Produktion, Südtiroler Landwirt | 31.08.2017

Der Weg zum Biobetrieb

Immer mehr Betriebsleiter beschäftigen sich mit dem Gedanken, ihren Hof biologisch zu bewirtschaften. Die Entscheidung, den eigenen Betrieb auf biologische Bewirtschaftung umzustellen, ist aber nicht immer ­einfach und erfordert eine gute Planung im Voraus. von Irene Holzmann, BRING

Die Umstellung der eigenen Futterflächen dauert maximal zwei Jahre.

Die Umstellung der eigenen Futterflächen dauert maximal zwei Jahre.

Der biologische Anbau soll eine Alternative zur konventionellen Bewirtschaftung darstellen und legt Wert auf möglichst geschlossene Nährstoffkreisläufe, schonende Nutzung der Ressourcen, Förderung der Bodenfruchtbarkeit, artgerechte Zucht, Haltung und Fütterung der Tiere, vorbeugende Pflanzenschutzmaßnahmen und Förderung einer Vielfalt an Pflanzen, Tieren und Lebensräumen.  

Umstellung gut durchdenken
Die Umstellung zum Biobetrieb und die eventuell damit verbundenen Herausforderungen und Schwierigkeiten hängen stark von der Ausgangssituation des Betriebes und von der jeweiligen Bewirtschaftung (Milchwirtschaft, Mutterkuhhaltung, Gemüseanbau, Ackerbau, Beerenobst …) ab. Aus diesen Gründen sollte die Umstellung mit Einbezug der gesamten Familie bzw. der Personen, welche am Betrieb arbeiten, gut geplant und durchdacht werden. Die biologische Bewirtschaftung bringt Neuerungen in produktionstechnischer Hinsicht, welche auch mit einer gewissen Überzeugung verknüpft sein sollten, um zum gewünschten Erfolg zu gelangen.
Bevor es zur Umstellung kommt, sollte man überprüfen, wie weit der Betrieb von den Anforderungen der biologischen Bewirtschaftung entfernt ist, welche baulichen Maßnahmen ergriffen werden müssten und mit welchen Investitionen zu rechnen wäre. Des Weiteren ist die Vermarktung der erzeugten Produkte unbedingt im Vorfeld abzuklären. So muss die Produktion von Biomilch, beispielsweise, auch den Heumilchkriterien entsprechen, wenn sie an die Südtiroler Milchhöfe geliefert wird. Somit sollte auch überprüft werden, ob die Heumilchrichtlinien eingehalten werden können. Auch die Milchanlieferung sollte vorher mit den jeweiligen Milchhöfen abgesprochen werden, um eine bessere Planung zu ermöglichen.

Haltung der Tiere entscheidend
Wie schon erwähnt, gestaltet sich die Umstellung je nach Bewirtschaftungsform von Betrieb zu Betrieb sehr individuell. In folgendem Textabschnitt soll die Umstellung eines Milchwirtschaftsbetriebes etwas näher beleuchtet werden: Der entscheidende Punkt bei vielen Betrieben ist die Tierhaltung. Bei Anbindehaltung müssen die Tiere während der Vegetationszeit auf die Weide. Zudem muss den Tieren außerhalb der Weidesaison zweimal pro Woche Auslauf gewährt werden.
Bei Laufstallhaltung müssen die Tiere ständigen Zugang zu Freigelände haben, vorzugsweise zu Weideland, wann immer dies die Umstände gestatten. Soweit die Tiere während der Weidezeit Zugang zu Weideland haben und im Laufstall gehalten werden, muss ihnen im Winter nicht unbedingt ein Auslauf geboten werden. Zudem ist beim Laufstall zu beachten, dass mindestens 50 Prozent der Stallfläche (Lauffläche plus Liegefläche) planbefestigt sein müssen.
Sollte die Spaltenfläche überwiegen, muss dafür eine für den Betrieb geeignete Lösung gefunden werden. Die Stallflächen für Milchvieh und die Boxen für die Jungtiere müssen den Vorgaben der biologischen Richtlinien entsprechen. Wird ein Termin für die Umstellung fixiert, muss auch die Fütterung den biologischen Richtlinien entsprechen. Es darf nur mehr biozertifiziertes Futter (Grundfutter bzw. Kraftfutter) verwendet bzw. eingekauft werden. Der Einkauf von biozertifiziertem Kraftfutter sollte mit dem Umstellungstermin abgestimmt werden, d. h. konventionelles Futter sollte vorher restlos verbraucht werden.

Dauer der Umstellungsphase
Die Umstellung der eigenen Futterflächen (Grünland) dauert 24 Monate ab Umstellungsbeginn. Bei Bezug der Grünlandprämie (Agrarumweltmaßnahme, Maßnahme 10) kann die Umstellungszeit der Futterflächen verkürzt bzw. ganz anerkannt werden. Die Umstellung der milchproduzierenden Tiere dauert sechs Monate ab biokonformer Haltung und Fütterung, und die Milch kann nach Ablauf dieser Zeit als Biomilch geliefert werden. Die Einhaltung der biologischen Richtlinien wird von einer privaten Kontrollstelle überprüft, welche nach positiver Kontrolle das Biozertifikat ausstellt.
Wohlbedacht und ausreichend informiert, stellt die Umstellung auf biologische Landwirtschaft für viele Betriebe eine Möglichkeit zur Weiterentwicklung dar und kann mit einiger Planung und Vorbereitung gut bewältigt werden. Für weitere Fragen steht die BRING-Beraterin für biologische Landwirtschaft jederzeit gern zur Verfügung.


Kontakt


BRING - Beratungsring Berglandwirtschaft
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E-Mail: info@bring.bz.it; www.bring.bz.it