Betriebsberatung, Südtiroler Landwirt | 15.09.2017

Wald, Bewirtschaftung und Förderung

Der Südtiroler Wald wächst und spielt eine wichtige Rolle für die Allgemeinheit. Wir bringen einen Überblick, wie es um den Wald bestellt ist, wer die Besitzer sind und welche Förderungen es für die Waldbewirtschaftung gibt. von Matthias Zöschg, Landesamt für Bergwirtschaft

Es ist in Südtirol wie weltweit ein großes Ziel, den Wald vital zu halten. Aufforstung ist ein Weg dorthin. (Foto: www.agrarfoto.at)

Es ist in Südtirol wie weltweit ein großes Ziel, den Wald vital zu halten. Aufforstung ist ein Weg dorthin. (Foto: www.agrarfoto.at)

Dass der Wald wichtig ist und dass er deshalb besonders geschützt und nachhaltig bewirtschaftet werden soll, ist welt- und europaweit anerkannt und auch in internationalen Grundsatzerklärungen verankert (s. Infokasten auf den Folgeseiten). Davon sind auch Südtirols Wald und seine Besitzer betroffen.

Der Wald und seine Funktionen
Von der Landesfläche Südtirols entfallen etwa 50 Prozent auf Wald und bewaldete Flächen. Rund 350.000 Hektar sind mit Wald bedeckt, das entspricht einem Pro-Kopf-Anteil der Bevölkerung von 7000 Quadratmeter Waldfläche. In den jüngsten Jahren hat die Waldfläche in Südtirol zugenommen. Diese Zunahme findet im ländlichen Raum vorwiegend in den Almregionen statt. Im Umkreis der besiedelten Gebiete gehen die Waldflächen hingegen geringfügig zurück.
Der Privatwald (Einzelprivate und private Körperschaften) nimmt in Südtirol mit etwa 70 Prozent der Gesamtwaldfläche den größten Teil ein. Der Wald in Privatbesitz beträgt im Durchschnitt weniger als zehn Hektar Waldfläche, die meistens auf mehreren Parzellen verteilt sind. Der Körperschaftswald im Eigentum der Gemeinden und Fraktionen liegt bei rund 30 Prozent.
In den vergangenen Jahren hat eine zunehmende Zahl von Waldeigentümern ihren seit Jahren nicht mehr forstwirtschaftlich genutzten Wald als Freizeitbeschäftigung entdeckt und zu pflegen begonnen. Solche Entwicklungen zeigen auf: Es ist wichtig, die Besitzverhältnisse und Nutzungsansprüche zu betrachten sowie den Istzustand des Waldes zu beschreiben. So kann man Betriebsziele wie Waldbehandlungspläne, Waldkarteien usw. festlegen und Bewirtschaftungsmaßnahmen ableiten.
Der Wald prägt das Landschaftbild in unserem Land entscheidend und sichert dank seiner Strukturvielfalt die ökologische Stabilität und die verschiedenen Schutzfunktionen im allgemein öffentlichen Interesse in nachhaltiger Weise.

Förderung und forstliche Maßnahmen
Diese Erkenntnis fließt auch in das Landesforstgesetz ein und bestimmt maßgeblich die Förderung und Umsetzung forstlicher Maßnahmen über das Programm zur ländlichen Entwicklung.
Die regionalspezifischen Kriterien zur Förderung und als Anreiz der forstlichen Tätigkeiten sind unter Berücksichtigung der verschiedenen lokalen Bedingungen und Strukturen ausgearbeitet und angepasst worden und sind im Einklang mit den allgemeinen Bestimmungen. Um die formulierten Zielsetzungen zu erreichen, werden folgende Entwicklungs-, Pflege- und Bewirtschaftungsmaßnahmen mit öffentlichen Geldmitteln unterstützt. Die Forstwirtschaft ist ein integraler Bestandteil der ländlichen Entwicklung. Daher wird ein Teil der forstlichen Maßnahmen aus dem Topf der ländlichen Entwicklung gefördert. Sie sind in der unten stehenden Tabelle zusammengefasst.

Forstwege
Neben den über den Entwicklungsplan für den ländlichen Raum (ELR 2014–2020) geförderten Maßnahmen gibt es auch noch eine reine Landesförderung für Forstwege. Konkret gibt es Beiträge für Forstwege, die das Ziel haben, die Erreichbarkeit von unerschlossenen oder mangelhaft erschlossenen Wäldern zu verbessern.

Voraussetzungen und Beitragshöhe
Vorgeschrieben ist eine Mindestinvestition von 10.000 Euro. Der Betrieb muss darauf achten, zwischen 1. Jänner und 28. Februar anzusuchen. Die Beitragshöhe beträgt bei einzelnen Landwirten bis zu 40 Prozent, bei Interessentschaften oder sonstigen gemeinschaftlichen Vorhaben bis zu 60 Prozent.

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Forstliche Maßnahmen (aus dem Topf der ländlichen Entwicklung)

  1. Investitionen in Wissenstransfer und Informationsmaßnahmen

    Untermaßnahme 1.1: Förderung von Vorhaben für die Weiterbildung und den Kompetenzerwerb.

    Die Abteilung Forstwirtschaft bietet Kurse im Bereich der Waldarbeiter an. Die Kurse richten sich vor allem an die Waldbesitzer und Waldarbeiter und werden von der Forstschule Latemar koordiniert. Abgehalten werden die Kurse vor Ort in den acht Forstinspektoraten des Landes. Anmeldungen nehmen die jeweiligen Forstinspektorate und Forststationen entgegen.

  2. Investitionen in die Entwicklung von Waldgebieten und Verbesserung der Lebensfähigkeit von Wäldern
    Untermaßnahme Nr. 8.3
    : Vorbeugung von Schäden und Wiederherstellung des ursprünglichen Zustands von Wäldern nach Waldbränden, Naturkatastrophen und Katastrophenereignissen.

Diese Maßnahme beinhaltet die Förderung und Umsetzung von Projekten:

  • zur Wiederherstellung des forstlichen Potentials und zur ökologischen Stabilisierung geschädigter Waldflächen;
  • zur Schaffung und Sicherung von natürlichen Verjüngungsflächen sowie Vorbeugemaßnahmen gegen Schäden in Wäldern;
  • zur biologischen Bekämpfung von Schädlingen durch deren natürliche Gegenspieler;
  • mit Vorbeuge- und Schutzmaßnahmen gegen Lawinen, Erdrutsche, Muren, Steinschlag und andere Naturkatastrophen im Wald.

Die Bekämpfung von Waldbrand und Waldbrandvorbeugemaßnahmen dürfen nicht gefördert  werden, weil Südtirol nicht als Risikogebiet eingestuft ist. Förderbar sind aber Maßnahmen zum Wiederaufbau von durch Brand zerstörten Flächen.
Diese Projekte werden in Eigenregie über die Forstinspektorate geplant und umgesetzt. Für all dies kann somit ein einzelner Bauer mit Waldbesitz nicht ansuchen.
Einzelbetriebe können aber eine Förderung für Arbeiten erhalten, welche die Vorbeugung oder Beseitigung von Schäden zum Inhalt haben. Speziell werden die Bringung von Schadholz mit bodenschonenden und bestandsschonenden Bringungstechniken gefördert, um die Widerstandsfähigkeit und den Gesundheitszustand des Waldes zu stärken.

Untermaßnahme Nr. 8.5: Investitionen zur Stärkung der Widerstandsfähigkeit und des ökologischen Werts der Waldökosysteme.

Diese Maßnahme beinhaltet waldbauliche und materielle Investitionen:

  • zur Steigerung der Selbstregulierungskraft, Vitalität und Stabilität von Waldökosystemen;
  • zur Revitalisierung von überalterten und/oder vernachlässigten Niederwäldern;
  • zur Steigerung der Bestandsstrukturierung und Artenzusammensetzung der Waldbestände;
  • Steigerung des Natur- und Umweltwertes von Waldökosystemen sowie Erhaltung und Aufwertung besonders wertvoller Waldlebensräume außerhalb von bestehenden Schutzgebieten.

    Für diese Maßnahme können auch Bauern mit Waldbesitz ansuchen. Konkret gibt es die Förderung für waldbauliche Bestandspflege, Läuterung, Durchforstung in Hochwäldern sowie Reaktivierungsarbeiten in überalterten und/oder vernachlässigten Niederwäldern auf mindestens ein Hektar Waldfläche. Die Anträge und Genehmigung zur Durchführung dieser Maßnahme werden über die territorial zuständigen Forststationen und Forstinspektorate entgegengenommen und bearbeitet. 

    Untermaßnahme Nr. 8.6: Investitionen in Techniken der Forstwirtschaft sowie in die Verarbeitung, Mobilisierung und Vermarktung forstwirtschaftlicher Erzeugnisse.

    Diese Maßnahme gefördert Initiativen der privaten und öffentlichen Waldeigentümer sowie der Schlägerungsunternehmen (Kleinstunternehmen) zur:

  • Modernisierung des Maschinenparks für eine effizientere, rationellere und nachhaltigere Holzernte und Erstverarbeitung des Holzes,
  • Steigerung der Produktivität bzw. Kostenreduzierung in der Waldarbeit, bei gleichzeitiger Erhöhung der Arbeitssicherheit,
  • Förderung von boden- und ressourcenschonenderen Produktionsverfahren für das Waldökosystem.

Waldbesitzer können für Seilwinden (Mindestfläche 1 ha Wald) oder für Holzkräne (Mindestfläche 5 ha Wald) ansuchen. Sie müssen in der Handelskammer als landwirtschaftliche Unternehmer eingetragen sein. Der Beitrag beläuft sich auf maximal 40 Prozent der anerkannten Kosten ohne Mehrwertsteuer.

Gesuche für diese Beiträge sind normalerweise im Frühjahr möglich. Der „Südtiroler Landwirt“ veröffentlicht dazu rechtzeitig ausführliche Informationen.
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LANDESFORSTGESETZ

Internationale Grundsätze als Basis

Die Bedeutung der Wälder, des Waldschutzes und der nachhaltigen Waldbewirtschaftung wird seit der „Waldgrundsatzerklärung von Rio“ (Konferenz der Vereinten Nationen von 1992 über Umwelt und Entwicklung) weltweit anerkannt. Auf gesamteuropäischer Ebene wurde die nachhaltige Waldbewirtschaftung definiert als „die Betreuung und Nutzung von Wäldern und Waldflächen auf eine Weise und in einem Ausmaß, dass deren biologische Vielfalt, Produktivität, Verjüngungsfähigkeit, Vitalität sowie die Fähigkeit, die relevanten ökologischen, wirtschaftlichen und sozialen Funktionen gegenwärtig und in der Zukunft zu gewährleisten, auf lokaler, nationaler und globaler Ebene erhalten bleiben, ohne anderen Ökosystemen Schaden zuzufügen“.
Das Landesforstgesetz samt Durchführungsbestimmungen und Beitragskriterien baut auf dieser Strategie auf und bildet die wesentlichen Instrumente für eine nachhaltige Entwicklung der Wälder, um den lokalen, nationalen  und internationalen Anforderungen gerecht zu werden. 
 

Genauere Informationen über die ­beschriebenen Förderungen erteilt das Landesamt für Bergwirtschaft ­(Abteilung Forstwirtschaft) in Bozen, Brennerstraße 6; Tel. 0471 415360.
Informationen findet man auch auf der Internetseite der Landesabteilung Forstwirtschaft (http://www.provinz.bz.it/forst).