Südtiroler Landwirt, Rechtsberatung | 08.06.2017

Jagd, Wild, Forstwege neu geregelt

Abschusspläne, Wildfütterung oder Fahren auf Forstwegen … Das sind nur einige Punkte der Durchführungsverordnungen, die nach einem Beschluss der Landesregierung kürzlich in Kraft getreten sind.

Eine der Neuregelungen ist, wer mit welcher Bewilligung auf Forststraßen fahren darf. (Foto: Rainer Sturm, www.pixelio.de)

Eine der Neuregelungen ist, wer mit welcher Bewilligung auf Forststraßen fahren darf. (Foto: Rainer Sturm, www.pixelio.de)

In ihrem Beschluss begründet die Landesregierung die Änderungen im Bereich Jagd und Forst damit, einen Ausgleich der Interessen zwischen Grundeigentümern und Jägern zu schaffen und so ein Gleichgewicht zwischen Wald, landwirtschaftlichen Kulturen und Wild zu gewährleisten. Sie setzt damit auch viele Punkte um, die bereits im Wald-Wild-Dialog aus dem April 2014 zwischen den Landesabteilungen Land- und Forstwirtschaft, Südtiroler Bauernbund und Südtiroler Jagdverband vereinbart worden waren. Viele Punkte dieses Abkommens können nur wirksam sein, wenn sie auch rechtlich verankert werden. Die Bestimmungen sind bereits in Kraft.
Die wichtigsten Neuerungen in den verschiedenen Bereichen hat Andreas Agreiter, stellvertretender Direktor des Landesamtes für Jagd und Fischerei, für den „Südtiroler Landwirt“ zusammengefasst.

Jagdgesetz
Die Abschussplanung erfolgte bis heute auf Revierebene. Einige Wildarten wie Rot- und Gamswild besiedeln größere Gebiete, weshalb die jagdliche Planung in Zukunft auch revierübergreifend erfolgen darf. Die Aufgaben der Abschussplankommission, in der auch Vertreter des Bauernbundes und der Landwirtschafts- sowie Forstbehörde vertreten sind, wurden nun zugunsten einer wirksameren Wildstandregulierung gestärkt. So kann sie eine zur Regulierung von Rotwild im Widerspruch stehende Bestimmung der Revierordnung außer Kraft setzen oder in begründeten Fällen von den Hegerichtlinien abweichen.
Während bei Schalenwild die Bestimmungen auf eine intensivere Bejagung zielen, sind andere Neuerungen naturschutzorientiert. Für die Jagd auf Spielhahn, Schneehuhn und Steinhuhn ist ein Verträglichkeitsgutachten der Jagdbehörde bindend einzuhalten. Jäger dürfen künftig nur mehr zwei Schneehühner und Steinhühner im Jahr erlegen, bisher waren es sechs.

Forstgesetz
Neu ist, dass die Wildfütterung im Forstgesetz geregelt ist. Nachdem Rotwildfütterungen durch Verbiss und Schälung unerwünschte Auswirkungen auf den umliegenden Wald haben können, ist grundsätzlich von der Fütterung des Rotwildes abzusehen.
Nur in bestimmten Situationen sind Ausnahmen möglich. Möglich ist eine Notfütterung bei extremer Schneelage oder zur Wildlenkung – das heißt mit dem Zweck, das Wild von besonders schadenanfälligen Waldgebieten fernzuhalten. Wenn das Heu von schwer erreichbaren Bergwiesen vor Ort verfüttert wird, so begründet die Aufrechterhaltung der Bewirtschaftung der Bergwiese eine Verwendung des Futters für das Wild.
Für die Errichtung von Futterstellen braucht es jedenfalls die Zustimmung des Grundeigentümers. In allen Fällen müssen neue Rotwildfütterungen fortan von der Forstbehörde genehmigt werden; ebenso kann die Auflassung verfügt werden. Gefüttert werden darf ausschließlich getrocknetes Raufutter (Heu). Die Nichteinhaltung der Bestimmung wird mit einer Geldbuße von 300 Euro bestraft.

Forstwege
Im Gesetz zum Befahren gesperrter Forstwege hat sich vor allem Folgendes geändert: Sofern sich die Grundeigentümer nicht gegen das Befahren
der Forstwege für die Jagd auf Gamswild und Kahlwild (Rotwildtiere und Kälber) aussprechen, dürfen Jäger wie bisher Forstwege zu diesem Zweck befahren.
Neu ist, dass die Gamspirschführerausweise nicht mehr die Fahrbewilligungen ersetzen, sondern sie wiederum von der Forstbehörde für jene Forstwege ausgestellt werden, wo das Befahren für die Gamsjagd notwendig und auch von den Grundeigentümern erlaubt ist.
Die Anzahl der Fahrbewilligungen für die Kahlwildjagd ist künftig an die Anzahl der Abschüsse gekoppelt: Bei einem Abschussplan von bis zu zehn Stück Rotwild im Jagdrevier sind zwei Fahrbewilligungen vorgesehen, für jeweils weitere zehn Abschüsse eine zusätzliche Fahrbewilligung.
Für das Befahren von Kahlwild wurde der Zeitraum auf den 1. Mai–15. Juni sowie 16. August–15. Dezember beschränkt. In Gebieten mit Wildschäden und besonderer Notwendigkeit einer Reduktion kann dieser Zeitrahmen auch verändert werden.
Fahrbewilligungen für gehbehinderte Invaliden haben nur saisonale Gültigkeit, und zwar von 1. ­Ap­ril bis 31. Oktober. Schrankenschlüssel müssen nach jeder Fahrt zurückgegeben werden.
Eine Vereinfachung gibt es hingegen für die Fahrbewilligungen von Hausgästen von Beherbergungsbetrieben. Fortan ersetzt die Buchungsbestätigung die Fahrbewilligung, falls der Name des Gastes, das Kennzeichen des Fahrzeuges und die Aufenthaltsdauer angeführt sind.