Wirtschaft, Südtiroler Landwirt | 08.06.2017

Leben am Land attraktiv machen

Für einen attraktiven und lebenswerten ländlichen Raum sind funktionierende Basisdienste unerlässlich. Ein Dienst ist dabei von besonderer Bedeutung, hieß es heute auf der dritten Tagung der Plattform Land auf Schloss Prösels: das Breitband. von Michael Deltedesco

Nur funktionierende Basisdienste können den ländlichen Raum attraktiv halten: Darin waren sich die Referenten bei der Tagung einig.

Nur funktionierende Basisdienste können den ländlichen Raum attraktiv halten: Darin waren sich die Referenten bei der Tagung einig.

Die Plattform Land setzt sich seit ihrer Gründung vor drei Jahren für den Erhalt der Attraktivität und Lebensqualität im ländlichen Raum ein. Die dritte Jahrestagung war den Basisdiensten auf dem Land gewidmet.
Der amtierende Präsident der Plattform Land, Andreas Schatzer, erklärte dazu: „Funktionierende Sozial- und Gesundheitsdienste, gute Bildungs- und Betreuungseinrichtungen, ein öffentlicher Nahtransport, die Nahversorgung und nicht zuletzt ein schnelles Internet sind neben attraktiven Arbeits- und Wohnmöglichkeiten die Schlüsselfaktoren, wenn es darum geht, die Lebensqualität und die Wettbewerbsfähigkeit auf dem Land zu erhalten.“  
Südtirol stehe im Vergleich zu anderen Ländern gut da, unterstrich Landesrat Arnold Schuler: „Die Politik hat mit Weitsicht gehandelt und die richtigen Rahmenbedingungen gesetzt. Das betrifft die Erschließung des ländlichen Raumes ebenso wie den Ausbau der Mobilität.“
Ähnlich wie in Südtirol ist auch in Niederösterreich der ländliche Raum nach wie vor attraktiv. Das unterstrich der niederösterreichische Landeshauptmann a. D., Erwin Pröll, in seinem Gastvortrag: „Die Landesregierung hat soziale Treffpunkte gefördert und die Zusammenarbeit unter den Gemeinden unterstützt. Zudem wurde die Erreichbarkeit verbessert. Es hat sich gezeigt, dass sich Dörfer, die gut erschlossen sind, wirtschaftlich besser entwickeln und dort mehr Arbeitsplätze entstehen. Zudem wandern weniger Menschen ab.“ Besonders wichtig seien Ausbildungsstätten. „Hier zu sparen, wäre falsch“, warnte Pröll.
Einen Schwerpunkt legt Niederösterreich auf die Kultur. In keinem vergleichbaren Bundesland gebe es so viele Museen und kulturelle Einrichtungen wie in Niederösterreich. Zudem sprach sich Pröll für mehr Zusammenarbeit vor Ort aus: „Gemeinden haben ihre Bauhöfe zusammengelegt und gemeinsame Gewerbeparks realisiert“, betonte Pröll.

Zusammenarbeit statt Einzellösungen
Dass Gemeinden in Zukunft verstärkt mit anderen Gemeinden zusammenarbeiten und übergemeindliche Strukturen schaffen müssen, davon ist auch Peter Dehne vom Neubrandenburger Institut für Kooperative Regionalentwicklung überzeugt: „Um dem Ärztemangel auf dem Land zu begegnen, wurde bei uns ein gemeinsames Ärztehaus mit zwei festen Ärzten und wechselnden Fachärzten aus der Umgebung eröffnet. Auch bei der Feuerwehr arbeiten Gemeinden vermehrt zusammen. Beim interkommunalen Brandschutz gibt es einen einzigen Koordinator und einen gemeinsamen Ausbildungspool.“ Ebenso wichtig sei die Zusammenarbeit verschiedener „Betroffener“. „Am erfolgreichsten sind ländliche Gemeinden und Regionen dort, wo sich Politik, Verwaltung, Wirtschaft, Vereine und Bürger vernetzen“, erinnerte Dehne.
Auch Thomas Egger, Direktor der Schweizerischen Arbeitsgemeinschaft für die Berggebiete, sprach sich für eine integrierte Strategie aus: „Die Angebote der Grundversorgung müssen integriert und regional weiterentwickelt werden.“ Er appellierte, die Veränderungen aktiv anzugehen. „Die Grundversorgung wird im Jahr 2030 anders aussehen als heute. Es wird große Änderungen bei der Schulausbildung geben, aber auch beim öffentlichen Nahverkehr. Der Einsatz selbstfahrender Fahrzeuge kann dank der Digitalisierung eine Chance für den ländlichen Raum werden“, blickte Egger in die Zukunft. Wo es kein Geschäft mehr gebe, könnten Detailhändler vermehrt Lebensmittel im Internet anbieten und nach Hause liefern – oder Unternehmen verlegen Arbeitsplätze bewusst auf das Land oder gleich zu den Mitarbeitern nach Hause. „Ist der ländliche Raum mit Glasfaser erschlossen, bieten sich dieselben Chancen wie in der Stadt. Wichtig ist nur, für Neuerungen offen zu sein. Starr am Bestehenden festzuhalten, ist die falsche Strategie“, erklärte Egger.

Schnelles Internet ist Voraussetzung
Eine der großen Herausforderungen für den ländlichen Raum sei nun die flächendeckende Versorgung mit schnellem Internet. Diese sein ein wichtiges Ziel des Landes Südtirol, wie Landesrätin Waltraud Deeg unterstrich: „Ein flächendeckendes Breitbandnetz ist eine wesentliche Voraussetzung für die Digitalisierung und damit für die Wettbewerbsfähigkeit.“ Bis jetzt hat das Land bereits rund 150 Millionen Euro in den Ausbau der Hauptleitungen investiert. Derzeit gibt es insgesamt 1150 km Faserstränge, 133 von 155 Telekom-Zentralen sind bereitgestellt und 140 Pops, die zentralen Knotenpunkte, betriebsbereit. „Etwas mehr als die Hälfte der Gemeinden könnte die ‚letzte Meile’ in Angriff nehmen, die es noch braucht, damit das schnelle Internet in jedes Haus gelangt. 85 Prozent werden mit Glasfaser versorgt werden, die restlichen 15 Prozent über Funk- und Satellitenverbindung“, berichtete Deeg. Ziel des Landes seien nicht nur „Smart Cities“, sondern auch „Smart Valleys“. „Das ist auch eine Frage der sozialen Gerechtigkeit und der Chancengleichheit“, erinnerte die Landesrätin.