Südtiroler Landwirt, Politik | 09.11.2017

Spielen ohne Gefahr

Der Umweltdachverband beklagt Rückstände von Pflanzenschutzmitteln auf ­Kinderspielplätzen. Allerdings geht davon keine Gesundheitsgefahr aus, betonen Landesrat Schuler und die Sektion Umweltmedizin. von Tobias Egger

Keine Gefahr für spielende Kinder geht von den gefundenen Pflanzenschutzmittel-Rückständen aus. (Foto: www.pixabay.com)

Keine Gefahr für spielende Kinder geht von den gefundenen Pflanzenschutzmittel-Rückständen aus. (Foto: www.pixabay.com)

Im Auftrag des Dachverbandes für Natur- und Umweltschutz und des Anti-Pestizid-Netzwerks PAN wurden im Mai dieses Jahres auf 71 Kinderspielplätzen Grasproben entnommen und nach Rückständen von Wirkstoffen untersucht. Auf 32 der untersuchten Spielplätze fand man Rückstände von mindestens einem Pflanzenschutzmittel oder eines anderen Wirkstoffs.
Insgesamt wurden 14 verschiedene Wirkstoffe bei den Analysen festgestellt, davon sind sieben ausschließlich für die Landwirtschaft zulässig. Der Dachverband folgert daraus, dass sensible Zonen nicht ausreichend vor der Abdrift von Pflanzenschutzmitteln geschützt seien. Auf einer Pressekonferenz forderte der Verband schärfere Ausbringungsregeln sowie mehr Kontrollen beim Pflanzenschutz.

Wirkstoffe knapp an der Nachweisgrenze
Landesrat Arnold Schuler unterstrich als Reaktion auf die Aussagen des Dachverbandes, dass in den Grasproben nur geringste Spuren von Pflanzenschutzmitteln festgestellt wurden. Die gefundenen Wirkstoffe liegen zumeist an der Nachweisgrenze, also der geringstmöglichen mit der heutigen Labortechnik feststellbaren Menge. Aufgrund der geringen Rückstandsmengen müsse man sich fragen, ob von ihnen überhaupt ein gesundheitliches Risiko ausgehen könne, betonte Schuler.

In Cremen 75.000 Mal mehr Wirkstoff
Der Landesrat verwies auf Cremen, die bis zu 75.000 Mal mehr Wirkstoff enthalten: Verwendet man z. B. eine Scabizid-Salbe, die rezeptfrei gegen Hautkrankheiten und Kopfläuse erhältlich ist, hinterlasse das auf der Haut bis zu 75.000 Mal mehr Wirkstoff, als der Dachverband auf einem Kilogramm Gras gefunden hat. Oder anders gesagt: Man bräuchte Gras von 17 Fußballfeldern, das ähnlich „kontaminiert“ ist wie die Grasproben des Dachverbandes, um auf dieselbe Wirkstoffmenge zu kommen, die man mit der Salbe auf die Haut streicht. „Ich will nichts beschönigen, aber man soll den Menschen nicht unnötig Angst machen“, beruhigt Schuler.
Ähnlich äußerte sich die Abteilung Umweltmedizin des Südtiroler Sanitätsbetriebes. Die Abteilung führt regelmäßig Wirkstoffmessungen an öffentlichen Plätzen durch. Auch bei diesen Erhebungen seien die gefundenen Wirkstoffe so gering, dass sie als unbedenklich eingestuft werden können. Umweltmediziner Lino Wegher bestätigt: „Wir haben keine unzulässigen Überschreitungen von Stoffen, die für die Gesundheit bedenklich sind, festgestellt.“

„Unnötig Ängste geschürt“
Der Dachverband hat die gefundenen Wirkstoffe mit Grenzwerten ausgewählter Lebensmittel wie Salat oder Erdbeeren verglichen. Bei diesen Lebensmitteln sind viele Wirkstoffe nicht zugelassen, weshalb automatisch die niedrige Nachweisgrenze als Grenzwert gilt. „Der Dachverband hat diese Lebensmittel bewusst ausgewählt, um von einer überhöhten Menge sprechen zu können“, stellt Bauernbund-Direktor Siegfried Rinner fest – für Rinner ein unredlicher Vergleich, zumal Gras nicht zum Verzehr diene. Der Bauernbund bedauert diese Vorgehensweise von Dachverband und PAN, die Polemiken gegenüber der Landwirtschaft weiter schüre.
Landesrat Schuler verweist auf die geltenden Abstandsregelungen und andere Maßnahmen gegen die Abdrift: „Pflanzenschutzmittel haben außerhalb der landwirtschaftlichen Flächen nichts zu suchen – und die Ergebnisse bestätigen, dass die allermeisten Bauern die gesetzlichen Landesrichtlinien einhalten.