Südtiroler Landwirt | 25.05.2017

Griechische Delegation in Südtirol

Eine Delegation mehrerer landwirtschaftlicher Genossenschaften aus Griechenland informierte sich Mitte Mai im Rahmen einer Studienreise über das Südtiroler Genossenschaftswesen.

Griechische Genossenschafter zu Besuch in Südtirol, hier bei der Besichtigung der Obstgenossenschaft CAFA Meran.

Griechische Genossenschafter zu Besuch in Südtirol, hier bei der Besichtigung der Obstgenossenschaft CAFA Meran.

Der Delegation gehörten zwölf Geschäftsführer und Vorstandsmitglieder u. a. von  Weingenossenschaften, Genossenschaften im ­Zitrusfrucht- und Steinobstsektor, einer Oliven­ölgenossenschaft aus Kreta, einer jungen Aroma- und Heilpflanzengenossenschaft aus Westmakedonien und der Biogenossenschaft „Nachhaltige Erde“ an.
Die Genossenschafter waren zwei Tage nach Südtirol gekommen, um sich Know-how für die eigenen Betriebe zu holen. Denn während das Südtiroler Genossenschaftswesen in ganz Europa einen ausgezeichneten Ruf genießt und die genossenschaftliche Vermarktung landwirtschaftlicher Erzeugnisse rundum anerkannt ist, hat die Wirtschaftskrise im Süden Europas auch das griechische Genossenschaftswesen und die dortige Landwirtschaft stark getroffen.

Know-how vor Ort
Im modernen Genossenschaftswesen sehen die Geschäftsführer und Vorstandsmitglieder eine Chance, den für Griechenland wichtigen Sektor Landwirtschaft zu stärken. Anregungen dazu konnten sie sich neben dem Besuch in der Eisacktaler Kellerei, im Raiffeisenverband Südtirol und im Haus des Apfels in Terlan auch in die beiden zum Pool Meran gehörenden Obstgenossenschaften CAFA Meran und Melix Brixen holen.
In der CAFA führte Raiffeisenverband-Obmann und CAFA-Obmann Herbert Von Leon die Besuchergruppe durch den Betrieb. „Wir sind in vielen Bereichen genossenschaftlich organisiert, nicht nur in der Vermarktung, sondern etwa auch in der Beratung, in der Risikoprävention und anderem mehr“, meinte Von Leon. Die griechischen Genossenschafter zeigten sich vor allem von der Effizienz in den Südtiroler Genossenschaften und vom hohen Konzentrationsgrad der genossenschaftlichen Verarbeitung und Vermarktung in der Landwirtschaft beeindruckt. In dieser Hinsicht unterscheidet sich Südtirol weitgehend von der griechischen Realität. „Das mag auch an der relativ großen Diszipliniertheit der Südtiroler liegen, welche die Vorgaben der Genossenschaften und Erzeugerorganisationen zum Großteil umsetzen und einhalten“, meinte Von Leon.
„Dank der gemeinsamen Vermarktung und anderer genossenschaftlicher Dienstleistungen sind auch kleine Betriebe wettbewerbs- und überlebensfähig. Dieses genossenschaftliche Vertriebsmodell ist seit Jahrzehnten bewährt und wird laufend den Bedürfnissen der Märkte angepasst“, erklärte Obmann Hans Gasser beim Treffen mit der griechischen Delegation in der Melix. Auch hier konnten die Genossenschafter modernste Lagerräume und Abpacklinien besichtigen.

Südtirol als Vorbild
Die Südtiroler Landwirtschaft ist zwar klein strukturiert, aber erfolgreich – auch auf europäischer Ebene: Die Obstwirtschaft stellt rund ein Zehntel der europäischen Apfelernte, die Kellereigenossenschaften erzielen hohe Erlöse, und die Milchwirtschaft garantiert trotz widriger Umstände am Milchmarkt relativ hohe Auszahlungspreise. In Griechenland kämpfen die Genossenschaften hingegen gegen das mangelnde Vertrauen der Mitglieder in die Genossenschaften und gegen die Tatsache, dass EU-Förderungen nicht immer zielgerichtet zum Einsatz kommen. „Das Genossenschaftswesen und unsere Art, Landwirtschaft zu betreiben, haben Vorbildcharakter“, sagte Landwirtschaftslandesrat Arnold Schuler beim Besuch im Haus des Apfels in Terlan, wo die Verarbeitung, Vermarktung und der gemeinsame Marktauftritt im Mittelpunkt des Treffens standen.
Die Idee für die Studienfahrt der griechischen Genossenschafter nach Südtirol wurde übrigens im Vorjahr geboren, als der langjährige Direktor des Raiffeisenverbandes, Konrad Palla, im griechischen Nafplio über das Südtiroler Genossenschaftswesen referierte. Organisiert hatten den Besuch der griechischen Delegation die Hanns-Seidel-Stiftung, die politische Stiftung der bayerischen CSU und die Deutsch-Griechische Versammlung, die auf einer Vereinbarung zwischen der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel und dem früheren griechischen Ministerpräsidenten Georgios Papandreou basiert.