Südtiroler Landwirt, Politik | 22.06.2017

Innovation als Antwort

Mechanische Unterstockpflege, Schutznetze, neue Ausbringungsmethoden für den Pflanzenschutz oder die Frostabwehr, das sind nur einige der Themen, die dem Publikum beim 28. Tag der Technik im Weinbau ­geboten wurden. Das Interesse war entsprechend. von Renate Anna Rubner

Neuheiten bei Maschinen und Geräten für den Weinbau wurden beim diesjährigen Tag der Technik am Versuchszentrum Laimburg gezeigt.

Neuheiten bei Maschinen und Geräten für den Weinbau wurden beim diesjährigen Tag der Technik am Versuchszentrum Laimburg gezeigt.

Bei tropischen Temperaturen wurde der diesjährige Tag der Technik im Weinbau am 14. Juni am Versuchszentrum Laimburg eröffnet. Jakob Ganterer, Vorsitzender des Organisationskomitees im Absolventenverein Landwirtschaftlicher Schulen (ALS) nahm dies zum Anlass, auf den Klimawandel und die entsprechenden Herausforderungen für den heimischen Weinbau hinzuweisen: „Nicht nur der Hagel, sondern auch ständig neu auftretende Schadinsekten und Krankheiten stellen unseren Weinbau vor neue Herausforderungen. Netze können eine Antwort darauf sein.“ Deshalb habe man Netze als Schwerpunktthema der diesjährigen Veranstaltung gewählt. „Netze können darüber hinaus aber noch mehr“, erklärte Ganterer, „sie schützen vor Wild-, Vogel- und Wespenfraß gleich wie vor Abdrift zwischen verschiedenen Kulturen oder zwischen unterschiedlichen Anbauweisen.“
Denn die Anforderungen der Konsumenten und des Handels steigen ständig: Nur wenn beste Qualität produziert werde und das zu akzeptablen Produktionskosten, könne der heimische Weinbau zukunftsfähig bleiben. Deshalb brauche es ein funktionierendes Versuchswesen, fachgerechte Handarbeit, eine gute maschinelle Ausrüstung und vor allem auch Schutzmaßnahmen, die den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln minimieren oder unerwünschte Überwehungen verhindern helfen.

Wichtiger Wirtschaftsfaktor
Auf den hohen Qualitätsanspruch des Südtiroler Weinbaus wies auch Landesrat Arnold Schuler in seinen Grußworten hin: „Der Südtiroler Weinbau hat nicht nur eine lange Tradition, sondern ist heute auch ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für unser Land. Das beweist, dass wir den Sprung geschafft haben und die Qualität zu produzieren imstande sind, die uns auf internationalen Märkten bestehen lässt.“
Die heimische Weinwirtschaft stehe also gut da. Ein Zeichen dafür sei auch, dass man den Anfragen um Pflanzgenehmigungen seit ihrer Einführung im Jänner 2016 bei Weitem nicht genügen könne: „Südtirol bekommt jährlich 54 Hektar an Pflanzgenehmigungen. Allein in diesem Jahr hatten wir aber 600 Antragsteller, die insgesamt Pflanzgenehmigungen für 240 Hektar beantragt haben. Das zeigt zwar, dass im Weinbau viel Potenzial gesehen wird, bedeutet aber auch, dass wir viele enttäuschen mussten, deren Wünsche wir bei Weitem nicht befriedigen konnten.“
Der Landesrat ging auch auf die Entwicklungen in der Bearbeitung der heimischen Weinbauflächen ein. Während früher die Pflegemaßnahmen vor allem in Handarbeit gemacht wurden, seien heute Maschinen und Geräte im Einsatz. Das erleichtere die Arbeit in Hang- und Steillagen, in denen Südtirols Weinbau vor allem betrieben werde, bedeutend und trage zur Kostenreduzierung in der Produktion bei.

Gut für Bauern und Hersteller
Schuler lobte den Tag der Technik im Weinbau als gute Gelegenheit für die Bauern, sich über aktuelle Entwicklungen bei Maschinen und Geräten zu informieren. Er sei aber auch für Entwickler, Fabrikanten und Händler landwirtschaftlicher Maschinen und Geräte eine Chance, weil sie sich und ihre Produkte präsentieren und den potenziellen Kunden im Einsatz zeigen können. Auch bei den Netzen sieht Schuler Potenzial: „Sie bieten einen Mehrfachschutz.“

Schutz gegen Kirschessigfliege
Paul Hafner vom Beratungsring für Obst- und Weinbau stellte das Schwerpunktthema „Netze“ im Detail vor. Er erklärte, dass es derzeit verschiedene Systeme gebe, fixe oder mobile, die in Anwendung, Arbeitsintensität und Kosten variieren. Vor allem den Schutz der Weinbeeren gegen die Kirschessigfliege strich er hervor: „Vor zwei Jahren, als der Drosophila-Druck hoch war, konnten wir mit den Netzen einen deutlich besseren Schutz erreichen als mit zwei Spritzungen Spinosad.“ Auch als Abdriftschutz haben sich Netze im Versuch bewährt: So können sie den Eintrag unerwünschter Wirkstoffe verhindern, sofern sie engmaschig genug sind (etwa 0,5 mm Maschenweite) oder aus Folien bestehen. Aufgrund der starken Segelwirkung dieser Netze bzw. Folien werde laut Hafner aber die Luftdurchlässigkeit stark reduziert (um etwa 80 %), weshalb eine gute Verankerung Voraussetzung sei.

Pflanzen- und Frostschutz
Das Versuchzentrum Laimburg arbeitet derzeit an einem neuen Verfahren zur Pflanzenschutzmittel-Ausbringung mit einer stationären Beregnungsanlage und stellte diesen Versuch dem Publikum bei dieser Gelegenheit vor: Fix installierte Flipper-Sprinkler verteilen die Pflanzenschutzmittel in zwei Richtungen zu je drei Meter. Dadurch ist laut Versuchsbeschreibung bei einer Kammerlänge von 4,80 Metern eine flächige Bedeckung möglich, wobei sich die Behandlung auf die Laubwand konzentriert. Positioniert sind die Sprinkler 50 Zentimeter über dem Säulenende, damit die Ausbringung durch die Laubwand nicht beeinträchtigt wird. Diese stationäre Applikationstechnik könnte laut Versuchszentrum eine Lösung für Steillagen darstellen, in denen die Pflanzenschutzmittel-Ausbringung schwierig, zeitintensiv und gefährlich ist. Als Vorteile für dieses Verfahren werden genannt: verbesserte Arbeitssicherheit durch den reduzierten Maschineneinsatz; ein verbesserter Anwenderschutz, weil der Mensch nicht unmittelbar mit der Spritzbrühe in Berührung kommt; ein besserer Schutz des Bodens und der Luft durch die verminderten Durchfahrten in der Anlage und dadurch auch eine deutliche Zeitersparnis, obwohl die Spritzbrühe gezielt ausgebracht werden kann. Das Verfahren birgt aber auch Nachteile: Die Anlagen müssen gewartet und gereinigt werden, sie sind teuer in der Anschaffung, in ihrer Funktionsfähigkeit schwieriger zu kontrollieren und weniger präzise als Sprüher.
Reges Interesse fanden auch Maschinen zur Unterstockpflege, wie sie von verschiedenen Herstellern gezeigt wurden. Auch Paraffinkerzen zur Frostabwehr wurden vorgestellt: Bei einer Dichte von 180 Kerzen pro Hektar könne damit die Temperatur um zwei Grad Celsius angehoben werden. Empfehlenswert sei, die doppelte Anzahl an Kerzen aufzustellen, damit bei einem weiteren Absinken der Temperaturen zusätzliche Kerzen zum Einsatz kommen können. Vor allem in Lagen, in denen keine Frostschutzberegnung möglich ist, können solche Kerzen laut Hersteller eine Alternative darstellen.