Bauernbund, Südtiroler Landwirt | 24.07.2017

„Wasser sichern und besser verteilen“

Die Ressource Wasser sichern, besser verteilen, effizienter managen und gezielt in moderne Technologien investieren – für Bauernbund-Direktor Siegfried Rinner die großen Herausforderungen im Bereich Wasser. Auch an die Gesellschaft hat er eine klare Botschaft.

In Südtirol eigentlich ausreichend vorhanden, die Herausforderung liegt aber in der Verteilung: Wasser

In Südtirol eigentlich ausreichend vorhanden, die Herausforderung liegt aber in der Verteilung: Wasser

Südtirol verfügt zwar eigentlich über genügend Wasser, trotzdem gehört es zu den knappen Ressourcen, die es sinnvoll und nachhaltig zu nutzen gilt. Bauernbund-Direktor Siegfred Rinner erklärt im Interview mit dem „Südtiroler Landwirt“, wie das Wassermanagement hierzulande künftig besser und effizienter organisiert werden kann und muss. Die Landwirtschaft als einer der größten Wassernutzer hat diese Notwendigkeit bereits erkannt.

Südtiroler Landwirt: Zuerst der Frost und dann die Trockenheit – in den letzten Monaten hat sich gezeigt, wie wichtig genügend Wasser für die heimische Landwirtschaft ist. Was sind die größten Herausforderungen beim Thema Wasser in den nächsten Jahren?
Siegfried Rinner:
Wir in Südtirol sind in der glücklichen Lage, allgemein über genügend Wasser zu verfügen. Allerdings ist die Verteilung des Wassers nicht optimal, in einigen Gebieten fehlt das Wasser oder ist nicht ausreichend verfügbar. Die größte Herausforderung wird also sein, die Verteilung zu verbessern. Das bedeutet große Investitionen in Speicherbecken, und Zubringerleitungen, um Trockenperioden zu überbrücken und Wasser für die Frostbewässerung zur Verfügung zu stellen.
Was wir zusätzlich noch brauchen, sind Vereinbarungen mit den anderen Sektoren, die Wasser nutzen, und hier besonders mit der Stromwirtschaft. Wehren müssen wir uns gegenüber jenen Regionen, die von Südtirol fordern, ihnen mehr Wasser zu überlassen.

Sie meinen Regionen wie etwa das Veneto, das regelmäßig Forderungen Richtung Bozen stellt?
Wir müssen auf zwei Dinge achten. Es ist wichtig, die Zuständigkeiten, die das Land Südtirol im Bereich Wasser hat, zu sichern. Es gibt nämlich die Tendenz des Staates, die Verwaltung der Wasserwirtschaft zu zentralisieren bzw. die Zuständigkeiten den größeren Einzugsgebieten zu übertragen. Wir müssen daher alles versuchen, damit unser Wassernutzungsplan möglichst schnell genehmigt wird. Der Gewässernutzungsplan regelt die zukünftige Wassernutzung und ist mit den betroffenen Regionen abgesprochen. Mit dem Plan sind wir einverstanden. Leider gibt es auch hier Versuche, den Plan auszuhebeln.
Und dann wird es Aufgabe der Politik sein, die Forderung der anderen Regionen entschieden zurückzuweisen.

Es besteht kein Zweifel, dass mehr in neue Infrastrukturen und Speicherbecken investiert werden muss. Häufig scheitern Projekte aber an den hohen Kosten. Müssten solche Investitionen nicht deutlich besser gefördert werden?
Leider ist alles nicht so einfach. Die Europäische Union bestimmt die Rahmenbedingungen für die Förderung der Bewässerung. Und hier steht das Prinzip des Wassersparens ganz weit vorne. Die Landwirtschaft wird in erster Linie als Wasserverschwenderin gesehen, hat man das Gefühl. Es ist richtig, dass die Effizienz gesteigert werden muss. Allerdings darf es nicht sein, dass es beinahe nicht mehr möglich ist, eine neue Bewässerungsanlage zu bauen. Die Europäische Union muss hier rasch umdenken und die Spielregeln anpassen.
Das Land bestimmt dann die Umsetzung. Hier gilt es, einfache Regelungen zu schaffen. Ärgerlich ist, dass Landes-Ämter immer häufiger auf die Bremse treten, wenn es um die Genehmigung oder die Verlängerung von Konzessionen geht. Auch sie müssen einsehen, dass die Landwirtschaft genügend Wasser braucht, wenn sie weiterhin Lebensmittel produzieren will. Hier werden wir ein ernstes Wort reden müssen!
Veränderungen wird es auch auf Ebene  der Konsortien geben müssen. Wir müssen die Verwaltung des Wassers effizienter gestalten. Da die gesamte Materie rechtlich und technisch komplizierter geworden ist, ist es sinnvoll, wenn sich Interessentschaften und Bodenverbesserungskonsortien neu organisieren. Eine wesentliche Rolle wird dem Landesverband der Bodenverbesserungskonsortien zukommen. Daher ist der Landesverband zu stärken und aufzuwerten.

Nochmals zur Finanzierung: Müssen nicht mehr Fördergelder für den Bau von Bewässerungsanlagen bereitgestellt werden?
Das ist eine Frage der Verfügbarkeit: Die Mittel für die Landwirtschaft sind beschränkt, dem gegenüber steht ein sehr hoher Finanzbedarf. Leider gibt es kaum die Möglichkeiten, andere Finanzquellen im Landeshaushalt zu erschließen, um den Mittelbedarf zu decken. Was wir sicher tun müssen, ist über alternative Finanzierungsformen, wie etwa mittel- und langfristige Darlehen, nachzudenken.
Einzelbetriebliche Unterstützung wird auch in Zukunft schwierig sein, die großen In­frastrukturen der Konsortien müssen hingegen in größerem Maße gefördert werden. Eines muss aber auch klar sein: Es wird nicht überall möglich sein, den Frostschutz mit Überkronbewässerung zu garantieren. Hier müssen sich die Bauern gegen Frostschäden versichern. Gleiches gilt für das Grünland und die Trockenschäden. Wir denken hier an neue Modelle der Versicherung.

Die EU will ein effizienteres Wassermanagement durchsetzen und hat eine entsprechende Richtlinie erlassen, die Italien bereits umgesetzt hat. Die Landesregierung ist gerade dabei, entsprechende Beschlüsse zu fassen. Auf was müssen sich die Bauern einstellen? Etwa mehr Bürokratie und höhere Wasserpreise?
Um Beiträge vergeben zu können, müssen die Beitragsbezieher zukünftig bestimmte Bedingungen erfüllen. Eine Voraussetzung sind etwa Wassermessungen. Der entsprechende Beschluss der Landesregierung ist bereits gefasst. Es ist in meinen Augen eine vernünftige Lösung.
Ein anderes Thema sind die Kosten. Ende des Jahres dürfte der Wasserzins neu festgelegt werden. Unsere Meinung ist hier ganz klar: Wir lehnen eine wesentliche Erhöhung des Wasserzinses ab. Wir dürfen nämlich nicht vergessen, dass sich bereits jetzt jeder Bauer bemüht, mit Wasser so sparsam wie möglich umzugehen. In Anbetracht des Investitionvolumes in Beregnunginfrastrukturen, das ansteht, ist eine Mehrbelastung unsinnig.

Der Sektor Landwirtschaft gehört zu den größten Wassernutzern, was immer wieder zu Kritik führt. Wie kann Wasser noch effizienter eingesetzt werden und wie kann der Öffentlichkeit klargemacht werden, was die Landwirtschaft bereits jetzt alles unternimmt, um Wasser zu sparen?
Grundsätzlich ist zu sagen, dass der Großteil des Beregnungswassers ja wieder in den Wasserkreislauf zurückkommt und daher das Wasser nicht „verbraucht“ wird. Problematisch ist in diesem Zusammenhang eher, dass einzelnen Gewässerabschnitten Wasser entzogen wird.
Die Landwirtschaft macht bereits sehr viel, um Wasser zu sparen. Ein Beispiel dafür ist die Tropfbewässerung im Obstbau und Weinbau. Die moderne Technik ermöglicht aber noch viel, viel mehr. Die Bewässerung in der Landwirtschaft kann heute nämlich bereits anhand der Bodenfeuchtigkeit per Computer gesteuert werden. Investitionen in solche Innovationen braucht es in Zukunft auch in Südtirol.
Was die Öffentlichkeitsarbeit betrifft, ist es wichtig zu vermitteln, dass wir die Notwendigkeit des Wassersparens erkannt haben und auch in Zukunft das Möglichste tun werden, um das kostbare Gut Wasser so effizient wie möglich einzusetzen, aber auch daß die Landwirtschaft um das Wasser kämpfen wird.


Interview von Michael Deltedesco