Südtiroler Landwirt | 12.10.2017

Wirtschaftlich ist noch viel drin

Neue Wege, um die Betriebsrentabilität auf Südtiroler Bauernhöfen zu verbessern: Dass es sie gibt und wie man sie findet, haben Studierende des Bachelors Agrarwissenschaften und Umweltmanagement an der Freien Universität Bozen aufgezeigt. von Christian Fischer und Jonas Rossmanith, Freie Universität Bozen

Ergebnis der Studierenden: Wer nicht nur Rohstoffe produziert, sondern in seinem Betrieb auch kalkuliert, kann seine Wirtschaftlichkeit verbessern.

Ergebnis der Studierenden: Wer nicht nur Rohstoffe produziert, sondern in seinem Betrieb auch kalkuliert, kann seine Wirtschaftlichkeit verbessern.

Auf Südtirols Bauernbetrieben gibt es Möglichkeiten, die Rentabilität und Wirtschaftlichkeit zu verbessern. Zumindest kamen die Studierenden der Freien Universität bei den von ihnen erhobenen Betrieben zu diesem Ergebnis. Die Studierenden hatten sich an der heurigen Ausgabe des SBB-Preises an der Freien Universität Bozen (siehe Bericht im „Landwirt“ Nr. 12) beteiligt. Darin ging es um das Thema „Betriebswirtschaftliche Analyse ausgewählter Südtiroler Bauernhöfe“. Hierfür haben die Studierenden acht landwirtschaftliche Betriebe analysiert: Vom Apfel- und Weinbau- (bio und integriert) über Viehhaltungsbetriebe mit und ohne Urlaub auf dem Bauernhof bis hin zum Biokräuteranbau.
Anhand der vom Südtiroler Bauernbund zur Verfügung gestellten Buchhaltungsdaten und nach Gesprächen mit den Betriebsleitern erarbeiteten die Studierenden Vorschläge zur Verbesserung der Wirtschaftlichkeit der Höfe. 

Betriebsleiter als Hauptfaktor
Die Ergebnisse zeigten, dass bei allen Betrieben Möglichkeiten bestehen, ihre Rentabilität und Wirtschaftlichkeit zu verbessern. Die Wirtschaftlichkeit eines Betriebes wird nicht ausschließlich durch dessen Rahmenbedingungen oder Produktionsausrichtung bestimmt, sondern maßgeblich durch die Entscheidungen und Aktivitäten des Betriebsleiters beeinflusst. Und je besser diese ausfallen bzw. umgesetzt werden, desto besser ist am Ende das wirtschaftliche Resultat des Betriebs. 

Konkrete Beispiele
Ein Beispiel: Ein Bioapfelbetrieb aus dem Vinschgau mit 1,32 Hektar Obstbaufläche konnte 2016 einen Betriebsgewinn von knapp 36.000 Euro bei einem Verkaufserlös von 80.000 Euro erzielen. Dies entspricht einer sehr guten Gewinnrate (Gewinn/Umsatz) von 45 Prozent. Der Betrieb verarbeitet einen Teil der Äpfel zu Saft, Trockenfrüchten und Fruchtaufstrichen und vermarktet diese über Bauernmärkte selbst. Im gleichen Jahr hingegen kommt ein Mischbetrieb aus Aldein mit 5,6 Hektar Obstbaufläche bei einem Gesamterlös von 110.000 Euro auf einen Betriebsverlust von etwa 10.000 Euro. Das ist eine „Gewinnrate“ von minus neun Prozent. Neben der Apfelproduktion dort Vieh gehalten und Rebflächen verpachtet werden.

Tipps für die Betriebe
Die Studierenden konnten aufgrund ihrer Analysen und Gespräche mit den Betriebsleitern wertvolle Hinweise geben. So wurde zum Beispiel dem Bioapfelbetrieb aus dem Vinschgau empfohlen, sich mehr auf die Produktion und Verarbeitung der Äpfel zu konzentrieren und sich Partner für den Vertrieb der Apfelprodukte wie Gastronomie und Feinkostgeschäfte zu suchen bzw. einen Online-Verkauf einzurichten. Dies würde dem Betriebsleiter ermöglichen, mehr und bessere Produkte zu erzeugen, während Spezialisten den Verkauf übernehmen. Dem Mischbetrieb aus Aldein hingegen wurde empfohlen, die Apfelanlage zu erneuern und das touristische Potenzial des Betriebs beispielsweise durch die Errichtung von Ferienwohnungen und Hofführungen besser zu nutzen.

Die Leiter aller teilnehmenden Betriebe wurden von den Studierenden persönlich beraten. Dabei wurden die Buchhaltungszahlen im Detail dargelegt und die Verbesserungsvorschläge vor Ort am Hof besprochen.
Am Ende hat die Bauernbund-Abteilung Betriebsberatung die Betriebsleiter über die Nützlichkeit der Empfehlungen befragt. Fast alle Betriebsleiter waren sehr zufrieden mit den Ergebnissen. So arbeiten die beiden genannten Betriebe inzwischen schon an der Umsetzung des Online-Verkaufs, und auch die Hofführungen sollen nun bald starten.

Interessierte für 2018 gesucht
Aufgrund des Erfolgs des Projekts SBB-Preis wiederholt die Freie Universität Bozen die Initiative im Wintersemester. Interessierte Buchhaltungsbetriebe können sich für die Teilnahme bei der Bauernbund-Abteilung Betriebsberatung melden. 


Freiwillige Buchführung: Schnupperangebot
Betriebe, die sich an der Neuauflage des SBB-Preises 2018 beteiligen, erhalten die Dienstleistung der freiwilligen Buchführung im Südtiroler Bauernbund kostenlos, auf Wunsch auch für die letzten beiden Jahre.
Ein Mitarbeiter der Abteilung Betriebsberatung erhebt die dafür notwendigen Daten bei einem Besuch beim Bauern zu Hause. Die wichtigste Grundlage dafür sind die Rechnungen, Versicherungen und sonstigen Belege für die Ausgaben und Einnahmen. Normalerweise würde diese Dienstleistung 150 Euro pro Jahr kosten. Die Daten werden für den Landwirt so aufbereitet, dass er anhand einer Gewinn- und Verlustrechnung sieht, was ihm von seinen Einnahmen nach Abzug aller Kosten und Abschreibungen für Investitionen noch als Gehalt und Reingewinn übrigbleiben. Diese Bilanz ist auch bei der Erstellung eines Business-Planes für ein Darlehen eine wertvolle Grundlage.
Interessierte Betriebe erhalten unter der Telefonnummer 0471 999421 oder im Internet nähere Informationen.