Bauernbund, Südtiroler Landwirt | 21.12.2017

Wetter und andere Kapriolen

Auf ein in jeder Hinsicht außergewöhnliches Jahr blicken die Südtiroler Bauern am Jahresende zurück. Der „Südtiroler Landwirt“ hat sich bei den Obmännern der sechs Bauernbund-Bezirke umgehört, wie das Jahr bei ihnen verlaufen ist. von Michael Deltedesco, Guido Steinegger und Bernhard Christanell

Am Ende des Jahres blicken die sechs Bauernbund-Bezirksobmänner auf ein bewegtes Jahr 2017 zurück.  (Grafik: Daniel Hafner)

Am Ende des Jahres blicken die sechs Bauernbund-Bezirksobmänner auf ein bewegtes Jahr 2017 zurück. (Grafik: Daniel Hafner)

Ein Berufsstand, der die meiste Zeit des Jahres im Freien arbeitet, ist es gewohnt, dass die Bilanz am Ende des Jahres ganz wesentlich vom Verlauf der Witterung abhängt. Besonders zu spüren bekamen dies im zu Ende gehenden Jahr die Obst- und Weinbauern.
Hart hat es heuer den Obstbau im Eisacktal getroffen: Große Ausfälle durch den Frost, dann der Hagel – die Kombination gab laut Bezirksobmann Konrad Obexer den verheerenden Ausschlag. Auch die Qualität der verbleibenden Äpfel hat dadurch gelitten.

Nur ein Drittel Äpfel im Eisacktal
Die Eisacktaler Apfelbauern lieferten nur ein Drittel der normalen Anlieferungsmenge an die Obstgenossenschaft Melix. Die Folgen machen laut Obexer sichtbar, wie viele Bereiche von einer Genossenschaft abhängen: „Das geht von den einzelnen Bauern über die Schwierigkeiten am Absatzmarkt bis zu den saisonalen Mitarbeitern.“
Auch beim Wein hat der Frost im Eisacktal beträchtliche Mengeneinbußen mit sich gebracht, z.B. im Gebiet rund um Neustift. Unterschiedlich schätzen die Kellermeister dagegen die Qualität ein.
Auch im Vinschgau hat die Witterung das Jahr maßgeblich mitbestimmt, wie Bezirksobmann Raimund Prugger zu berichten weiß: „Der Frost im Frühjahr und mehrere Hagelschläge im Sommer haben für mehr oder weniger große Schäden im Obst- und Weinbau gesorgt. Dort, wo die Obstanlagen von Frost und Hagel verschont geblieben sind, war die Qualität vielversprechend“, erklärt Prugger.

Weinbau: 2017 wohl kein Spitzenjahrgang
Auch die Bauern im Burggrafenamt wurden vom Frost nicht verschont – vor allem die Obst- und Weinbauern in den Hanglagen hat es laut Bezirksobmann Bernhard Burger hart getroffen: „Dort, wo keine Frostberegnung möglich war, haben die Obst- und Weinbauern erhebliche Einbußen zu verzeichnen. Im Obstbau war auch die Größe der Früchte unterdurchschnittlich, wobei die Hanglagen diesbezüglich fast noch besser dran waren als die Tallagen. Im Weinbau war die Menge wesentlich geringer, auch in punkto Qualität wird der Jahrgang 2017 wohl eher nicht als Spitzenjahrgang in die Geschichte eingehen“, zieht Burger Bilanz. Immerhin blieben die Burggräfler Bauern vom Hagel großteils verschont.
Auch im Bauernbund-Bezirk Bozen kämpften die Apfel- und Weinbauern mit den Wetterverhältnissen, berichtet Obmann Karl Framba: „Zuerst kamen Winterfröste, dann richteten die harten Frostnächte vor allem in Randgebieten große Schäden an. Vom Hagel blieb der Bezirk weitgehend verschont, mit Ausnahme einiger Gebiete vor allem südlich von Leifers.“ Insgesamt verzeichnen beide Branchen Ernteeinbußen von rund 20 Prozent. Der goldene Herbst stimmte versöhnlich, die Qualität bei Äpfeln und Trauben war laut Framba „mittel bis gut“.
Eine Verkaufssaison mit Höhen und Tiefen, vor allem aber die Kälte im Frühjahr und der Hagel im Sommer haben schließlich auch im Unterland im Obstbau für Probleme gesorgt. Auch der Weinbau bekam laut Bezirksobmann Reinhard Dissertori die ungewöhnliche Witterung des zu Ende gehenden Jahres zu spüren.

Unfaire Kritik aus der Gesellschaft „zehrt an den Nerven“
Ein Thema, das die Bauern im ganzen Land beschäftigt hat, war die anhaltende Kritik an der Landwirtschaft – vor allem in Bezug auf bestimmte „Reizthemen“ wie die Ausbringung von Pflanzenschutzmitteln oder von Gülle. Laut Karl Framba „zehrt diese Dauer-Kritik an den Nerven, vor allem, wenn sie gepaart ist mit Unwissenheit und beleidigenden Worten.“ Überall würden die Bauern einen großen Graben spüren zwischen den eigenen Bemühungen und dem Unverständnis der Bürger – am Stammtisch ebenso wie in den sozialen Netzwerken.
Auch im Bezirk Vinschgau war der Bauernbund bemüht, Bäuerinnen und Bauern noch weiter zu sensibilisieren. „Wir stellen uns aber auch vor alle Bauern, die Pflanzenschutz professionell betreiben und sich an alle Regeln halten – und das ist die ganz große Mehrheit“, unterstreicht Bezirksobmann Prugger. Ähnliche Erfahrungen haben auch die Bauern in den übrigen Bezirken gemacht. „Es gibt noch viel Aufklärungsarbeit zu leisten. Wir wünschen uns aber auch, dass die Bemühungen unserer Bauern als solche anerkannt werden und wir die Diskussion auf eine sachliche Ebene heben können“, erklärt Bezirksobmann Bernhard Burger.

Gutes Jahr für Bergbauern
Verglichen mit den Obst- und Weinbauern ist das Landwirtschaftsjahr für die Bergbauern im Land recht gut verlaufen. Die Bilanz des Pusterer Bezirks-obmanns Anton Tschurtschenthaler deckt sich mit jenen seiner Amtskollegen: „Im Frühjahr war es zum Teil sehr trocken und frostig, was das Wachstum anfänglich eingebremst hat. Da bereits der letzte Winter schneearm war, hat in den Böden die Feuchtigkeit gefehlt. Der Sommer war dann recht gut, genauso wie der Herbst, weshalb wir insgesamt auf ein ruhiges, mittelmäßiges Wirtschaftsjahr zurückblicken können.“ Dank des schönen Wetters konnten die Tiere lange geweidet werden, berichtet der Unterlandler Bezirksobmann Dissertori.

Mäßige Futtererträge mit guter Qualität
Die Futtererträge im Grünland waren zwar mäßig, die Qualität war dafür aber etwas besser als in den Jahren zuvor. „Das wird sich hoffentlich auch auf die Milchqualität in den kommenden Monaten auswirken“, wünscht sich Tschurtschenthaler, der vor allem auch die immer bessere Zusammenarbeit zwischen den Milchhöfen positiv sieht. Der Milchpreis war heuer insgesamt stabil, etwas höhere Preise gab es für Heumilch und besonders für Bioheumilch. Ebenso positiv sieht Tschurtschenthaler die Gespräche über einen Zusammenschluss der Viehzuchtverbände: „Dabei sollten aber alle Beteiligten mit eingebunden werden – vor allem im Sinne der Mitglieder“, forderte der Bezirksobmann. Ein weniger gutes Jahr hat die Pustertaler Saatbaugenossenschaft hinter sich: Wegen des sehr nassen und kühlen Jahres war der Ertrag an Kartoffeln niedriger und der Fäulnisbefall höher.
Das Angebot der Fernheizwerke von 47 Euro je Festmeter Brennholz wird immer stärker genutzt und hat sich vor allem angesichts der großen Vermurungen im Raum Pustertal als sehr gut erwiesen. Auf „bessere Preise für die Waldbesitzer“ hofft der Eisacktaler Bezirksobmann Konrad Obexer hingegen beim Nutzholz.

Basiswahl und Großraubwild waren Dauerbrenner
Verbandspolitisch gab es zwei Themen, die alle Bezirke in den vergangenen Monaten stark beschäftigt habn und das auch nach wie vor tun: die Basiswahl zur Ermittlung der vier bäuerlichen Kandidaten bei der Landtagswahl im kommenden Herbst und das neue Landesraumordnungsgesetz. Alle Bezirksobmänner rufen zu einer regen Beteiligung an der Basiswahl auf. „Damit würden unsere Mitglieder ein starkes Signal der Mitsprache setzen. Ziel ist am Ende ein gutes Ergebnis für die von den bäuerlichen Organisationen unterstützten Kandidaten bei den Landtagswahlen“, bringt es Karl Framba auf den Punkt.
Vor allem im Westen des Landes war das Großraubwild in diesem Jahr ein Dauerbrenner. Raimund Prugger erinnert an die Sorgen, die sich die Bauern um die Zukunft der Almwirtschaft machen: Ähnliches gilt im Bezirk Burggrafenamt für das Ultental, wo die Bauern auch mehrmals gegen die Wiederansiedlung von Bär und Wolf protestiert haben.