Politik | 10.07.2017

EU-Bürger wollen starke Agrarpolitik

Mehrere Wochen lang hat die EU-Kommission in diesem Frühjahr in einer Online-Konsultation die Meinung der EU-Bürger zur Zukunft der EU-Agrarpolitik eingeholt. Jetzt liegen die Ergebnisse vor. von AgraEurope und AIZ

Die Produktion hochwertiger Lebensmittel sieht die Mehrheit der EU-Bürger als wichtigste Aufgabe der Landwirtschaft.

Die Produktion hochwertiger Lebensmittel sieht die Mehrheit der EU-Bürger als wichtigste Aufgabe der Landwirtschaft.

Im Zuge der öffentlichen Internetbefragung zur Zukunft der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) gingen im Frühjahr 322.000 Antworten auf der Webseite der EU-Kommission ein. Die Statistiker in der Kommission mussten erst mal sortieren, um ein verwertbares Ergebnis zu bekommen, denn von den 322.000 Antworten wurden allein 260.000 über eine Kampagne einer Umweltorganisation eingeschickt. Die "Living Land Campaign" war mit 100.000 Antworten besonders in Deutschland erfolgreich und fordert eine grünere Agrarpolitik. Doch auch andere Organisationen, wie der Deutsche Bauernverband und Bioverbände, versuchten über Kampagnen mit ein paar Tausend Eingaben das Ergebnis zu beeinflussen. Die EU-Kommission wertete deshalb im engeren Sinn nur 58.000 Antworten von einzelnen Personen.

Die Eingaben von 21.000 Landwirten und 27.000 Nichtlandwirten wies die EU-Kommission getrennt aus. Die Bauern betonten erwartungsgemäß die Stabilisierung der Einkommen als wichtiges Ziel der GAP. Bei den Nichtlandwirten lag der Akzent auf einer Agrarerzeugung, die im Einklang mit dem Naturschutz stehen müsse. Einig sind sich Landwirte und Nichtlandwirte, dass der Anteil der Bauern an der Wertschöpfungskette zu niedrig ist und dass die Umweltstandards in der europäischen Landwirtschaft höher als außerhalb der EU sind.

Nachhaltige Produktion hochwertiger Nahrungsmittel

EU-Agrarkommissar Phil Hogan begrüßte das große öffentliche Interesse an der EU-Agrarpolitik. Er nannte verschiedene Kernpunkte, worauf die Teilnehmer der Befragung nach besonderen Wert legten. Dies seien zum einen die Erzeugung qualitativ hochwertiger Nahrungsmittel sowie die Anforderung an die Landwirte, umweltgerecht und nachhaltig zu produzieren. Andererseits verlangten die Menschen auch nach mehr Investitionen in die ländlichen Räume. Besonders hob der Ire hervor, dass sich zwei Drittel der teilnehmenden Landwirte für mehr Leistungen im Umweltschutz ausgesprochen hätten.

Umweltschutz bisher nicht ausreichend
Als die drei größten agrarpolitischen Herausforderungen wurden in der Umfrage der Lebensstandard der Landwirte, die Umweltbelastungen sowie die Verringerung beziehungsweise Anpassung an den Klimawandel genannt. So sei für 88 Prozent der Teilnehmer klar, dass im Schnitt die Landwirte in der Regel deutlich weniger verdienten als die EU-Bürger, berichtete die Kommission. Zudem hätten 97 Prozent der Befragten die Ansicht vertreten, dass die Landwirte keinen gerechten Anteil am Endpreis in der Lebensmittelkette erhielten. Für 57 Prozent der Beteiligten decke die gegenwärtige GAP zudem nicht alle Herausforderungen hinreichend ab, stellte die Kommission weiter fest. Nach Auffassung von 63 Prozent der Konsultationsteilnehmer berücksichtige die aktuelle EU-Agrarpolitik nicht in hinreichendem Maß Aspekte des Umweltschutzes. Insgesamt sprachen sich 66 Prozent der Befragten für Einkommensstützungen für die Landwirte aus. Etwa 96 Prozent forderten eine Stärkung der Landwirte in der Lebensmittelkette, während sich 77 Prozent der Konsultationsbeteiligten aber auch für einen stärkeren Beitrag der Landwirtschaft zum Umwelt- und Klimaschutz aussprachen.

Unterschiede zwischen Landwirten und Nichtlandwirten
Während die Landwirte sich selbst eher über die Versorgungssicherheit sowie Bereitstellung sicherer und hochwertiger Nahrungsmittel definierten, halten private Bürger die Landwirtschaft neben der Versorgung mit sicheren und hochwertigen Produkten auch als besonders verantwortlich in Sachen Tierwohl und Umweltschutz. Auch die Zielsetzung der GAP wird zwischen diesen beiden Gruppen unterschiedlich gesehen. Die Landwirte setzten ihren Fokus hier besonders auf die Agrarpolitik als Einkommensausgleich; dagegen nannten die privaten Bürger als Ziele der GAP vor allem sichere Nahrungsmitteln sowie den Umweltschutz. Zudem verlangten die Landwirte eher nach Investitionshilfen, Unterstützung bei Wachstum und Beschäftigung sowie nach einer Stärkung des gemeinsamen Binnenmarktes.

Private Bürger legten ihre Schwerpunkte dagegen stärker auf die Bekämpfung des Klimawandels beziehungsweise auf die Anpassung an denselben. Von knapp zwei Dritteln der Teilnehmer wurde ein stärkerer Einsatz digitaler Techniken angeregt, so zur Vereinfachung der Kontrollen.