Südtiroler Landwirt, Bauernbund | 15.02.2018

„Klare Kante gegen Unwahrheiten!“

Südtirols Landwirtschaft ist viel nachhaltiger als früher. Das sollte sie auch offensiv zeigen, sagt Herbert Dorfmann. Der EU-Abgeordnete ist Hauptredner auf der Bauernbund-Landesversammlung am 24. Februar. Durch die zukünftige EU-Agrarpolitik dürfte sich für Südtirols Landwirtschaft nicht allzu viel ändern.

Herbert Dorfmann: „Ziel ist, trotz Brexit das EU-Agrarbudget auch nach 2020 zu halten!“

Herbert Dorfmann: „Ziel ist, trotz Brexit das EU-Agrarbudget auch nach 2020 zu halten!“

Südtiroler Landwirt: Die zukünftige EU-Agrarpolitik wird ein Thema Ihres Referates auf der Bauernbund-Landesversammlung sein. Was ändert sich für die heimischen Bauern nach 2020?
Herbert Dorfmann: Es wird sicherlich keine Revolution der Gemeinsamen EU-Agrarpolitik (GAP) geben, da vieles recht ordentlich funktioniert. Mehr geht es darum, die GAP an die veränderten Rahmenbedingungen anzupassen und das zu ändern, was sich nicht bewährt hat.
Ein Beispiel: In der ersten Säule gehört die Prämienberechnung auf die Müllhalde der Geschichte. Es kann nicht sein, dass noch heute Prämien für Flächen berechnet werden, nur weil vor über 15 Jahren eine bestimmte Kulturart angebaut wurde. Das war und ist von Vorteil für uns. Auch muss sichergestellt werden, dass kleine Betriebe mehr Unterstützung erhalten als Großbetriebe. Der Fokus der GAP muss auf den familiengeführten Betrieben liegen. Das ist auch ein Anliegen der Gesellschaft. Die größte Herausforderung sind aber die Verhandlungen über das Agrarbudget.

... weil das Budget aufgrund des Brexit gekürzt werden muss? Derzeit ist ja von bis zu 15 Prozent die Rede!
Das Ziel muss sein, das Agrarbudget zu halten. Es ist noch zu früh, zu sagen, wie hoch die Finanzmittel nach 2020 sein werden. Ein Einschnitt von einigen Prozentpunkten ist aber durchaus möglich. Ich werde mich dafür einsetzen, dass das die Südtiroler Landwirtschaft kaum treffen wird.

Sie sind seit kurzem Berichterstatter für die Agrarpolitik. Was kann man sich darunter vorstellen?
Das EU-Parlament wird bis zum Sommer einen Bericht über die politischen Absichten für die zukünftige EU-Agrarpolitik abgeben. Der Berichterstatter hat diesen zu organisieren. Der Bericht geht dann zur EU-Kommission. Daher ist die Funktion des Berichterstatters eine sehr wichtige und ehrenvolle. Im zweiten Halbjahr werden dann Vorschläge für die GAP nach 2020 vorgelegt werden. Die großen Weichen dürften daher noch vor den EU-Wahlen im Frühjahr 2019 gestellt werden.

Die Landwirtschaft war letzthin starker Kritik ausgesetzt: hierzulande der Pflanzenschutz, in den großen Agrarregionen die Tierhaltung. Ist die Kritik gerechtfertigt?
Die Kritik kommt ja vor allem aus dem deutschsprachigen Raum – und aus dem linksgrünen Spektrum. Bereits heute betrifft der größte Teil der Auflagen den Umweltschutz. Das sagen diese Gruppen häufig nicht. Zudem hat es in den letzten Jahren riesige Fortschritte beim Tierwohl gegeben. Die Ställe sind heute anders als vor 20, 30 Jahren. Die Landwirtschaft produziert heute viel, viel nachhaltiger als früher!
Natürlich gibt es Situationen, wo die Landwirtschaft besser werden kann, wenn man an die großen Agrarindustrien oder die Massentierhaltung denkt. Verbesserungen können auch durch Förderungen gesteuert werden.
Gegen vernünftige Umweltauflagen ist nichts einzuwenden und mit schwarzen Schafen ist aufzuräumen. Die Nachhaltigkeit wird immer mehr zu einem Teil der Produktqualität. Wir müssen die Diskussion über die Nachhaltigkeit offensiv angehen, bei Unwahrheiten klare Kante zeigen und der politischen Instrumentalisierung Paroli bieten.

Interview: Michael Deltedesco

Landesversammlung

Am Samstag, 24. Februar,
mit Beginn um 9 Uhr
Haus der Kultur „Walther von
der Vogelweide“, Bozen

Programm
9 Uhr Begrüßung

Zukunft Landwirtschaft
Leo Tiefenthaler, Landesobmann

Bäuerliche Baukultur erhalten und gestalten
Vergabe des Stiftungsbeitrags der „Dr.-Steinkeller-Stiftung“, Präsident Siegfried Brugger

Landwirtschaft im nächsten Jahrzehnt: Was erwartet uns?
Herbert Dorfmann, Mitglied des Europäischen Parlaments

Verleihung des Bergbauernpreises
gestiftet von den Südtiroler Raiffeisenkassen

Ehrung
Grußworte der Ehrengäste
12.30 Uhr – Tagungsende


Moderation
Siegfried Rinner, Direktor

Alle Bauernbund-Mitglieder mit ihren Familien sind herzlich eingeladen!
Das Tragen der Tracht ist erwünscht.

Musik: Schlernsaxess, Südtirol
Leibliche Genüsse: Emotion Event, Neumarkt