Südtiroler Landwirt, Produktion | 08.06.2017

Besseres Grundfutter ist das Ziel

Das Grundfutter nimmt in der Viehwirtschaft eine zentrale Rolle ein, eine gute Qualität wirkt sich direkt auf das Befinden und die Gesundheit der Tiere und zudem auf die Produktqualität aus. Doch auch die Wirtschaftlichkeit am Betrieb hängt vom Grundfutter ab. von Alexander Alber, BRING

Wer an seinem Hof gutes Grundfutter einbringt, kann in der Folge einiges an Geld sparen.

Wer an seinem Hof gutes Grundfutter einbringt, kann in der Folge einiges an Geld sparen.

Oftmals liegt das Hauptaugenmerk der Landwirte nicht auf der Futterproduktion, und erforderliche und sinnvolle Maßnahmen wie eine Nachsaat werden nicht umgesetzt. Durch eine geringe Erntemenge reicht das Grundfutter an vielen Betrieben nicht, und es muss zusätzliches Futter zugekauft werden, dessen Qualität nicht immer absehbar ist.
Mit einer durchschnittlichen Grundfutterleistung von ca. 3000 bis 4000 Kilogramm Milch liegt Südtirol zudem deutlich unter dem Niveau der direkten Nachbarländer, doch genau an diesem Punkt sollte die Südtiroler Berglandwirtschaft für ihr zukünftiges Bestehen ansetzen. Reicht das eigene Grundfutter nicht aus, ist auch eine Leistungssteigerung nicht sinnvoll. Das Ziel auf den Betrieben muss es sein, die Qualität und Quantität des Grundfutters deutlich zu steigern. Hier kann in vielen Fällen der Schlüssel zum Erfolg und zu einem wirtschaftlich rentablen Arbeiten am Betrieb liegen.

Qualität muss stimmen
Da eine Milchkuh, wie jedes andere Tier, nicht unbegrenzt viel fressen kann, ist es umso wichtiger, dass die Qualität des Futters stimmt. Bei einer schlechten Futterqualität und den daraus resultierenden fehlenden, jedoch sehr wichtigen Inhaltsstoffen, muss dieser Mangel über ein Ausgleichsfutter behoben werden.

Ration bestmöglich an die Leistung anpassen
Auch sollte die Ration bestmöglich an die Leistung angepasst sein, um einer Grundfutterverdrängung (Grundfutter wird durch Kraftfutter ersetzt) vorzubeugen. Ein moderater, aber optimaler Einsatz von Kraftfutter bringt für den Betrieb auch wirtschaftliche Vorteile mit sich.
In der Berechnung in Tabelle 1 wird dies verdeutlicht. Die Ausgangssituation sind ­7000 Kilogramm jährliche Milchleistung mit 4,2 Prozent Fett und 3,4 Prozent Eiweiß. Es werden eine Zwischenkalbezeit von 365 Tagen und eine Trockenstehphase von 55 Tagen unterstellt. Die Ration besteht aus zwei Drittel Heu, einem Drittel Grummet sowie Energie- und Eiweißausgleichsfutter und ist auf einen ganzen Jahreszyklus – also auf die Laktations- und Trockenstehphase – bezogen.     

Gutes Grundfutter hilft sparen
Vor allem bei der Menge an benötigtem Kraftfutter zeigt sich die finanzielle Auswirkung einer guten Grundfutterqualität. Muss mehr Kraftfutter eingesetzt werden, um die angestrebte Leistung zu erzielen, sinken die Einnahmen, da die Milchmenge gleich bleibt. Bei einem unterstellten Kraftfutterpreis von 0,35 Euro pro Kilogramm ergeben sich je nach Grundfutterqualität jährliche Kraftfutterkosten, wie sie in Tabelle 2 dargestellt sind.
Die Kosten für das Kraftfutter bei gutem Grundfutter und bei schlechtem Grundfutter liegen bei gleicher Leistung in der Beispielrechnung bereits bei 179,90 Euro pro Milchkuh und Jahr. Bei einem Betrieb mit 16 Milchkühen kann ein Betrieb mit gutem Grundfutter gegenüber einem Betrieb mit schlechtem Grundfutter 2878,40 Euro sparen.

Größtes Potenzial liegt im Boden
Die angestellte Berechnung gilt lediglich als Richtungsweiser, natürlich müssten sie in der Praxis noch detaillierter angeführt und für die jeweiligen Betriebe verfeinert und angepasst werden. Sie zeigt jedoch auch die aktuelle Situation in der Südtiroler Berglandwirtschaft deutlich auf: Ihr größtes Potenzial liegt nicht in der kontinuierlichen Leistungssteigerung, sondern in den Böden und dem Grundfutter, das die Landwirte darauf produzieren.


Tab. 1: Aufnahme an Trockensubstanz in Abhängigkeit der Grundfutterqualität

 

Gutes Grundfutter

Mittleres Grundfutter

Schlechtes Grundfutter

Grundfutter (kg TS)

4.850

4.490

4.010

Kraftfutter (kg TS)

1.230

1.406

1.744

Summe (kg TS)

6.080

5.896

5.754

Futteraufnahme (kg TS / Tag)

16,7

16,2

15,8

 

Tab. 2: Kraftfuttereinsatz in Abhängigkeit der Grundfutterqualität

 

Gutes Grundfutter

Mittleres Grundfutter

Schlechtes Grundfutter

Kraftfutter (kg TS)

1.230

1.406

1.744

Kraftfutterkosten/a

430,50 €

492,10 €

610,40 €



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