Südtiroler Landwirt, Arbeitsberatung | 26.10.2017

Neue INAIL-Unfallmeldung im Detail

Arbeitnehmer müssen seit 12. Oktober dem INAIL Arbeitsunfälle schon ab einem Tag Genesungsdauer melden. Der „Südtiroler Landwirt“ hat bereits kurz darüber berichtet (Nr. 18). Nun stellt die Bauernbund-Abteilung Arbeit/Löhne die Regelung im Detail vor. von Roberto Pivetti

Auch kleine Verletzungen mit Genesung von ein bis drei Tagen sind künftig dem INAIL zu melden. (Foto: www.pixabay.com)

Auch kleine Verletzungen mit Genesung von ein bis drei Tagen sind künftig dem INAIL zu melden. (Foto: www.pixabay.com)

Wie bereits berichtet, besteht seit dem 12. Oktober eine neue Meldepflicht an das Unfallversicherungsinstitut INAIL. Arbeitgeber müssen dem Unfallversicherungsinstitut INAIL auch Arbeitsunfälle melden, bei denen der Arbeitnehmer zusätzlich zum Tag des Unfalls mindestens einen Tag von der Arbeit fernbleibt. Die neue Meldung gilt nur bei Unfällen von Arbeitnehmern, nicht aber bei Unfällen vom Betriebsinhaber selbst oder dessen bauernversicherten Familienmitgliedern.
Für die Landwirtschaftsbetriebe kann der Südtiroler Bauernbund die neue Unfallmeldung übernehmen – wie er dies auch bei der bisher zu tätigenden Unfallmeldung getan hat. Es ist daher wichtig, dass nun alle Unfälle mitgeteilt werden. Die Meldung muss innerhalb von 48 Stunden ab Erhalt des ärztlichen Zeugnisses erfolgen.

Alte Unfallmeldung bleibt aufrecht
Bisher mussten die Arbeitgeber – aber auch die Titelträger der Bauernversicherung für ihre miteingeschriebenen Familienmitglieder – Unfälle nur bei einer Genesungsdauer von mehr als drei Tagen (zusätzlich zum Tag des Unfalls) melden. Diese Meldepflicht besteht weiterhin. Die neue Meldung ist nun zusätzlich für Unfälle mit einer Abwesenheit von eins bis drei Tagen nötig. Diese neue Meldung ist theoretisch auch für die Unfälle mit einer Genesungsdauer von mehr als drei Tagen zu tätigen. In der Praxis wird diese Meldepflicht jedoch durch die bisher gültige Unfallmeldung erfüllt.

Ziel: Statistik und Vorbeugung
Gemäß den gesetzlichen Vorgaben ist die neue Unfallmeldung telematisch an das INAIL zu schicken. Obwohl die INAIL-Plattform für das Versenden bereits vorhanden wäre, ist die Meldung aufgrund technischer Probleme noch nicht telematisch möglich. Da die Meldepflicht trotzdem besteht, muss sie mittels eines Papierformulars erfolgen. Die neue Meldung dient zu statistischen- bzw. Informationszwecken. Die eingereichten Meldungen sollen zur Umsetzung von zukünftigen Maßnahmen zur Vorbeugung von Arbeitsunfällen dienen. Die Daten werden somit an das SINP (Nationales Informationssystem für die Prävention am Arbeitsplatz) weitergeleitet und dann ausgewertet.
Die Meldung ist auch im Falle von Arbeitsverhältnissen mit Hausangestellten zu tätigen.

Jede Menge Informationen
Bei der Meldung sind viele Informationen anzugeben: Zum einen sind das die Daten des Arbeitgebers, der landwirtschaftlichen Tätigkeit und Produktion sowie die Daten des Arbeitnehmers. Daneben gibt es viele Felder zur Beschreibung der Ursachen und Umstände des Unfalles. Zum Beispiel wird gefragt, zu welcher Uhrzeit der Unfall geschehen ist, oder die Höhe eines Sturzes, oder auch, welche Tätigkeit der Arbeiter im Augenblick des Unfalles ausübte.

Vorfall pünktlich und detailliert beschreiben
Wie gesagt, kann das Lohnbüro des Südtiroler Bauernbundes die neue Meldung für die Betriebe vornehmen. Wichtig ist dabei, dass die Beschreibung des Vorfalles äußerst detailliert ist und dass die Meldung ab Erhalt der ärztlichen Bescheinigung des Arbeitsunfalles innerhalb 48 Stunden erfolgt. Die Bescheinigung muss auch übermittelt werden.

Verlängerung der Prognose
Falls die ärztliche Bescheinigung verlängert wird und die Prognose die drei Tage überschreitet, ist auch die Unfallmeldung zu tätigen. Die neue Meldung kann mit wenigen Klicks über eine eigene Funktion des Dienstes in eine Unfallmeldung umgewandelt werden. Deshalb ist es wichtig, dass Verlängerungen des Krankenstandes ebenfalls dem Lohnbüro mitgeteilt werden.

Bei Ausfall des Systems
Wenn aus technischen Gründen auf der Seite eine Fehlermeldung aufscheint und die neue Meldung telematisch nicht möglich ist, sind die Daten dem INAIL mit einem Modell mitzuteilen. Für die Landwirtschaft gibt es ein eigenes Modell, das von der INAIL-Internetseite heruntergeladen werden kann. Dieses muss ausgefüllt per PEC an die PEC-Adresse jenes INAIL-Bezirkes zugeschickt werden, der laut Wohnsitz des Verunglückten zuständig ist. Der E-Mail muss auch ein Bildschirmausdruck des Fehlers der Seite angehängt werden.

Sanktionen
Bei Unterlassung der Meldung wird eine Verwaltungsstrafe zwischen 548 Euro und 1972,80 Euro verhängt. Bei Unfällen mit einer Abwesenheit vom Arbeitsplatz von mehr als drei Tagen beträgt die Strafe zwischen 1096 und 4932 Euro.