Südtiroler Landwirt, Marketing | 26.10.2017

Genuss als Schlüsselelement

Damit Urlaub auf dem Bauernhof weiterhin wächst, hat der Südtiroler Bauernbund drei Schwerpunkte gesetzt: den Genuss am Bauernhof ausbauen, das Winterangebot erweitern und den Betrieben der unteren Kategorien unter die Arme greifen, hieß es bei der UaB-Fachtagung. von Michael Deltedesco

Was sich alle Betriebe, unabhängig von der Kategorie, wünschen, ist eine hohe Zahl an Stammgästen. (Foto: Frieder Blickle)

Was sich alle Betriebe, unabhängig von der Kategorie, wünschen, ist eine hohe Zahl an Stammgästen. (Foto: Frieder Blickle)

Der Urlaub auf dem Bauernhof wird von immer größerer Bedeutung im heimischen Tourismusangebot. Der Anteil an den Gesamtübernachtungen macht mit über 2,5 Millionen Nächtigungen mittlerweile acht Prozent aus. „Damit die positive Entwicklung anhält, muss das Genussangebot am Bauernhof weiter ausgebaut werden. Genuss ist das Schlüsselelement für die Zukunft. Dazu gehören ein Frühstück und hofeigene Produkte, die in Produktecken oder Hofläden angeboten werden“, appellierte Hans J. Kienzl, Leiter der Abteilung Marketing im Südtiroler Bauernbund, an die knapp 800 Teilnehmer der Fachtagung für den Urlaub auf dem Bauernhof im Kongresszentrum der Messe Bozen. Einiges habe sich bereits getan, freute sich Kienzl. „Alleine im letzten Jahr sind auf 40 Höfen neue Produktecken und auf 15 Betrieben neue Hofläden entstanden. Ein Frühstück gibt es mittlerweile auf vier von zehn Höfen. Neue Betriebe bieten fast alle ein Frühstück an.“

Wintergast hat höhere Ansprüche
Der zweite Schwerpunkt, den der Südtiroler Bauernbund im Visier hat, ist das Angebot im Winter. „Zwar haben wir mittlerweile im Winter die größten Zuwächse, dennoch wäre noch mehr herauszuholen“, zeigte sich Kienzl überzeugt. Dazu müssten aber die Winterkommunikation mit entsprechenden Winterbildern verbessert, eigene Winterangebote für den Gast geschnürt und ein Frühstück angeboten werden. Zudem muss die Wohnung noch behaglicher sein als etwa im Sommer. „Eine Wohnung, die für den Sommergast gutgeht, muss nicht unbedingt auch für den Wintergast attraktiv sein“, sagte Kienzl. Im Winter sei eine angenehme Atmosphäre noch entscheidender.

Ein- und Zwei-Blumen-Betriebe aufwerten
Verstärkt will sich die Abteilung Marketing im Südtiroler Bauernbund um Bauernhöfe mit ein oder zwei Blumen kümmern. „Sie haben es bei den Buchungen am schwersten. Wir haben ein spezielles Angebot genau für diese Betriebe geschaffen – mit einer gezielten Beratung und einem Lehrgang. Ziel muss es sein, dass diese Betriebe eine höhere Kategorie erreichen. Zumindest drei Blumen sollten es schon sein“, meinte Hans J. Kienzl. Bauernbund-Obmann Leo Tiefenthaler dankte den Bäuerinnen und Bauern für ihren Einsatz bei Urlaub auf dem Bauernhof und bei der Pflege der Kulturlandschaft, die die Voraussetzung für den Tourismus bilde. Auch er unterstich die Wichtigkeit, den Ein- und Zwei-Blumen-Betrieben unter die Arme zu greifen.
Was sich alle Betriebe, unabhängig von der Kategorie, wünschen, ist eine hohe Zahl an Stammgästen. Wie aus Gästen Stammgäste werden, erörterte der Tiroler Tourismustrainer Norbert Waldnig.

Außenbereich als Erholungsraum
Neben den Zimmern und Wohnungen muss auch die Hof- und Gartengestaltung den Gast beeindrucken. Die bekannte Münchner Landschaftsarchitektin Andrea Gebhard verriet, wie am Bauernhof Erholungsräume für Gäste geschaffen werden können, die in Erinnerung bleiben. Sie appellierte, authentisch zu sein und hochwertige Materialien zu verwenden, besonders Naturmaterialien. 
Über die Lebendigkeit der Seele referierte der Schweizer Buchautor und Theologe Pierre Stutz. Er riet u. a. zu engagierter Gelassenheit und zu mehr Achtsamkeit. Gerade Urlaub auf dem Bauernhof-Betreiber dürften nicht nur für die Gäste da sein, sondern müssten sich auch Zeit für sich selbst nehmen.

Wie Urlaub auf dem Bauernhof erfolgreich funktioniert, machen Johanna und Clemens Margesin vom Greiterhof in Lana sowie Paula und Thomas Kompatscher vom Funtnatscherhof in Völs vor. Sie gaben den Teilnehmern auf der Fachtagung einen Einblick in ihre Betriebe.