerliche Familienbetriebe, der Risikoabsicherung in der landwirtschaftlichen Produktion, der Innovation und der stärkeren Unterstützung für benachteiligte Gebiete wie es Südtirol ist, sprach er sich auch dafür aus, dass die Politik ihr Möglichstes tun müsse, damit Bauern für ihre Produkte vernünftige Preise erhalten. Entbürokratisierung und eine starke Vernetzung durch freie Märkte nannte er als weitere Themen mit Entwicklungsbedarf. Aber auch Dorfmann strich ein Thema als besonders wichtig heraus und appellierte an die Anwesenden: „Wir müssen Nachhaltigkeit als Chance sehen und nicht als lästige Forderung von außen!“ Er persönlich könne sich ein Bio-Dorf oder ein Bio-Tal vorstellen, das als Pilotprojekt von der Europäischen Union Unterstützung erfahren könnte, und forderte gleichzeitig zur sachlichen Diskussion zu diesem Thema auf: „Wir müssen die Marke Südtirol mit dem Thema Nachhaltigkeit aufladen.“

Bauern die nötige Zeit geben
Auch Direktor Siegfried Rinner sprach sich für eine Weichenstellung in der Landwirtschaft aus. Allerdings dürfe man sich keine Wunder erwarten: „Auch die Welt ist nicht an einem Tag erschaffen worden“, sagte er, deshalb muss den Bauern genügend Zeit eingeräumt werden, um sich Schritt für Schritt weiter zu entwickeln.“ Zudem müsse von der Politik ein klares Bekenntnis zur Landwirtschaft kommen, und zwar auf Landesebene gleich wie in Rom oder Brüssel.

Kein Lokalaugenschein ohne Grundbesitzer
Landeshauptmann Arno Kompatscher nahm diese Herausforderung an und ging auf die aktuellen Themen der Landwirtschaft ein: Das neue Gesetz zur Raumordnung sei nach langen, recht kontroversen Diskussionen nun auf einem guten Punkt: „Eines muss klar sein“, sicherte er den Bauern zu, „künftig wird es keinen Lokalaugenschein ohne Grundbesitzer geben!“ Zum Thema Großraubwild habe es in letzter Zeit einige positive Entwicklungen gegeben: „Wir sind sehr dahinter“, sagte Kompatscher, „und dabei, starke Partner für unsere Anliegen zu finden.“

Großraubwild: Konfliktsituation lösen
Auch Landesrat Arnold Schuler gab sich kampfbereit: Die Konfliktsituation zwischen großen Räubern und dem Menschen im Alpenraum müsse gelöst werden, forderte er. Insgesamt stehe die Südtiroler Landwirtschaft aber gut da: „Wir können stolz sein auf das, was wir erreicht haben. Das ist eine gute Basis für unsere Kinder und Enkel, damit sie weiter Landwirtschaft betreiben können.“

Progressiv und konkurrenzfähig
Damit das auch weiterhin so bleibt, brauche es eine progressive, moderne und technologisierte Landwirtschaft, die im internationalen Kontext konkurrenzfähig ist, war die Hauptbotschaft von Massimiliano Giansanti, Präsident des nationalen Bauernverbandes Confagricoltura in Rom. Er plädierte auch dafür, dass die Landwirtschaft verstärkt in Dialog mit der Bevölkerung treten und ihre Arbeit besser erklären müsse. „Die Landwirtschaft ist geprägt von Leidenschaft, fachlichem Können und Wissen, es ist für mich schwierig zu vestehen, warum sie so stark in der Kritik steht. Das müssen wir ändern!"