Wirtschaft | 03.08.2017

Apfelwelt auf einen Blick

Südtirols Apfelanbau ist ein Gemeinschaftswerk vieler Beteiligter. Um der Bevölkerung zu zeigen, wer und was alles hinter dem Apfel steht, hat die Obstwirtschaft ein Wimmelbild gestaltet. von Tobias Egger

Die komplexe Welt der Südtiroler Obstwirtschaft erklären: Das will das Wimmelbild, das der „Südtiroler Landwirt“-Ausgabe vom 4. August beigelegt ist.

Die komplexe Welt der Südtiroler Obstwirtschaft erklären: Das will das Wimmelbild, das der „Südtiroler Landwirt“-Ausgabe vom 4. August beigelegt ist.

Die Apfelwirtschaft ist ein sehr besonderes Modell innerhalb der Südtiroler Landwirtschaft: Überaus viele Organe, Unternehmen, Organisationen und Menschen arbeiten hier zusammen – von den 7500 Bauernfamilien über die Vermarkter bis hin zu Beratung und Forschungseinrichtungen. Jeder einzelne Akteur übernimmt in diesem kleinen Kosmos wichtige Rollen und trägt so zum Erfolg des Südtiroler Apfels bei. 

Der Präsident des Südtiroler Apfelkonsortiums Georg Kössler führte bei einer Pressekonferenz im „Apfelhotel Torgglerhof“ in Saltaus gemeinsam mit Agrarlandesrat Arnold Schuler diesen Erfolg näher aus. So ist der Apfel der Exportartikel Nummer eins und schafft hierzulande mehrere tausend Arbeitsplätze. Für seine besondere Organisationsweise gilt der Südtiroler Apfelanbau international als Vorzeigemodell. Genau dafür hat der Südtiroler Apfelanbau von der Welternährungsorganisation FAO auch ein Lob erhalten.

Wimmelbild zeigt Kreisläufe
Umso größer ist das Anliegen der Obstwirtschaft, der Südtiroler Bevölkerung die Apfelkreisläufe näherzubringen. Denn nur wenigen sei es bewusst, wie viele Akteure es tatsächlich gibt, welche Aufgaben sie in der Apfelproduktion übernehmen und was es eigentlich ausmacht, dass der Obstbau im kleinen Südtirol international so erfolgreich ist. „Die Obstwirtschaft ist ein komplexes System, das tief in Südtirol verankert ist. Daher ist es richtig, dass wir die Bevölkerung informieren“, sagte Georg Kössler.
In diesem Rahmen ist ein sogenanntes Wimmelbild entstanden, das in Saltaus vorgestellt wurde. Auf dem Wimmelbild sind alle Akteure und Arbeitskreisläufe rund um den Apfel dargestellt – vom Anbau über die Ernte bis zu Verkauf, Beratung und Forschung. (siehe Kasten S.16). Kössler unterstrich das Ziel der Initiative: „Mit dem Wimmelbild wollen wir zeigen, wer in der Apfelproduktion was macht und dass alle gemeinsam den Südtiroler Apfelanbau zum Erfolgsmodell gemacht haben.“ Warum man dafür die Form eines Wimmelbildes gewählt hat? „Weil es in einer einfachen und sympathischen Weise am besten vermittelt, wie komplex heutzutage die Welt des Apfels ist und wieviel Know-how darin gebündelt ist“, erklärte Kössler. 

Erklären und Sympathie wecken
Landesrat Schuler bekräftigte die Notwendigkeit, das wachsende Netz an spezialisierten Akteuren und Organisationen in der Apfelwirtschaft, die selbst Insidern nicht immer bewusst ist, zu erklären. „Obwohl ich ja selbst Obstbauer bin, war ich überrascht, wie groß die Apfelfamilie geworden ist“, betonte Schuler. Der Landesrat führte die Besonderheit der heimischen Apfelwelt näher aus. Die Südtiroler Landwirtschaft, so auch die Obstwirtschaft, besteht aus durchschnittlich sehr kleinen Bauernhöfen mit 2,5 Hektar Größe. „Damit wurde es notwendig, aus der Not eine Tugend zu machen und die Kräfte zu bündeln – so entstanden die Genossenschaften und viele weitere Organisationen, die gemeinsam an einem großen Ganzen mitwirken“, betonte Schuler.
Für diese Organisationsstruktur und das Know-how, das dahintersteht, werde die Apfelwirtschaft im Ausland bewundert, während sie im Land oft anders gesehen wird. „Deshalb wollen wir den Menschen die Apfelwirtschaft erklären und uns den Diskussionen stellen“, erklärte der Landesrat.
Wie sehr Südtirols Apfelwirtschaft andernorts bewundert wird, unterstrich bei der Vorstellung auch Ennio Magnani, Präsident des Dachverbandes der Apfelproduzenten in Italien (Assomela). 

„Alle haben von euch gelernt“
„Die Südtiroler Obstwirtschaft war für uns – und nicht nur für uns – immer ein besonderes Zugpferd. Hier hat man gezeigt, was es heißt, Äpfel zu produzieren, aber auch zu verkaufen; wie man sich nach innen organisiert, wie nach außen. Ich würde sagen: Südtirol war die Universität für den Apfelanbau auf der Welt, hier haben alle gelernt“, lobte  Magnani, der auch den früheren Obmännern Josef Gamper und Karl Dietl seinen Dank für die konsequente Arbeit in Richtung Qualität, Nachhaltigkeit und Effizienz aussprach.
Diese Arbeit müsse freilich weitergehen, betonte Magnani, und nannte den Pflanzenschutz als Beispiel: „Der Apfel muss seine Rolle als gesundes Produkt beibehalten und weiter ausbauen.“ Magnani unterstrich auch die Unterstützung des Apfelexports durch Organisationen wie FROM sowie die Weiterverarbeitung von Obst über VOG Products, die für zusätzliche Wertschöpfung sorge. 

Saltaus

Obstvielfalt und Bio-Boom
VI.P-Obmann Thomas Oberhofer berichtete bei der Vorstellung des Wimmelbildes vom Apfelanbau im Vinschgau und von der Vielfalt an Sorten – zu den neun Apfelsorten kommen noch Marillen, Erdbeeren, Kirschen und Blumenkohl, die integriert oder biologisch erzeugt und anschließend vermarktet werden. Der Anteil der biologischen Produktion liegt mit 15 Prozent deutlich über dem europäischen Durchschnitt, der drei bis fünf Prozent beträgt.
Auf die wichtige Aus- und Weiterbildung verwies indes Bauernbund-Obmann Leo Tiefenthaler. Er hob die Bedeutung der verschiedenen Einrichtungen hervor, die von den landwirtschaftlichen Schulen und Oberschule bis hin zur Universität reicht, mit verschiedenen anderen Einrichtungen wie Versuchszentrum Laimburg oder EURAC. „Gute Ausbildung und ständige Weiterbildung sind die Basis für die Entwicklung neuer Ideen“, sagte Tiefenthaler.
Der Bauernbund arbeite gemeinsam mit Bioland Südtirol an einem Konzept zur Förderung des biologischen Anbaus. „Wir wollen und müssen hier aktiv sein, sei es bei der Weiterentwicklung der integrierten Produktion wie beim Bioanbau“, unterstrich Tiefenthaler bei der Pressekonferenz. Der Bauernbund-Obmann wies auf die bedeutende Rolle der Genossenschaften hin, die über 90 Prozent der Apfelproduktion abdecke.
Zugleich betonte er den Wert der Direktvermarktung. „Diese ist eine wertvolle Nische und ermöglicht den heute so wichtigen Kontakt zwischen Bauern und Konsumenten.“
Leo Tiefenthaler dankte dem Apfelkonsortium für die Ausarbeitung des Wimmelbildes. Als Faltposter wird es demnächst über die Detailgeschäfte der Genossenschaften, Gaststätten, Schulen usw. in ganz Südtirol verbreitet. 

Wer macht was?

Um die Vielfalt der Akteure in der Apfelproduktion zu zeigen, hat die Südtiroler Obstwirtschaft das Wimmelbild „Die Welt des Südtiroler Apfels“ erstellt. Darauf sind die wichtigsten Beteiligten und die gesamte Arbeit rund um den Südtiroler Apfel dargestellt. Das Wimmelbild zeigt sämtliche Schritte der Apfelproduktion und welche Rolle die einzelnen Akteure wie Genossenschaften und Vermarkter, Beratungsring, Laimburg oder Sortenerneuerungskonsortium haben. Auf der Rückseite sind die Organisationen näher beschrieben. Das Wimmelbild richtet sich gleichsam an Landwirte und die nicht-bäuerliche Bevölkerung. Es liegt als faltbares Poster im A2-Format dieser Ausgabe des „Südtiroler Landwirt“ bei und wird auch als Beilage der Verbandszeitungen von VOG und VI.P verbreitet.


Hier gibt es das Wimmelbild zum Download

 

Dieses Video zeigt die Vorstellung der Aktion in Saltaus