Bauernbund | 24.11.2017

Durchhaltevermögen gefragt

Wie steinig ist der Weg, wenn sich Bäuerinnen und Bauern dazu entschließen Sonderkulturen anzubauen? Worin liegen die großen Chancen von innovativen Kulturen? Diesen Fragen widmete sich auf der Landwirtschaftsmesse Agrialp in der Messe Bozen eine Podiumsdiskussion. von Renate Anna Rubner

Diskutierten auf der Agrialp über Sonderkulturen: (v.l.) Astrid Weiss, Masssimo Zago, Moderator Matthias Bertagnolli, Lukas Unterhofer und Andreas Tappeiner

Diskutierten auf der Agrialp über Sonderkulturen: (v.l.) Astrid Weiss, Masssimo Zago, Moderator Matthias Bertagnolli, Lukas Unterhofer und Andreas Tappeiner

Sonderkulturen sind besonders arbeits- und oft auch kapitalintensiv. Bäuerinnen und Bauern, die sich neben den traditionellen Kulturen dem Gemüse-, Beeren- oder Steinobstanbau widmen, erhoffen sich dadurch aber auch höhere Flächenerlöse. So war es am Hof von Andreas Tappeiner: Der Vinschger Bauer stammt von einem Viehwirtschaftsbetrieb, der bis in die 1980er Jahre im Zuerwerb bewirtschaftet wurde. Um den Fortbestand des Hofes gewährleisten zu können, begann Tappeiner Gemüse anzubauen und damit die Genossenschaft zu beliefern. Eine gute Entscheidung, denn sein Hof steht heute solide da.

Direktes Feedback von treuen Stammkunden
Lukas Unterhofer dagegen kommt von einem Obstbaubetrieb Nahe Meran. Er begann mit dem Gemüseanbau um das Betriebsrisiko durch die Spezialisierung zu entschärfen. Zudem bot der Gemüseanbau eine gute Fruchtfolge zum langjährigen Apfelanbau. Heute baut er bis zu 60 verschiedene Kulturen (Gemüse, Kräuter, Beeren und Steinobst) an und verkauft sie ausschließlich über den eigenen Hofladen. 90 Prozent seiner Kunden sind Stammkunden: „So bekommen wir ein direktes Feedback und können schnell reagieren, wenn etwas zu optimieren ist oder die Kunden Wünsche haben."

Externe Beratung und Eigenrecherche
Wenn er Informationen braucht, wendet sich Unterhofer an die verschiedenen Beratungsstellen: Dem Beratungsring für Obst- und Weinbau, dem BRING oder an das Versuchszentrum Laimburg. Nicht immer können diese Organisationen aber ausreichend Hilfestellung leisten. „Wir sind es gewohnt, vieles selber zu recherchieren, zu probieren und Fehler zu machen. Das ist einfach so. Jedes Jahr habe ich eine ganze Liste von Dingen, die zu verbessern sind, jedes Jahr ist anders und es entsteht eine neue lange Liste", schmunzelt der junge Bauer.

Massimo Zago, im Versuchszentrum Laimburg für Sonderkulturen verantwortlich, erklärt: Die Beratung ist für gewisse, bereits, etablierte' Kulturen gut, wie Erdbeere oder Kirsche". Bei neuen Kulturen aber müsse man sich die Informationen oft anderweitig beschaffen, weil die Forschung etwas hinterherhinkt. „Mit Frühjahr 2018 werden wir aber mit einer ganzen Liste neuer Kulturen starten um auch für die Versuche anzulegen und besser auf die Anforderungen innovativer Bauern reagieren zu können."

Sonderkulturen im Vinschgau mit Vorteilen und Hindernissen

Dass das Versuchzentrum Laimburg in Eyrs eine Außenstelle hat, wo Versuche für den Gemüseanbau gemacht werden, ist für das Anbaugebiet Vinschgau von großem Vorteil. Andreas Tappeiner kann mit seinem Betrieb voll auf die Beratung bauen. Zudem braucht er sich nicht um die Vermarktung kümmern, weil das die Genossenschaft übernimmt. „Eine Herausforderung für uns ist aber die große Distanz, die zwischen uns und den Konsumenten besteht. Zwar gewähren unsere Produkte volle Rückverfolgbarkeit, aber der direkte Kontakt zum Kunden fehlt natürlich."

Von der Idee bis zur Umsetzung 
Für jene Bauern, die sich für Sonderkulturen interessieren, hat Tappeiner einige Tipps parat: „Zunächst muss die Idee im Kopf reifen", ist er überzeugt. Dann müsse geprüft werden, ob der Betrieb die Voraussetzungen hat. Das betreffe vor allem Höhenlage, Boden und Wasserverfügbarkeit. Vor dem Start müsse auch die Vermarktung abgeklärt werden. Denn ohne die richtigen Verkaufskanäle sei eine Idee zum Scheitern verurteilt. „Anzufangen ist unbedingt mit überschaubaren Flächen, damit man erste Erfahrungen sammeln kann." Zu guter Letzt müsse man langfristig planen, denn kein Jahr sei gleich wie das andere. „Da ist Durchhaltevermögen geplant!", sagt der Gemüsebauer.

Innovationsschalter beim Bauernbund ist gute Anlaufstelle
An Nischenkulturen Interessierte können sich an den Innovationsschalter des Südtiroler Bauernbundes wenden, um dort erste Informationen einholen. Egal ob bereits eine konkrete Geschäftsidee da ist oder ein Bauer noch auf der Suche nach einem neuen Betriebszweig ist. Astrid Weiss ist Leiterin der Abteilung Innovation und Energie im SBB. Sie rät den Bäuerinnen und Bauern, von diesem Dienst Gebrauch zu machen, falls sie mit einer Idee durchstarten wollen.