Südtiroler Landwirt, Bauernbund | 15.02.2018

Unser Quartett für den Landtag

Die Mitglieder haben entschieden: Maria Hochgruber Kuenzer, Josef Noggler, Franz Locher und Joachim Reinalter werden bei den Landtagswahlen unterstützt. Der Landesbauernrat zieht eine sehr positive Bilanz zur ersten Basiswahl. von Michael Deltedesco und Ulrich Höllrigl

Sie sind die vier bäuerlichen Kandidaten für die Landtagswahl 2018!

Sie sind die vier bäuerlichen Kandidaten für die Landtagswahl 2018!

Es war eine Premiere: Erstmals waren die mehr als 42.000 Mitglieder des Südtiroler Bauernbundes, der Bäuerinnenorganisation (SBO), Bauernjugend (SBJ) und Seniorenvereinigung (SV) aufgerufen, jene vier Kandidatinnen und Kandidaten auszuwählen, die bei der Landtagswahl unterstützt werden. Zur Auswahl standen zehn Kandidaten, die im Vorfeld in erweiterten Bezirksbauernratssitzungen, mit 500 Unterstützungsunterschriften oder durch eine bäuerliche Organisation für die Basiswahl nominiert worden waren.
Nun steht das Sieger-Quartett fest: Den größten Zuspruch erhielt mit 10.009 Stimmen die amtierende Landtagsabgeordnete Maria Hochgruber Kuenzer vom Bartlmairhof in St. Georgen-Bruneck. Auf sie folgt der Vinschger Josef (Sepp) Noggler, der ebenfalls im Südtiroler Landtag sitzt und in Mals einen Hof mit Viehhaltung und Obstbau betreibt. Er konnte 7767 Stimmen auf sich vereinen.
Gleich hinter den zwei amtierenden Abgeordneten landete der Sarner Bürgermeister Franz Locher auf Platz drei. 6854 Mitglieder kreuzten den Namen des Bergbauern an.  
Die Unterstützung von Bauernbund und bäuerlichen Organisationen hat auch Joachim Reinalter sicher. Der Bürgermeister von Percha sowie Obmann von Bergmilch Südtirol und Sennereiverband Südtirol erhielt 5045 Vorzugsstimmen.
Auf den weiteren Plätzen folgen der Unterlandler Landtagsabgeordnete Oswald Schiefer (4479 Stimmen), der Obmann der Freiheitlichen Andreas Leiter Reber (4216), Manfred Vallazza, Gadertaler Gebietsobmann sowohl des Südtiroler Bauernbundes als auch der Südtiroler Volkspartei (4111), der Bauernjugend-Obmann Wilhelm Haller (3522), der SVP-Bezirksjugendreferent Bozen Benjamin Reckla (2697) und der Meraner Gemeinderat der Südtiroler Freiheit Christoph Mitterhofer (2584).
Insgesamt haben 17.000 Stimmberechtigte teilgenommen.

Wahlanalyse im Detail
Die höchste Wahlbeteiligung verzeichnet der Bauernbund mit mehr als 43 Prozent, gefolgt von SBO, SV und SBJ. Der Bezirk mit der höchsten Wahlbeteiligung ist mit 44,2 Prozent das Unterland, dahinter folgen das Pustertal und der Vinschgau.
Insgesamt wurden 51.284 Vorzugsstimmen vergeben. Die Wahlberechtigten konnten bis zu vier Vorzugsstimmen vergeben, durchschnittlich wurden exakt drei Vorzugsstimmen vergeben – ein sehr hoher Wert, gerade wenn man bedenkt, dass auch bei der Landtagswahl im Herbst vier Vorzugsstimmen vergeben werden können. Je mehr auch bei der Landtagswahl die Vorzugsstimmen genutzt werden, desto größer ist die Vertretung der Bäuerinnen und Bauern im Landtag!
Interessant ist die eingehendere Analyse der Basiswahlergebnisse: Die Erstplatzierte Maria Kuenzer kam in allen Bezirken auf Platz 1 oder 2, im Bezirk Bozen erhielt sie gar mehr Stimmen als in ihrem Heimatbezirk Pustertal. Gewinnen konnte sie in den Bezirken Eisacktal und Burggrafenamt, aber auch im Vinschgau und Unterland schnitt sie sehr gut ab.
Von den 17.000 Mitgliedern, die zur Wahl gingen, gab ihr deutlich mehr als jeder Zweite (59%) eine Vorzugsstimme.
Der Zweitplatzierte Josef Noggler punktete vor allem im Heimatbezirk Vinschgau, holte aber überall viele Stimmen, vor allem auch in Bozen, im Eisacktal und Burggrafenamt. Ihm gaben knapp die Hälfte aller Wähler (46%) eine Vorzugsstimme.
Der Drittplatzierte Franz Locher erhielt im Bezirk Bozen den größten Zuspruch aller Kandidaten und punktete darüber hinaus vor allem im Eisacktal und Burggrafenamt sehr gut.
Joachim Reinalter legte die Basis für seinen Erfolg im Pustertal, vereinte darüberhinaus in allen Bezirken gleichmäßig Stimmen auf sich. Er schaffte es in drei Bezirken unter die besten Vier.
Aufschlussreich ist auch das Wahlverhalten der Mitglieder der einzelnen bäuerlichen Organisationen.
Maria Kuenzer erhielt von den Mitgliedern aller bäuerlichen Organisationen den größten Zuspruch, auch von den Bauernbund-Mitgliedern. Dies ist gerade vor dem Hintergrund bemerkenswert, dass Kuenzer ihre politische Karriere aus der Bäuerinnenorganisation heraus gestartet hat. Noggler wurde Zweiter bei Bauernbund, Bäuerinnenorganisation und Bauernjugend sowie Dritter bei der Seniorenvereinigung.
Franz Locher wurde Dritter bei SBB, SBO und SBJ, sogar Zweiter bei der SV. Joachim Reinalter erhielt die meisten seiner Vorzugstimmen von SBB und SBO.
Mehr als nur Achtungserfolge erzielten Oswald Schiefer als Fünftplatzierter vor allem im Unterland, wo ihm 80 Prozent eine Vorzugsstimme gaben, und  Andreas Leiter Reber, der als Sechstplatzierter in allen Bezirken recht gut abschnitt. Manfred Vallazza konnte im Pustertal mit 2480 die meisten Vorzugsstimmen aller Kandidaten auf sich vereinen.
Sehr zufrieden mit der Basiswahl ist der Landesbauernrat, berichtet Bauernbund-Obmann Leo Tiefenthaler: „17.000 Bäuerinnen und Bauern oder 40 Prozent der Wahlberechtigten haben die Möglichkeit genutzt, ihre Kandidaten selbst zu bestimmen.“

SBB-Basiswahl-Vorzugsstimmen_2018

„Sehr fairer Wettbewerb“
Auch hatten die Mitglieder die Wahl zwischen Kandidaten verschiedener Parteien, Jüngeren und Älteren, bekannten und neuen Gesichtern sowie aus verschiedenen Bezirken. Sehr lobenswert auch: Es war ein sehr fairer Wettbewerb. Erfreut ist der Landesbauernrat, dass sich unter den vier Meistgewählten zwei erfahrene Abgeordnete befinden und zwei neue Kandidaten hinzukommen, die aber bereits als Bürgermeister wichtige Erfahrungen in der Verwaltung sammeln konnten.
„Wir sind sicher, dass diese Vier, sofern sie gewählt werden, die Interessen und Anliegen der Landwirtschaft sehr gut vertreten werden. Das gute Abschneiden der amtierenden Landtagsabgeordneten zeigt, dass unsere Mitglieder ihre Arbeit im Landtag schätzen.“
Der Südtiroler Bauernbund wird die vier Gewählten nun Hinblick auf die Landtagswahl unterstützen. „Das ist so ausdrücklich im Statut vorgesehen. Die Vertretung der Interessen ist eine der Hauptaufgaben eines jeden Verbandes. Sie gelingt am besten, wenn eigene Vertreter in den Entscheidungsgremien sitzen“, sagt Tiefenthaler.


Basiswahl 2018: Das sagen die vier Gewählten

Maria Hochgruber Kuenzer
Von „Dank und Freude“ spricht Maria Hochgruber Kuenzer angesichts des „großen Zuspruchs der bäuerlichen Familienmitglieder“. Sie sieht ihn als Auftrag, „Botschafterin für die Landwirtschaft in all ihren Realitäten zu sein: kleine und größere Betriebe, Obst, Wein, Vieh, Sonderkulturen, aber auch UaB, Dienstleister usw.“ Landwirtschaft ist für sie:
1. Einkommenssicherung für die bäuerlichen Familien,
2. Produzentin gesunder Lebensmittel aus der Umgebung und 3. eine Zusatzleistung in der Kulturlandschaft.
„Bei so mancher Kritik fehlt das Bewusstsein, dass die Südtiroler Gesellschaft die Bauern und Bäuerinnen braucht – und mit ihnen
auch rechnen kann.“

Sepp Noggler

Als positive Bewertung seiner bisherigen Arbeit sieht Sepp Noggler sein Ergebnis. Der Landtagsabgeordnete und Regionalassessor ist dankbar für die Zustimmung und sieht sie als Auftrag: „Wir müssen zeigen, dass es um die gesamte Landwirtschaft geht. Sämtliche Berufszweige haben es schwer und brauchen Unterstützung. Die Landwirtschaft muss einig sein!“
Bei der Basiswahl war laut Noggler klar, dass die starken Bezirke die Nase vorne haben werden. Ein Wermutstropfen ist seiner Ansicht nach, dass ein Jugend-Kandidat fehlt. Sollte es wieder Basiswahlen geben, sollte man daher über eine Vorzugsschiene für einen Jugendkandidaten und eine Frau nachdenken.

Franz Locher
Laut Franz Locher war die Basiswahl an sich ein großer Erfolg: „Die Basis konnte selbst bestimmen, in welche Richtung es gehen soll.“ Angesichts der „großen Auswahl“ bewertet er sein eigenes Abschneiden als „Super-Ergebnis“ und als „Auftrag, weiter zu machen!“  
Die Bauern in Südtirol seien „mit Herz und Seele Bauern“. Das muss die Politik honorieren: „Sie ist ein Dienstleister und muss Voraussetzungen bieten, damit die Bauern ihre Arbeit in Natur und Landschaft tun können.“ Es gelte, den Bauern das Leben zu erleichtern statt zu erschweren. „Sonst nimmt man ihnen den Lebensmut. Und eine Aufgabe der Politik ist es auch, Lebensmut zu geben.“

Joachim Reinalter
Auch Joachim Reinalter spricht von der „starken Konkurrenz auf der Liste“. Die Amtierenden seien bestätigt worden. Er dankt dafür, „dass mich trotzdem so viele unterstützt haben.“ Ihm geht es nun vor allem um die Einkommenssicherung in der gesamten Landwirtschaft, z. B. durch Camping am Bauernhof oder Urlaub auf der Alm (mit klaren Regeln). „Bei den Produkten müssen wir weiter auf Qualität setzen und brauchen einen besser ausgestatteten Werbetopf, um Südtirols Lebensmittel auf neuen Märkten stärker bekannt zu machen.“ Zudem muss die Gesellschaft mehr in die Landwirtschaft – v. a. in die Berglandwirtschaft investieren, um sie zu erhalten.