Wirtschaft | 30.11.2017

Stimmung bei Genossenschaften positiv

Das Geschäftsklima bei den landwirtschaftlichen Genossenschaften bleibt insgesamt positiv. Dies ergibt sich aus der Herbstausgabe des Wirtschaftsbarometers vom WIFO – Institut für Wirtschaftsforschung der Handelskammer Bozen.

In den Sennereigenossenschaften ist die Stimmung vergleichsweise am besten.

In den Sennereigenossenschaften ist die Stimmung vergleichsweise am besten.

Die Südtiroler landwirtschaftlichen Genossenschaften zeigen weiterhin eine positive Stimmung. Etwa die Hälfte konnte heuer laut eigener Angabe den Bauern „gute“ Auszahlungspreise gewährleisten, die andere Hälfte berichtet immerhin von „befriedigenden“ Erzeugerpreisen. Allgemein dürfte dieses Bild im Hinblick auf 2018 nahezu unverändert bleiben. Zwischen den verschiedenen Branchen der Landwirtschaft bestehen aber wesentliche Unterschiede.

Milchwirtschaft am optimistischsten
Am besten ist das Geschäftsklima in der Milchwirtschaft: Alle Milchhöfe und Sennereien bewerten die Auszahlungspreise im Jahr 2017 als positiv, 80 Prozent davon sogar als gut. Die Verkaufspreise sind angestiegen und die Umsätze konnten auf allen Märkten gesteigert werden, insbesondere außerhalb der Landesgrenzen. Insgesamt melden zwei Drittel der Milchgenossenschaften ein wachsendes Geschäftsvolumen. Damit konnte trotz höherer Produktionskosten die betriebliche Wettbewerbsfähigkeit erhalten werden. Darüber hinaus wurde heuer vermehrt investiert, vor allem was Maschinen und Anlagen betrifft. Für das kommende Jahr erwartet man ein weiteres leichtes Wachstum der Umsätze und eine starke Investitionstätigkeit. Die Auszahlungspreise dürften in den meisten Fällen weiterhin gut ausfallen.

Weinwirtschaft: Umsatzsteigerungen am lokalen Markt
Die Stimmung ist auch in der Weinwirtschaft positiv. Heuer konnten starke Umsatzsteigerungen sowohl auf dem lokalen Südtiroler Markt, als auch mit der italienischen und ausländischen Kundschaft erzielt werden. Die Auszahlungspreise an die Winzer fielen für alle Kellereien „befriedigend“ aus, in drei Vierteln der Fälle sogar „gut“. Die Weinlese war heuer auch aufgrund einiger Spätfrost- und Unwetterschäden mengenmäßig geringer als in den Vorjahren, die Qualität wird aber von den Kellermeistern positiv bewertet. Aus diesem Grund geht man auch für 2018 von befriedigenden bis guten Auszahlungen aus. Die Investitionen der Weingenossenschaften sind 2017 angestiegen, insbesondere was Maschinen und Bauten betrifft. Für das kommende Jahr ist hingegen eine leichte Reduzierung vorgesehen.

Obstwirtschaft: Stimmung besser, aber weiterhin verhalten
In der Obstwirtschaft ist das Geschäftsklima verhalten. Die abgelaufene Verkaufssaison war schwierig, aufgrund der Ernteeinbußen im Vorjahr und der niederen Apfelpreise. Die Folgen des russischen Embargos und der Krisen in Nordafrika waren auch heuer spürbar. Die Marktpreise sind jedoch ab dem Frühling wieder angestiegen, als klar wurde, dass die Frostschäden heuer europaweit beachtliche Ernteausfälle verursachen würden. Die Auszahlungspreise im Jahr 2017 werden von den Genossenschaften zwar positiv bewertet, allerdings nur selten als „gut“. In Südtirol haben Frost und Hagel heuer eine Produktionsreduzierung von etwa 20 Prozent verursacht, andere europäische Anbaugebiete waren deutlich stärker betroffen. Daher kann man für die neue Vermarktungssaison von höheren Marktpreisen und folglich von besseren Auszahlungspreisen an die Obstbauern ausgehen.

Streit mit Russland beilegen
Für die Zukunft hofft Handelskammerpräsident Michl Ebner auf eine Normalisierung der Handelsbeziehungen mit Russland: „Der russische Markt war für die europäischen Agrarprodukte sehr wichtig und die Sanktionen haben beide Seiten geschädigt. Eine Beilegung dieses Streits ist deshalb erstrebenswert.“
Bauernbund-Obmann Leo Tiefenthaler blickt optimistisch in die Zukunft: „Ich bin überzeugt, dass die gute Stimmung in der Milchwirtschaft und im Weinbau anhalten wird. Die Konzentration auf eine hohe Qualität und die sehr gute Arbeit der Genossenschaften sind ein Garant dafür. Ich hoffe, dass sich auch die Stimmung im Obstbau bessert. Nach dem schwierigen letzten Verkaufsjahr deutet vieles auf höhere Preise hin, die den Bemühungen der Obstbauern und der Genossenschaften Rechnung tragen.“