Südtiroler Landwirt, Marketing | 01.02.2018

Zum Einfachen zurückkommen

Am Gasserhof in Kuens fertigt Waltraud Pixner allerlei Leckeres: Eingelegtes, Aufstriche und Sirupe. Die verkauft sie am Bauernmarkt, über zwei Geschäfte und über einen kleinen Hofladen. Nur für das Marketing fehlte ihr lange die Zeit. Das hat sie jetzt geändert. von Renate Anna Rubner

Waltraud Pixner in ihrem kleinen Bauernladen am Gasserhof in Kuens.

Waltraud Pixner in ihrem kleinen Bauernladen am Gasserhof in Kuens.

In Reih und Glied stehen die Gläser und Flaschen auf den Regalen. Waltraud Pixner rückt sie zurecht, füllt bei einigen Sorten auf, wirft einen kritischen Blick auf ihre Produkte. Sie ist stolz auf ihren kleinen Hofladen, den sie sich in der ehemaligen Garage am Gasserhof eingerichtet hat. Ganz schlicht und klein, aber hell und ordentlich. Zentrales Element ist ein alter Vorratsschrank, in dem sie Fruchtaufstriche, Chutneys, eingelegtes Gemüse, Frucht- und Kräutersirupe ausstellt. Auch Fruchtwürfel bietet sie an und selbst gemachte Dekorationsgegenstände wie Lavendelsäckchen für den Wäscheschrank. „Die mache ich, seitdem ich auf den Meraner Markt gehe“, sagt Waltraud Pixner, denn die lassen sich gut mit den bäuerlichen Produkten kombinieren.

Austausch und Ansporn
Die Entscheidung, auf den Bauernmarkt in Meran zu gehen, fiel vor drei Jahren. Damals beschloss die Bäuerin, endlich mehr aus ihrer Leidenschaft zu machen. Denn mit dem Einkochen von Aufstrichen und Chutneys hat sie schon vor längerer Zeit begonnen. „Als unser Jüngster gerade auf die Welt gekommen war, im Jahr 2003, habe ich in der Fachschule Haslach mit der Ausbildung zur ,Bäuerin – Botschafterin ihrer Produkte“ angefangen. Das war ein Kurs, den ich über zwei Jahre einmal pro Woche besucht habe. Eine prägende Zeit für mich“, erinnert sich die Bäuerin. Denn sie habe bei dieser Fortbildung nicht nur viel gelernt, sondern besonders durch den Austausch mit anderen Bäuerinnen viele Anregungen erhalten. „Ich war voll Bewunderung für all die Bäuerinnen, die so viel machen und auf die Beine stellen. Daraus reifte in mir der Entschluss, Aufstriche und Sirupe zu machen“, erinnert sich Waltraud Pixner. Die stellte sie dann in ein Kästchen, damit sich die Feriengäste, die am Gasserhof Urlaub machten, davon bedienen konnten.

Einfache Rezepturen
Die Rezepturen waren von Anfang an sehr einfach: Früchte, wenig Zucker, etwas Pektin. In allen Aufstrichen sind Fruchtstückchen drin, das ist ein Charakteristikum, die Gasserhof-Note sozusagen. Selten macht Waltraud Pixner Mischungen, höchstens einen Tick Ingwer, Zitronenverbene oder Minze für den Apfel- oder Birnenaufstrich. Der Geschmack soll so unverfälscht wie möglich ins Glas kommen. Die Bäuerin ist überzeugt: „Wir müssen wieder zum Einfachen zurückkommen.“ Diese Grundhaltung spiegelt sich in allen ihren Produkten wider: Sie sind so naturbelassen wie möglich, müssen deshalb aber auch rasch aufgebraucht werden, wenn die Gläser einmal offen sind. Das akzeptieren die Kunden aber. Wie auch die Tatsache, dass einmal etwas nicht verfügbar ist. „Wenn etwas fertig ist, dann ist es halt so, das verstehen die meisten“, weiß die Bäuerin.

Entscheidung zum Durchstarten
In der ersten Zeit habe sie auch einmal eine Anzeige geschaltet, in der Burggräfler Zeitung, der BAZ. So habe alles angefangen, eher tröpfchenweise. „Ich habe überhaupt kein Marketing gemacht, dazu fehlte mir schlichtweg die Zeit. Und das liegt mir auch nicht so“, gibt die Bäuerin offen zu. So sei das Ganze zwar ganz gut angelaufen, so richtig geflutscht habe es aber nicht. „Das ist so nebenher gelaufen, es hat zwar Freude gemacht, aber verdient habe ich kaum etwas damit.“ Irgendwann war eine Entscheidung notwendig: Bleiben lassen oder richtig durchstarten. Waltraud Pixner hat sich fürs Durchstarten entschieden. Dazu brauchte sie aber die Unterstützung ihres Mannes. Und bekam sie auch.

Neue Flaschen und Gläser
Vor drei Jahren also meldete sie sich für den „Meraner Markt“ an. Auch beim „Riffianer Dorfmarktl“ macht sie seitdem mit. Sie besorgte sich neue Gläser und Flaschen in einfachem, aber elegantem Design, mit einer Grafikerin gemeinsam entwickelte sie neue Etiketten, schlicht und unaufdringlich. „Die alten Etiketten waren einfach nicht mehr zeitgemäß“, sagt Waltraud Pixner. Nur ein Element davon hat sie für die neuen Etiketten übernommen: Den Gartenzaun mit einem darauf sitzenden Vogel. Das ist zum Logo der bäuerlichen Produkte vom Gasserhof geworden und hat für Waltraud Pixner Symbolcharakter: „Der Gartenzaun verdeutlicht, dass alles, was in den Gläsern und Flaschen steckt, in meinem eigenen Garten wächst, von mir geerntet und verarbeitet wird.“

Letzter Sprung: die Qualitätsmarke
Vor zwei Jahren wagte die Bäuerin den nächsten Schritt: „Ich war bei einer Tagung für Direktvermarkter. Einer der Referenten, Hannes Knollseisen von der Abteilung Marketing im Südtiroler Bauernbund, hat einen Vergleich gezogen, der mich davon überzeugt hat, dass ich nur mit gezieltem Marketing nachhaltig erfolgreich sein würde.“ Hannes Knollseisen habe Direktvermarkter mit Skifahrern verglichen: Es gebe jene, die nahe am Ziel aus der Hocke gehen und irgendwie die Ziellinie erreichen. Die Siegertypen dagegen blieben bis zuletzt unter Spannung und erreichten mit letztem Kraftaufwand als Erste das Ziel. Da war für Waltraud Pixner klar, auch sie wollte zu den erfolgreichen Skifahrern gehören.

Also reichte sie einige ihrer Produkte bei der Verkostungskommission der Qualitätsmarke „Roter Hahn“ ein. Und kam sofort mit allen durch. „Das war schon ein tolles Erfolgserlebnis“, sagt die Bäuerin. „Dabei habe ich eigentlich eher deshalb mitgemacht, um zu erfahren, wo ich überhaupt stehe.“ Im Jahr darauf waren es noch ein paar Produkte mehr. Die Qualitätsmarke übernimmt nun das Marketing für die Produkte vom Gasserhof. Und Waltraud Pixner merkt den Unterschied: „Zum einen gehen natürlich die beiden Märkte sehr gut. Auch die beiden Geschäfte sind ein guter Vertriebskanal für mich. Aber durch die Bewerbung mit der Qualitätsmarke kommen eindeutig mehr Anfragen, und es kommen Leute im Hofladen vorbei, Einheimische wie Gäste“ – Menschen eben, die zum Einfachen zurückkommen.