Südtiroler Landwirt, Innovation | 11.05.2017

Innovation (be)greifbar machen

Viele haben am Hof den Mut und das Bedürfnis, neue Wege zu gehen. Sie betreten Neuland, sind erfinderisch und sehen darin eine Chance, den eigenen Betrieb auch in Zukunft erfolgreich bewirtschaften zu können. Wie aber kommt man von der Idee zum marktreifen Produkt? von Michael Eisendle, SBB-Abteilung Innovation & Energie

Immer mehr Südtiroler Landwirtschaftsbetriebe haben den Mut, neue Wege zu gehen.

Immer mehr Südtiroler Landwirtschaftsbetriebe haben den Mut, neue Wege zu gehen.

Innovation wächst, wenn man eine Idee mit ganzem Herzen verfolgt. Dabei kann es sich um ein neues Produkt, eine neue Dienstleistung oder auch um eine Verbesserung eines Prozesses im Betrieb handeln. Der Anstoß für neue Ideen und deren Umsetzung kommt oft von verschiedensten Einflüssen und gesellschaftlichen Entwicklungen. Ob technologischer Wandel, gesellschaftliche Veränderungen oder wirtschaftliche Gegebenheiten: Sie alle tragen dazu bei, dass sich Kundenbedürfnisse verändern. So kaufen einige Kunden mehr Bioprodukte als vor 15 Jahren – aus der Überzeugung, sich gesünder zu ernähren; andere bevorzugen kleiner verpackte Mengen, da sie im Single-Haushalt leben. Andere wiederum kaufen vorwiegend lokale, regionale Lebensmittel nach saisonaler Verfügbarkeit und Rückverfolgbarkeit der Rohstoffe, da ihnen regionale Wirtschaftskreisläufe sehr wichtig sind.

Phasen des Innovationsprozesses
Ein neues Produkt oder eine neue Dienstleistung muss am Markt aus der Sicht der Kunden eine Berechtigung haben und angenommen werden.
Innovation funktioniert nicht auf Knopfdruck. Blind mit der Umsetzung einer neuen Idee zu starten, ist in den seltensten Fällen zielführend.
Deshalb ist es wichtig, vorab einen klaren Rahmen und klare Ziele zu definieren. Denn Landwirte, die nur kreativ sind, aber nie konkrete Ziele definiert haben, sind genauso erfolglos wie jene, die stur auf alten Wegen beharren. Ein innovativer Landwirt vereint das Beste aus beiden Welten: Klare Strategien und Prozesse, aber eben auch Freiräume für Visionen, Träume und Ideen. Der Innovationsprozess ist ein längerer Weg, dessen wichtigste Phasen in der Folge näher beleuchtet werden.

Ohne gute Ideen keine Innovation
Ob es nun der Anbau seltener Gemüsesorten, neu kreierte Delikatessen aus Raritätenobst, Schmackhaftes aus Ziegenmilch vom Hightech-Hof oder geschmackvolles Fleisch und Getreide „Made in Südtirol“ ist: Ideen sind der Grundstoff jeder Innovation, und die Landwirtschaft bietet viel Platz für kreative Einfälle. Allerdings wird nur aus einigen wenigen Ideen ein wirklicher Erfolg, weshalb von Anfang an eine gezielte Ideengenerierung und Bewertung notwendig ist. In der Phase der Ideengenerierung sollte man generell offen für jede auch noch so absurd erscheinende Idee sein. Erst später erfolgt eine Qualitätsbewertung der einzelnen Ideen.

Konzept und Marketingstrategie
Hat man sich dafür entschieden, eine oder mehrere Ideen weiter zu verfolgen, stellt sich die Frage, welche Voraussetzungen es braucht, um diese erfolgreich auf den Markt zu bringen. Dabei gilt: Genauso wichtig wie die Erstellung eines gut durchdachten Bauplanes vor einem Hausbau ist ein stimmiges Gesamtkonzept für die Verwirklichung einer neuen Idee. In der Konzeptphase setzt man sich gedanklich intensiv mit einer Idee und wichtigen Voraussetzungen für deren erfolgreiche Umsetzung auseinander.
Es werden Rahmenbedingungen wie die familiäre Situation, Standort, zeitliche Verfügbarkeit, rechtliche Aspekte und finanzielle Ressourcen vorab abgeklärt. Dadurch kann man mögliche Risiken analysieren und reduzieren. In Zeiten steigenden Wettbewerbs- und Kostendrucks bekommt die Wahl der richtigen Marketingstrategie immer größere Bedeutung. Um den richtigen Mix für das Marketing zu finden ist es essenziell, sich über den Nutzen für den Konsumenten, die Produkteigenschaften wie Inhaltsstoffe, Verpackung und Preis, im Klaren zu sein.
Schließlich soll ein neues Produkt neben maximalem Kundennutzen auch die Wirtschaftlichkeit des Betriebes verbessern und Gewinne generieren. Des Weiteren ist die Abschätzung des Organisations- und Investitionsaufwands verschiedener Vertriebs- und Kommunikationskanäle wichtig, um in der Vermarktung zu punkten.

Entwicklungsphase und Produktion
In der Entwicklungsphase wird das Konzept realisiert. Die gesamten gesammelten Erkenntnisse und Vorarbeiten werden nun in ein greifbares Produkt bzw. Dienstleistung umgesetzt. In dieser Phase können, mit Prototypen oder kleinen Mengen eines Produktes, erste Tests mit Vertriebspartnern und Endkunden gemacht werden. Es gilt, möglichst viele wertvolle Rückmeldungen von den relevanten Zielkunden einzuholen, diese ernst zu nehmen und das Produkt zu optimieren. In dieser Phase sind Anpassungen am Produkt meist noch relativ einfach und kostengünstig umzusetzen.

Markteinführung gut vorbereiten
Bei der Markteinführung zeigt sich schließlich, ob sich ein Produkt am Markt behaupten kann. Dabei steht der Kundennutzen im Fokus, da dieser schlussendlich entscheidet, ob ein Produkt angenommen und gekauft wird. Um Erfolg messbar zu machen, sollte bei der Markteinführung klar festgelegt werden, bis wann sich ein Produkt am Markt festigen soll. Dafür kann man zum Beispiel als Zielgröße eine Mindestanzahl von verkauften Produkten in einem gewissen Zeitraum setzen. Genauso sollte man den Zeitpunkt der Markteinführung an die Zielgruppe anpassen und durch gezielte Kommunikation wie zum Beispiel Messeauftritte oder über Facebook viel Aufsehen am Markt schaffen. Ist man einmal erfolgreich am Markt, sollte man sich nicht auf seinen Lorbeeren ausruhen, sondern Trends und Kundenwünsche beobachten, da sich diese mit der Zeit ändern können. Das Produkt muss ständig angepasst werden, um konkurrenzfähig zu bleiben.

Leidenschaft und Engagement
Nicht zuletzt gilt das Maß an Leidenschaft und Engagement des Landwirts und seiner Familie selbst als Schlüssel zum Erfolg. Ein Innovationsprozess allein macht keinen Landwirtschaftsbetrieb innovativ. Es sind immer die Menschen und ihre persönlichen Aktivitäten, die durch den Prozess im besten Fall unterstützt werden. Die Freude an der Landwirtschaft und an neuen landwirtschaftlichen Erzeugnissen spiegelt sich oft im Erfolg wider und wird für den Kunden spürbar.
Daher lautet die Botschaft: Traut euch, neue Wege zu gehen, der Innovationsschalter der Abteilung Innovation & Energie kann euch dabei unterstützen!