Südtiroler Landwirt, Politik, Bauernbund | 23.11.2017

Gutes Zeugnis für unsere Dörfer

Die Südtirolerinnen und Südtiroler bewerten die Lebensqualität in den Dörfern überwiegend gut. Das belegt eine Eurac-Studie, die vergangene Woche den Mitgliedern der Plattform Land vorgestellt wurde.

Südtirols Dörfer sind meist noch sehr belebt. Als einen Grund dafür nannten viele Experten auch die vielen Freiwilligen im Ehrenamt. (Foto: www.pixabay.com)

Südtirols Dörfer sind meist noch sehr belebt. Als einen Grund dafür nannten viele Experten auch die vielen Freiwilligen im Ehrenamt. (Foto: www.pixabay.com)

Die Eurac Research hat 2017 gemeinsam mit der Plattform Land die Entwicklung der Südtiroler Dörfer erhoben. Sie wollte v. a. herausfinden, wie die Dorfbewohner die Lebensqualität bewerten. Das Ergebnis fällt gut aus: Knapp ein Drittel der Befragten finden die generelle Situation „sehr gut“, über die Hälfte schätzen die Lebensqualität als „gut“ ein. Ergänzend zur Telefonbefragung aus der Bevölkerung (502 Teilnehmer) wurden auch Experten interviewt. Konkret erfasste die Studie, die das Eurac-Institut für Regionalentwicklung erstellt hat, die Lebens- und Arbeitsbedingungen in Südtirols Dörfern, vor allem aus der Sicht der Bevölkerung. Dabei hat Eurac die Lebensqualität und Attraktivität der Dörfer anhand verschiedener Kriterien erhoben, u.a. öffentliche Verkehrsanbindung, Wohnkosten, Nähe zum Arbeitsplatz usw. Die Befragten sollten außerdem ihre Einstellung zu übergemeindlichen Kooperationen von Dörfern deutlich machen sowie Potenziale und Entwicklungschancen einschätzen.

Viele Stärken, manche Schwäche
Laut Institutsleiter Thomas Streifeneder zeigte sich ein eindeutiges Stimmungsbild zur Lebensqualität und Attraktivität der Dörfer: „Landschaft/Naturnähe/Umgebung“ und „öffentliche Verkehrsanbindung“ sind für die meisten Teilnehmer ausschlaggebend für die hohe Lebensqualität. Für mehr als 80 Prozent der Befragten hat sich die öffentliche Verkehrsanbindung in den letzten zehn Jahren verbessert. Interessanterweise bewerten Frauen die Lebensqualität im Allgemeinen verglichen mit den Männern als etwas schlechter.
Experten hoben zusätzlich die hohe Anzahl an ehrenamtlich Tätigen und den guten Zusammenhalt in den Dörfern hervor. Das Vereinswesen und die Nachbarschaftshilfe seien auch weiterhin notwendig, um bestimmte Dienste zu gewährleisten und die Attraktivität der Südtiroler Dörfer zu erhalten.
18 bis 55 Prozent der Befragten gaben an, mit dem Angebot für Jugendliche in ihrer Bezirksgemeinschaft zufrieden zu sein. Zwischen 16 und 41 Prozent sind damit nicht oder überhaupt nicht zufrieden. Das betrifft vor allem das Wipptal.
Am schlechtesten beurteilt wurden jedoch die Wohnkosten: Fast jeder Vierte empfindet diese als zu hoch. Bis auf das Wipptal gaben über die Hälfte der Befragten aller Bezirksgemeinschaften an, dass sich die Kosten für Wohnungen in den letzten zehn Jahren erhöht hätten. Auch die Experten wiesen auf dieses Problem in den Südtiroler Dörfern hin, wobei besonders die junge Bevölkerung und Familien davon betroffen seien. Aber auch die ältere Bevölkerung bewertet diese Situation kritisch. Das Problem liege jedoch nicht nur am Wohnungsmarkt, der die hohen Preise bestimme, sondern auch an den hohen Ansprüchen der Bevölkerung an die Ausstattung und Qualität der Wohnungen.

Dörfer sollten mehr kooperieren
Über die Hälfte der Befragten stehen Kooperationen zwischen den Gemeinden in verschiedenen Bereichen offen gegenüber. Auch die Experten betonen, dass die Zusammenarbeit zwischen den Dörfern notwendig sei, aber auch innerhalb eines Dorfes zwischen Wirtschaftstreibenden, Tourismus, Landwirtschaft und Gesundheitswesen. Dies sei wichtig, um die Entwicklung der Dörfer im Sinne aller Einwohner attraktiv zu gestalten.

Tourismus – Chance oder Risiko?
Knapp ein Drittel der befragten Bevölkerung sehen in der Entwicklung des Tourismus noch Potenzial für den ländlichen Raum. Experten sehen aber auch in bestimmten Gebieten bereits die Grenze beim Tourismus erreicht. Weitere Entwicklungschancen sehen die Teilnehmer der Studie in der Unterstützung junger Leute bei der Finanzierung von Wohnmöglichkeiten und im Ausbau nachhaltiger Landwirtschaft, aber auch darin, die Nahversorgung zu erhalten und Schlafdörfer zu verhindern. Als wichtige Impulse für ein vitales Dorfleben wurden genannt: die kulturellen Veranstaltungen um neue Events erweitern sowie die Nachbarschaftshilfe, das Ehrenamt und die lokale Identität stärken.
Plattform-Land-Präsident Andreas Schatzer hob die Bedeutung der Studie hervor: „Wir sollten sie regelmäßig wiederholen, um Trends ablesen zu können.“ Mit Genugtuung hält er fest: „Die Situation am Land ist sehr positiv und wird so wahrgenommen. Lediglich bei Einzelpunkten – v. a. Jugendlichen und jungen Familien – besteht Handlungsbedarf.“