Politik | 24.10.2017

Bär und Wolf: Allianzen bilden

Vertreter der Politik, der Landwirtschaft und der Jagd haben am Montagnachmittag auf Einladung von Landesrat Schuler vor allem das Problemfeld Wolf diskutiert und mögliche Maßnahmen angesprochen. von LPA – Landespresseamt

Thema Wolf auf verschiedenen Ebenen diskutiert (v.re.): Amtsdirektor Spagnolli, Landesrat Schuler, Landesrat Theiner, Senator Berger, EU-Parlamentarier Dorfmann

Thema Wolf auf verschiedenen Ebenen diskutiert (v.re.): Amtsdirektor Spagnolli, Landesrat Schuler, Landesrat Theiner, Senator Berger, EU-Parlamentarier Dorfmann

Auf Landes-, italienweiter und europäischer Ebene wurde beim Treffen in Bozen das weitere Vorgehen im Hinblick auf den Wolf thematisiert. Neben Land- und Forstwirtschaftslandesrat Arnold Schuler und Umweltlandesrat Richard Theiner, den Senatoren Hans Berger und Karl Zeller, Parlamentarier Albrecht Plangger und EU-Parlamentarier Herbert Dorfmann nahmen an dem Treffen auch der Direktor des Landesamtes für Jagd und Fischerei in der Abteilung Forstwirtschaft Luigi Spagnolli, Bauernbund-Obmann Leo Tiefenthaler und Bauernbund-Direktor Siegfried Rinner, der Direktionsassistent des Jagdverbandes, Benedikt Terzer, und Michl Ebner in seiner Funktion als Präsident des europäischen Zusammenschlusses der Verbände für Jagd und Wildtiererhaltung teil.

EU: Stellungnahme zur Koexistenz
EU-Parlamentarier Dorfmann ging auf die Koexistenz von Wolf und Mensch ein: „Es gibt keine Region in Europa mit einer Koexistenz zwischen Wolf und Mensch - außer in der Schweiz, wo die Herdentiere aber massiv geschützt werden müssen.“ Als Berichterstatter der Europäischen Volkspartei in Brüssel bereite er derzeit eine Stellungnahme vor, in der die Schwierigkeit der Koexistenz von Menschen und Wölfen in dichtbesiedelten ländlichen Gebieten hervorgehoben wird. Es brauche, betonte Senator Berger, ein „Mannschaftsspiel der ganzen Alpenregion, um einen gemeinsamen Weg im Umgang mit dem Wolf zu gehen“. 

Hybridisierung ist größtes Problem
Ein großes Problem ist laut Amtsdirektor Spagnolli die Hybridisierung, die Kreuzung zwischen Hunden und Wölfen, wobei bis jetzt in Südtirol keine Hybriden festgestellt wurden. Für eine „pragmatische Lösung“ sprach sich Landesrat Theiner aus. Michl Ebner unterstrich, dass der Wolf nicht ein Problem der Jagd sei, sondern vielmehr ein Problem der Landwirtschaft und auch des Tourismus. Zudem stelle sich ein ethisches Problem, warum ein Schaf weniger wert sei als ein Wolf. Es gehe nicht um einen Problem-Wolf, sondern der Wolf an sich sei das Problem. Man könne nicht nur Bären und Wölfe schützen, erklärte Bauernbund-Obmann Tiefenthaler, sondern man müsse auch die vom Menschen gezüchteten Tiere schützen: „Als Vertreter der Bauern und der Landwirtschaft werden wir weiterhin eine wolfsfreie Zone fordern, damit die Politik einen Kompromiss heraushandelt.“

Schäden besser dokumentieren
Auf EU-Ebene fehle das Monitoring der durch Wölfe und auch Bären angerichteten Schäden, stellte Bauernbund-Direktor Rinner fest: „Wir müssen auch die negative Seite durch die zunehmende Ausbreitung der Großraubtiere dokumentieren.“ Was den Herdenschutz betreffe, sagte Landesrat Schuler, gelte es, eine gemeinsame Lösung mit den Bauern zu entwickeln: „Wir werden ein Projekt im Ultental beginnen und beobachten, was machbar ist.“ Auch Landesrat Schuler mahnte einen Schulterschluss auf Landesebene wie in Rom und Brüssel an.