Bildung, Südtiroler Landwirt | 15.09.2017

Ein historischer Schritt für die Fachschulen

Die land-, forst- und hauswirtschaftliche Berufsbildung war bisher eine eigenständige Landes­abteilung. Am 1. September wurde sie mit der Abteilung Deutsche Berufsbildung zusammengeführt. Der Praxisbezug bleibt aber gewahrt, sagen die beiden Hauptverantwortlichen. von Rosa Asam

Die Fachschulen wurden in die Deutsche Berufsbildung integriert. Für Schüler und Unterricht ändert sich kaum etwas. (Foto: Deutsche Berufsbildung)

Die Fachschulen wurden in die Deutsche Berufsbildung integriert. Für Schüler und Unterricht ändert sich kaum etwas. (Foto: Deutsche Berufsbildung)

Zum 1. September 2017 wurden durch Beschluss der Landesregierung die Abteilung 22, Land-, forst- und hauswirtschaftliche Berufsbildung und der Bereich Deutsche Berufsbildung zu einer Organisationseinheit zusammengeführt. Vorerst wird diese weiter den Namen „Deutsche Berufsbildung“ tragen. In Zukunft wird daraus dann die Landesdirektion Berufsbildung entstehen.
Was sich dadurch für die Schulen, aber auch die Zusammenarbeit mit den bäuerlichen Verbänden und Organisationen ändert, dazu hat Rosa Asam für den „Südtiroler Landwirt“ die beiden Hauptverantwortlichen in der Landesverwaltung befragt: den Bereichsdirektor der Berufsbildung, Gustav Tschenett, und den bisherigen geschäftsführenden Abteilungsdirektor der Abteilung 22, Paul Mair.

Wie lässt sich dieser Schritt in der Entwicklung der Fachschulen einordnen?
Paul Mair: Diese Zusammenführung stellt in der stetigen Entwicklung der Verwaltung des land- und hauswirtschaftlichen Schulwesens in Südtirol einen bedeutenden Schritt dar. Eigentlich besteht sie aus drei Schritten. Der erste wurde bereits 2014 getan. Damals ging die politische Zuständigkeit für die Abteilung 22 und ihre Fachschulen vom Ressort für Landwirtschaft an das Bildungsressort über.
Historisch gewachsen war bis dahin die Verwaltung seit jeher beim „Assesorat“, später Ressort für Landwirtschaft angesiedelt. Zunächst hat sie als „Inspektorat für die bäuerliche Berufsertüchtigung“, in den letzten Jahren als „Abteilung 22, Land-, forst- und hauswirtschaftliche Berufsbildung“ die Fachschulen in der Verwaltung unterstützt. Aber vor allem wurden dort auch die Kräfte gebündelt, die die Entwicklung des Bildungsangebotes der Fachschulen mit Unterstützung der Politik vorantrieben.
Den zweiten Schritt stellt die „Autonomie der Schulen“ seit 1. Jänner 2017 dar. Der letzte Schritt ist nun die Zusammenlegung der Verwaltungsaufgaben mit jenen des Bereichs „Deutsche Berufsbildung“. Die verwaltungstechnischen Zuständigkeiten gehen damit an die „Deutsche Berufsbildung“ über, als stellvertretender Direktor werde ich im Besonderen die Entwicklung des land-, haus- und forstwirtschaftlichen Bildungswesens inhaltlich begleiten.

Was bedeutet das für die Fachschulen?
Gustav Tschenett:
Zum einen bedeutet diese Zusammenführung eine schlankere Verwaltung auf Landesebene durch die Konzentration der Aufgaben. Zum anderen sind aber mit der Autonomie der beruflichen Schulen etliche Aufgaben und Verantwortungsbereiche, die bisher die entsprechenden Abteilungen erledigt haben, an die Schulen übergegangen. Das heißt, die Schulen haben mehr Eigenverantwortung, aber auch mehr Handlungsspielraum. Betroffen sind vor allem die Finanzverwaltung, die Buchhaltung, die Personalverwaltung und die Öffentlichkeitsarbeit. Autonomie der Schulen und Zusammenlegung der Verwaltungsabteilungen gehen damit Hand in Hand.
Ganz praktisch bedeutet die Zusammenführung der bisher eigenständigen Verwaltungsabteilungen zunächst einen Umzug: Am 18. September ziehen die meisten Mitarbeiterinnen der Abteilung 22 um – vom Landhaus 6 in der Brennerstraße in die Büroräume des Bereiches Berufsbildung in der Dantestraße 3 in Bozen. Diese Mitarbeiterinnen bleiben in ihren bisherigen Aufgabenbereichen Ansprechpartnerinnen der Fachschulen und für externe Personen. Das betrifft die Aufgabenbereiche Bildungsplanung und -entwicklung, Schul- und Qualitätsentwicklung, Personalverwaltung, Buchhaltung, Bibliothek und Archiv und Öffentlichkeitsarbeit. Im Zuge der weiteren Umsetzung der Reorganisation des Bildungsressorts werden sich dann eventuell Zuständigkeiten ändern, um Synergieeffekte durch Aufgabenbündelung zu nutzen. „Die Betriebsberatung für Junglandwirte“ im Rahmen der Existenzgründungsbeihilfe wird nun hingegen von der Abteilung Landwirtschaft angeboten und verbleibt in der Brennerstraße 6.

Es ändert sich die Verwaltung. Verändern sich damit auch die inhaltlichen Agenden? Oder anders gefragt: Besteht die Gefahr, dass der Praxisbezug verloren geht?
Paul Mair:
Die inhaltlichen Agenden bleiben davon unberührt – auch aufgrund der Autonomie der Fachschulen. Denn damit stehen den Schulen sowohl in der Entwicklung des Bildungsangebotes als auch im pädagogisch-didaktischen Bereich mehr Möglichkeiten zum eigenständigen Handeln offen. Außerdem werden die Führungskräfte der Fachschulen gemeinsam weiterhin in enger Zusammenarbeit mit den bäuerlichen Inte­ressengruppen die Entwicklung der Fachschulen vorantreiben. Das bereits etablierte „Netzwerk Schule und Landwirtschaft“ wollen wir auch in Zukunft zusammen mit den politischen Vertretern als fruchtbare Plattform für einen Austausch pflegen. Zudem stehe ich als stellvertretender Bereichsdirektor jederzeit als Ansprechpartner für die bäuerlichen Organisationen zur Verfügung.
Gibt es Aufgabenbereiche, die andere übernehmen?
Gustav Tschenett: Die Anliegen im Aufgabenbereich Inklusion an allen beruflichen Schulen und damit auch an den Fachschulen werden in Zukunft dezentral von den Pädagogischen Beratungszentren in den jeweiligen Bezirken betreut.
Paul Mair: Bisher hatten die Fachschulen in der Abteilung 22 eine Anlaufstelle, wenn sie EU-Projekte umgesetzt haben. Diese Aufgabe wird nun der Bereich „Innovation und Beratung“ in der Amba-Alagi-Straße 10 übernehmen.

Kurzporträts
Die beiden Verantwortlichen

Gustav Tschenett: Gustav Tschenett ist seit 1. März 2017 Bereichsdirektor der „Deutschen Berufsbildung“.
Zuvor war er Inspektor für die Oberschulen im Deutschen Schulamt und von 2008 bis 2016 Direktor des Oberschulzentrums Mals.

Paul Mair: Paul Mair ist seit 1. September 2017 stellvertretender Bereichsdirektor der „Deutschen Berufsbildung“.
Seit 2014 war er geschäftsführender Abteilungsdirektor der Abteilung land-, forst- und hauswirtschaftliche Berufsbildung. Seit 2007 ist er zudem Direktor der Fachschule für Obst-, Wein- und Gartenbau Laimburg.