Produktion | 09.01.2018

„Schädlich und nicht zielführend“

Mit klaren Worten nehmen Landesrat Schuler und Bauernbund-Landesobmann Leo Tiefenthaler sowie die Vertreter verschiedener anderer Organisationen zur Polemik um ein Interview des Malser Bürgermeisters Ulrich Veith in der Zeitschrift „GEO Saison“ Stellung.

Das Wandern in Südtirols Apfelanlagen ist unbedenklich.

Das Wandern in Südtirols Apfelanlagen ist unbedenklich.

Wie in der Presse bereits berichtet, hat der Bürgermeister Ulrich Veith der Zeitschrift „GEO Saison“ zum Pflanzenschutzverbot in der Gemeinde Mals und dem daraus resultierenden Tourismusboom ein Interview gegeben. Aus den Aussagen von Veith gegenüber „GEO Saison“ geht hervor, dass die Südtiroler Landwirtschaft durch die Anwendung von Pflanzenschutzmitteln vorsätzlich und nachweislich der Gesundheit der Bevölkerung, speziell Kindern und den Gästen Südtirols schade. Er rät daher dem Gast von Spaziergängen in Obstbaugebieten ab, weil diese gesundheitsgefährdend seien. Schließlich stellt der Bürgermeister fest, dass „Agrarkonzerne, Bauernverbände und die Landespolitik mit Grabschändungen, angedrohten Amtsenthebungsverfahren und gekürzten Gemeindefinanzierungen“ auf das Pflanzenschutzverbot in der Gemeinde Mals reagieren.

Tiefe Gräben werden aufgerissen
Die Reaktion der angesprochenen Personen ließ nicht lange auf sich warten: „Wir nehmen diese Aussagen mit großer Sorge und großem Bedauern zur Kenntnis, weil hier mit unwahren Unterstellungen nicht nur wirtschaftlicher Schaden verursacht wird, sondern tiefe Gräben in der Gesellschaft aufgerissen werden“, reagieren Landesrat Arnold Schuler, Bauernbundobmann Leo Tiefenthaler, VOG-Präsident Georg Kössler und IDM-Präsident Hansi Pichler einstimmig auf die Vorwürfe Veiths. Tiefenthaler stellt klar: „Wir sind der Bauernbund aller Bauern, der integrierten und der biologischen. Wir führen keinen Glaubenskrieg, sondern wir arbeiten sachlich und verantwortungsbewusst an einer nachhaltigen Weiterentwicklung der Südtiroler Landwirtschaft. Aus diesem Grund trifft es uns schwer, wenn mit solchen Unwahrheiten die Bevölkerung verunsichert wird.“

Reduzierter Pflanzenschutz im Sinne der Bauern
Georg Kössler, der auch Präsident des Südtiroler Apfelkonsortiums ist, ergänzt: „Die Mitglieder unserer Genossenschaften halten sich an vorgegebene Qualitätsstandards, die strenger sind, als es die EU-Normen vorgeben, weil wir konsequent auf Qualität setzten und nur so am hart umkämpften Markt bestehen können. Diese Tatsache muss man einfach zur Kenntnis nehmen“, ergänzt. Es kann nur im Interesse der Bauern sein, den Einsatz von Pflanzenschutz so weit wie möglich zu reduzieren, weil damit Kosten gesenkt werden und weil der Markt naturnahe Produkte nachfrägt. Gleichzeitig ist dies eine Entwicklung, in der man Umstellungszeiten, Forschungsergebnisse und die Dynamik der Märkte berücksichtigen muss. Landesrat Arnold Schuler betont: „In meiner Rolle als Landesrat für Landwirtschaft stelle ich mich gerne jeder Diskussion und bin offen für jeden neuen Ansatz. Dabei setze ich auf Fakten, auf gegenseitigen Respekt und auch darauf, dass der Apfelanbau die Einkommensgrundlage von 8000 Südtiroler Familien ist, die allesamt nicht das geringste Interesse daran haben, Land und Leute zu vergiften.“

Zusammenfassend sind sich alle genannten Organisationen und der Landesrat für Landwirtschaft und Gemeinden einig: „Es ist nicht zielführend, die Südtiroler Landwirtschaft und damit einen Teil der Südtiroler Bevölkerung öffentlich zu diskreditieren und damit wirtschaftlichen und sozialen Schaden zu provozieren.“

Bäuerinnen: „Aussagen sind respektlos“
Landesbäuerin Hiltraud Erschbamer bedauert die ständig in Kritik geratene Landwirtschaft und appelliert für mehr Respekt: „Ich kann jemanden oder etwas nicht mögen, aber dennoch respektvoll behandeln. Die Aussagen, welche in Vergangenheit über unsere Landwirtschaft und die darin arbeitenden Bäuerinnen und Bauern getroffen wurden, sind nicht nur verantwortungslos, sondern auch respektlos.“