Wirtschaft, Südtiroler Landwirt | 26.10.2017

Nicht nur irgendein Fleisch

Die heuer neu gegründete Genossenschaft BIOREGIO vermarktet Jungrindfleisch, das ausschließlich aus Mutterkuhhaltung und biologischer Landwirtschaft stammt. Mit vielversprechenden Chancen. von Thomas Hanni

Paul Profanter, Obmann der neuen Anlieferungsgenossenschaft Bioregio, mit einem der schlachtreifen Jungrinder.

Paul Profanter, Obmann der neuen Anlieferungsgenossenschaft Bioregio, mit einem der schlachtreifen Jungrinder.

Die neue Genossenschaft ist nicht direkt bei null gestartet. Denn schon vor mehreren Jahren haben sich einige Biobauern und ­Direktvermarkter zur Arbeitsgemeinschaft „ArGe Biofleisch Südtirol“ zusammengeschlossen, um das Jungrindfleisch gemeinsam zu vermarkten. Über die Jahre ist die Arbeitsgemeinschaft gewachsen und will sich nun durch die neu gegründete Genossenschaft Bioregio noch breiter aufstellen.
Derzeit zählt die Genossenschaft über 20 Biobetriebe vorwiegend aus dem Pustertal, Eisacktal und vom Regglberg. „Wir möchten uns aber auf ganz Südtirol ausweiten und etwa auch Mitglieder aus dem Vinschgau, Passeier oder aus Ulten aufnehmen“, sagt Obmann Paul Profanter, der am Ganoihof in Villnöss einen Biobauernhof führt und auch Obmann der Raiffeisenkasse Villnöß ist.

Tierwohl ist sehr wichtig
Die Mitglieder der Genossenschaft betreiben Mutterkuhhaltung und bewirtschaften den gesamten Bauernhof biologisch. „Mutterkuhhaltung bedeutet unter anderem, dass die Kälber jederzeit an der Mutter Milch saugen können und die ganze Zeit in ihrer Herde verbringen“, erklärt Obmann Profanter. Das Tierwohl spielt eine große Rolle. Die Tiere können sich immer frei bewegen und werden artgerecht gefüttert – mit frischem Gras und Weidegang im Sommer und hofeigenem Heu im Winter. Zum Vorteil für die Qualität des Jungrindfleisches, das nicht nur irgendein Fleisch ist. So gilt das dunkelrosa gefärbte „Bio*Beef“ etwa als besonders fett- und cholesterinarm, aromatisch und reich an hochwertigem Eiweiß. „Wir sind in der Lage, im Berggebiet durch gutes Grundfutter ein ausgereiftes, schlachtreifes Jungrind zu erzeugen.“

Unterstützung entlang der gesamten Produktionskette
Die neue Genossenschaft Bioregio unterstützt ihre Mitglieder von der Aufzucht der Jungrinder bis zur Schlachtung. „Wir sind eine Anlieferungsgenossenschaft, die Mitglieder liefern die Jungrinder an, und die Genossenschaft vermarktet sie. Dabei schauen wir so viel wie möglich für den Bauern ­herauszuholen“, sagt Obmann Profanter. Vertrieben wird das Fleisch unter der bereits bekannten Marke „BIO*BEEF“, die nun auf die neue Genossenschaft übergegangen ist und auch weiterhin die streng kontrollierte Fleischqualität garantiert. Die Bioregio wickelt neben der Vermarktung auch die Bestellung, Auslieferung und Verwaltung ab sowie auch Fakturierung, die bisher über den jeweiligen Metzger erfolgt ist.

Schlachtung im Schlachthof Bozen
Geschlachtet werden die Jungrinder im Alter von neun bis zwölf Monaten im Schlachthof Bozen. Dafür hat die Genossenschaft eine Kooperation mit dem Südtiroler Kleintierzuchtverband geschlossen, der die Jungrinder auch zerlegt.
„Das Fleisch wird vor allem als Mischpakete an private Haushalte in Südtirol verkauft, das funk­tioniert so ähnlich wie das ‚Biokistl‘, die Kunden bestellen das Fleisch, und wir liefern es südtirolweit aus“, erklärt Profanter. Die Mischpakete enthalten u. a. Roastbeef, Schnitzel, Braten, Gulasch oder Faschiertes – küchenfertig zubereitet und vakuumverpackt.

Über Südtirol hinaus
Derzeit werden jährlich an die 150 Biojungrinder geschlachtet. Das Fleisch geht neben den privaten Haushalten etwa zu einem Drittel an Geschäfte und Restaurantbetriebe.
Diese und andere Absatzkanäle möchte die Genossenschaft noch ausbauen, um den Umsatz weiter zu steigern. „Wir versorgen in erster Linie Südtirol mit Biofleisch, möchten uns aber auch auf das Trentino und auf den oberitalienischen Raum ausweiten.“

Verbraucher zehlen mehr für gutes Fleisch
Die Nachfrage nach Bio-Jungrindfleisch ist groß, auch wenn der Preis um etwa 20 Prozent deutlich höher liegt als für herkömmliches Fleisch. Die Verbraucher sind aber für gutes Fleisch durchaus bereit, mehr zu bezahlen. „Daher denke ich schon, dass die Biofleischproduktion für die Südtiroler Berglandwirtschaft insgesamt eine große Zukunftschance bietet, unsere Genossenschaft möchte dazu eine Hilfeleistung bieten“, sagt Paul Profanter, Obmann der Bioregio, deren Entwicklungschancen vielversprechend sind. So möchte die Bioregio neben dem Jungrindfleisch in Zukunft beispielsweise auch andere landwirtschaftliche Produkte der Mitglieder vermarkten oder auch eigene Biofleischprodukte wie Wurst und dergleichen verarbeiten.