Markt | 20.06.2017

Ernteeinbußen in (fast) ganz Europa

Die extreme Witterung im April und Mai führt in vielen europäischen Apfel-Anbauregionen zu deutlichen Ernteeinbußen. Vielfach wird sogar die Marke von 50 Prozent überschritten und die kontinuierliche Belieferung der Märkte ist gefährdet. von Helwig Schwartau, AMI

In den meisten EU-Ländern gehen die Experten derzeit von deutlich weniger Äpfeln aus.

In den meisten EU-Ländern gehen die Experten derzeit von deutlich weniger Äpfeln aus.

In Deutschland gilt dies auch für die Region Bodensee, die sogar einen Ernteausfall von 70 Prozent prognostiziert. Im Gegensatz dazu verfügt der Norden mit Schwerpunkt Niederelbe über einen umfangreichen Frostschutz in Form von Beregnungsanlagen. Aus heutiger Sicht ist hier nur eine Einbuße von rund zehn Prozent zu erwarten.

Nur Spanien und Großbritannien verschont
Das absehbare Erntedefizit in Deutschland kann aber nicht durch das europäische Umfeld ausgeglichen werden. Hervorzuheben sind hier die geschätzten Ernteausfälle in Polen von 50 bis 60 Prozent, in Belgien von 65 bis 70 Prozent, in den Niederlanden von 30 bis 35 Prozent, in Österreich von 45 bis 50 Prozent, in Italien von 20 bis 25 Prozent und in den Balkanländern mit 50 bis 80 Prozent. Nur Spanien und Großbritannien wurden von den europaweiten Nachtfrösten verschont.

Genauere Zahlen erst nach Prognosfruit-Kongress
Bei den Zahlen handelt es sich nur um Tendenzen, für exakte Ernteaussichten ist es noch viel zu früh. Diese werden dann im Rahmen des Prognosfruit-Kongress in der ersten Augustwoche vorgestellt, der in diesem Jahr in Lleida in Spanien stattfindet.
Trotz der bisher vagen Aussagen, dürfte die EU-Apfelernte unter zehn Millionen Tonnen liegen. Ob sogar das Niveau aus dem Jahr 2007 mit 9,2 Mio. unterschritten wird, bleibt abzuwarten. Seinerzeit konzentrierte sich das Defizit auf die Länder in Osteuropa mit Schwerpunkt Polen (1,1 Millionen Tonnen Äpfel), während der Westen in der Regel über sehr gute Ernten verfügte. In der Saison 2017/18 ist die Warenverfügbarkeit ausgeglichener und kein Anbaugebiet steht unter Verkaufszwang.

Markt hat schon reagiert
Obwohl bisher nur grobe Ernteeinschätzungen vorliegen, hat der Markt schon reagiert. Am 1. Mai lagerten 1,33 Millionen Tonnen Äpfel mit Schwerpunkt Golden Delicious und der Jonagold-Gruppe. Es gab große Vorbehalte, diese Mengen zeitgerecht und zu stabilen Preisen zu räumen. Mit der jetzt absehbar deutlich kleineren Folgeernte bieten sich für die „alterntigen“ Äpfel gute Absatzmöglichkeiten bis Ende September und eine Angebotsüberschneidung ist sogar gewollt. Der Markt für Äpfel aus der Ernte 2016 hat sich jedenfalls gedreht und beinhaltet anziehende Preise.

Aktuelle Daten zum Lagerbestand in der Region Trentino-Südtirol gibt es hier.