Produktion | 09.06.2017

Wenn Wanderer auf Tiere treffen ...

Angriffe von Weidetieren auf Wanderer – wie diese Woche in Nordtirol – lassen sich fast immer vermeiden. Darauf weisen die Alpenvereine von Österreich und Südtirol hin.

Wer beim Wandern auf weidende Tiere trifft, muss keine Angst haben – wenn er sich richtig verhält.

Wer beim Wandern auf weidende Tiere trifft, muss keine Angst haben – wenn er sich richtig verhält.

Die Begegnung mit einer Kuhherde hat diese Woche in Nordtirol tragisch geendet. Die sonst eher sanftmütigen Tiere hatten eine Frau mit Hund auf ihrem Weg angegriffen und tödlich verletzt. Der Österreichische Alpenverein wie auch der Alpenverein Südtirol empfehlen Wanderern, beim Durchqueren von Almweiden einige wichtige Grundregeln zu beachten. Damit kann das Risiko eines Angriffs bedeutend verringert werden. 

Distanz halten
Wenn möglich, sollten Wanderer auf dem Wanderweg bleiben und Abstand zu den Rindern oder auch Pferden bewahren. Versperrt die Herde den Weg, fixiert sie einzelne Wanderer oder zeigt sie sich sehr unruhig, ist es besser, einen Umweg zu machen und in großem Bogen um die Herde herumgehen.

Ruhig verhalten
Neben den Herden sollte man keine hektischen Bewegungen machen oder lärmen bzw. nicht wild mit Armen oder Stöcken gestikulieren. Ist die Aufmerksamkeit bereits auf die Wanderer gerichtet, sollten sich diese selbstbewusst (und optimalerweise mit Stock) den Tieren entgegenstellen und sich dann ruhig von der Herde entfernen.

Hunde an die Leine
Hunde können von Weidetieren als Bedrohung wahrgenommen werden. Deshalb sollte man sie zur Sicherheit an die Leine nehmen. Frei lassen sollte man den Hund jedoch, wenn abzusehen ist, dass ein Weidetier angreifen will. Wenn das Weidevieh anfängt, auf den Hund und damit auch den Hundehalter zuzugehen, sollten Wanderer ihren vierbeinigen Liebling unbedingt von der Leine lassen. Der Hund nimmt mit Leichtigkeit Reißaus und sein Besitzer ist damit auch außer Gefahr.

Jungtiere nicht streicheln oder füttern
Die Annäherung von Menschen oder Hunden kann von den Muttertieren möglicherweise als Bedrohung für Kalb oder Fohlen empfunden werden. Deshalb ist es besser, von den Jungtieren Abstand nehmen.

Warnsignale ernst nehmen
Alarmsignale sind ein Senken des Kopfes sowie Scharren oder Brüllen bzw. Schnauben. In einem solchen Fall sollten Wanderer Ruhe bewahren und langsam die Weide verlassen, ohne den Tieren den Rücken zuzukehren.

„Aussperren“ der Weidetiere nicht möglich
Zwischenfälle wie den in Nordtirol gibt es leider jedes Jahr – meist jedoch zum Glück mit glimpflicherem Ausgang. Die Alpenvereine bemühen sich um Aufklärung und Bewusstseinsbildung bei den Wanderern. Das richtige Verhalten könnte schließlich einen Großteil der Unfälle verhindern. Die Wanderwege im Weidegebiet zu verlegen, wie es manchmal gefordert wird, lässt sich aber sicherlich nicht verwirklichen. Eine tatsächliche Trennung von Bergwanderern und Weidevieh ist wohl nirgends machbar und auch nicht sinnvoll – die Tiere sind schließlich keine Ungeheuer. Die ersten Wanderwege waren allesamt Alm- und Viehtriebwege, ein Miteinander war immer möglich. „Mit weideviehfreien Zonen oder überzogenen Forderungen an die Almbauern würden wir dem Wandertourismus und den Erholungsmöglichkeiten in unserer Kulturlandschaft nur schaden“, schreiben die Alpenvereine.