Produktion, Südtiroler Landwirt | 01.02.2018

Was der Progesteron-Test bringt

Um Fruchtbarkeitsstörungen bzw. die Brunstkontrolle bei Rindern zu verbessern, wird der Progesteron-Test erfolgreich eingesetzt. Damit wird der Progesteron-Gehalt in der Milch gemessen. Der folgende Beitrag erklärt, welche Rückschlüsse daraus gezogen werden. von Martin Schenk und Luis Kerschbaumer, Sennereiverband Südtirol

Wer den Progesteron-Test machen will, kann die Proben über das Kuvert „Probenset Milch“ einschicken. (Foto: Sennereiverband Südtirol)

Wer den Progesteron-Test machen will, kann die Proben über das Kuvert „Probenset Milch“ einschicken. (Foto: Sennereiverband Südtirol)

Das Trächtigkeits-Schutzhormon Progesteron bewirkt die Brunstruhe und ist für die Aufrechterhaltung der Trächtigkeit zuständig. Ein Brunstzyklus dauert beim Rind in der Regel 21 Tage. Im Verlauf dieser Tage entstehen am Eierstock zwei Gebilde, die Eiblase und der Gelbkörper. Sobald das Rind brünstig ist, ist am Eierstock des Tieres eine Eiblase herangereift, die Brunsthormone (Östrogene) produziert. Nach dem Eisprung wächst an der Stelle der Eiblase ein Gelbkörper heran, welcher das Progesteron bildet. Gibt der Gelbkörper genügend Progesteron ab, kann es zu keiner erneuten Brunst kommen. Ist eine Kuh nicht trächtig, dann wird ab dem 18. Tag der Gelbkörper zurückgebildet und der Progesteron-Gehalt nimmt ab. Sobald der Gelbkörper ganz verschwunden ist, wird kein Progesteron mehr gebildet, und die Eiblase kann sich voll entwickeln. Es entsteht eine neue, befruchtungsfähige Eizelle. Die Kuh wird brünstig.

Beobachtung des Zyklusverlaufes
Während der Brunst existiert kein Gelbkörper, daher ist der Progesteron-Gehalt niedrig, d. h. kleiner als 3. Ist der Gelbkörper aktiv, ist der Progesteron-Gehalt 3 oder darüber. Ohne Progesteron gibt es keine Trächtigkeit. Ist eine Kuh trächtig, finden wir einen Gelbkörper am Eierstock, und daher ist der ­Progesteron-Gehalt hoch (in der Regel größer als 10, in Ausnahmefällen auch etwas tiefer).
Bei unbekanntem Zyklusverlauf sollte im Abstand von vier Tagen eine Probe analysiert werden. Nach 20 bis 24 Tagen stellt sich der Zyklus des Tieres dar: Wenn tiefe Progesteron-Werte erreicht werden, müsste eine Brunst vorliegen. Hat eine Kuh konstant tiefe Werte, können Follikelzysten die Ursache sein. Bei konstant hohen Werten kann dies durch Gelbkörperzysten verursacht werden. Da auch Tiere ohne eindeutige Brunstsymptome in der Brunst einen niedrigen Progesteron-Wert haben, können diese Kühe trotzdem erfolgreich einer künstlichen Besamung unterzogen werden. Scheinbrünstige Kühe mit aktivem Gelbkörper (Progesteron-Wert 3 oder darüber) können nicht erfolgreich befruchtet werden.
Der Progesteron-Test kann nie zur Trächtigkeitskontrolle herangezogen werden. Es kann lediglich z. B. 21 Tage nach einer Besamung durch eine erneute Brunst eine Nicht-Trächtigkeit festgestellt werden. Wenn nicht klar ist, ob tatsächlich eine Brunst vorliegt, sollte ein Tierarzt zurate gezogen werden.

Wie man die richtigen Schlüsse zieht
Beispiel: eine Kuh wurde besamt, und nun möchten wir wissen, ob die Kuh umrindern wird oder nicht. Wird nun der Progesteron-Gehalt am 19. oder 20. Tag nach der Brunst gemessen, können je nach Höhe des Progesteron-Wertes folgende Aussagen gemacht werden: Ist der Progesteron-Gehalt niedrig, ist die Kuh nicht trächtig. Bei einem mittleren Progesteron-Gehalt sollte in den folgenden Tagen nochmals eine Milchprobe getestet werden. Fällt der Progesteron-Gehalt weiter ab, ist mit einem Umrindern der Kuh zu rechnen. Ist der Progesteron-Gehalt hoch, ist die Wahrscheinlichkeit groß (80 Prozent), dass die Kuh erfolgreich besamt wurde. Ein positiver Test (hohe Progesteron-Konzentration) ist kein Beweis für eine Trächtigkeit. Ein Restrisiko (20 Prozent) durch einen verzögerten Eisprung, Gelbkörperzysten oder durch einen embryonalen Frühtod besteht immer. Daher sollte nach sechs Wochen – sofern die Kuh nicht umgerindert hat – auf jeden Fall eine Trächtigkeitsuntersuchung vorgenommen werden.

Kosten für die Untersuchung
Die Progesteron-Proben können über das Kuvert „Probenset Milch“ eingeschickt werden. Es kann das Vor- oder das Gesamtgemelk verwendet werden. Seit dem 1. Jänner 2018 kostet eine Progesteron-Untersuchung 4,50 Euro inkl. Mwst. Alle Proben werden verrechnet. Es gibt keine Gratisproben mehr. Weitere Informationen zum Progesteron-Test  erteilt der Sennereiverband Südtirol unter Tel. 0471 063900 oder der E-Mail-Adresse beratung@sennereiverband.it.