Südtiroler Landwirt, Politik | 01.02.2018

Land soll für Herdenschutz zahlen

Gleich zweimal war im Jänner das Großraubwild Thema im Südtiroler Landtag. Die Abgeordneten befassten sich mit zwei Anträgen, in denen es unter anderem um die Finanzierung von Herdenschutzmaßnahmen ging. von Bernhard Christanell

Den Schutzstatus für den Wolf zu senken, ist ein erster Schritt zu einem sinnvollen Managementplan. (Foto: www.pixabay.com)

Den Schutzstatus für den Wolf zu senken, ist ein erster Schritt zu einem sinnvollen Managementplan. (Foto: www.pixabay.com)

Den Begehrensantrag mit dem Titel „Angriffe durch Wolf und Bär – Wahrscheinlichkeit durch strikte Managementpläne senken und Strafrechtsbestimmungen präzisieren“ hatten die Abgeordneten Josef Noggler, Oswald Schiefer, Dieter Steger und Albert Wurzer eingebracht. Sie fordern darin das Parlament in Rom auf, alle Möglichkeiten innerhalb des EU-Rechts zu nutzen, um die geregelte Jagd auf Wolf und Bär in den Bergregionen vorzusehen. Noggler erklärte dazu: „Es ist notwendig, den Schutzstatus der Großraubtiere auf ein Maß zu senken, welches das Fortbestehen der Bewirtschaftungsformen in Berggebieten gewährleistet und auch künftige Entwicklungen ermöglicht. Die ohnehin schon erschwerten Wirtschaftsbedingungen am Berg im Vergleich zu urbanen Räumen dürfen also nicht weiter erschwert werden.“ Zudem werfe das vermehrte Auftreten der Großraubtiere neue Fragen im Strafrecht auf. „Schließlich wird es durch die wachsenden Wolfs- und Bärenpopulationen wahrscheinlicher, dass es zu Situationen kommt, in denen sich der Mensch und sein Hab und Gut den Attacken von Wolf und Bär ausgesetzt sieht“, erinnerte Noggler.

Wunsch nach direkter Zuständigkeit
Unterstützung erhielten die Antragsteller unter anderen von Maria Hochgruber Kuenzer. Laut ihr wäre es wichtig, die autonome Zuständigkeit zu diesem Thema zu erhalten. Landesrat Arnold Schuler betonte, dass sich der Konflikt seit der letzten Ausrottung der Wölfe im Alpenraum verschärft habe, weil der Mensch mehr Flächen besiedelt habe. Die Schäden seien für die Betroffenen dramatisch, eine Vermehrung von 20 bis 30 Prozent pro Jahr sei für die Berglandwirtschaft nicht verkraftbar. Der Begehrensantrag wurde mit 23 Ja- und drei Neinstimmen bei einer Enthaltung angenommen.

Kosten für Herdenschutz unterschätzt
In einem Beschlussantrag – eingebracht von Josef Noggler, Oswald Schiefer und Albert Wurzer – ging es um die vollständige Übernahme der Kosten für Herdenschutzmaßnahmen durch die öffentliche Hand. Die öffentliche Hand solle die Kosten für Herdenschutzmaßnahmen in Form von Pilotprojekten bereits für 2018 vollständig tragen, also die Investitionskosten, die Instandhaltungskosten und die operativen Kosten.
Noggler betonte dazu: „Es ist allseits bekannt, dass die Rückkehr von Wolf und Bär die Nutztiere gefährdet. Nun wird von den Bauern auch noch eingefordert, dass sie die Herdenschutzmaßnahmen ergreifen müssten, um das Risiko für die Haus- und Nutztiere zu minimieren.“ Die Umsetzung von Pilotprojekten koste bis zu 50 Euro pro Schaf, das sei für einen Bauern zu viel.
Hans Heiss begrüßte den Vorstoß für Herdenschutzmaßnahmen. Es gehe nicht darum, ganze Almen zu umzäunen, es genügten kleine umzäunte Flächen für die Nacht. Das sei ein Aufwand, den man auch vergelten müsse. Landesrat Arnold Schuler erinnerte daran, dass es nicht leicht sei, die Tierhalter von den Schutzmaßnahmen zu überzeugen. Dass die Almen noch bewirtschaftet werden, sei auch im Interesse der Allgemeinheit und der Umwelt.
Auch dieser Antrag wurde angenommen, und zwar mit 24 Ja-, einer Neinstimme und sechs Enthaltungen.