Südtiroler Landwirt, Produktion | 27.04.2017

Damit Kälber gesund aufwachsen

Damit Kälber schnell zu leistungsfähigen Kühen werden, sind ein gesundes Aufwachsen und eine bedarfsgerechte Fütterung notwendig. Oft kommt es jedoch zu hohen Ausfallquoten durch Atemwegs- und Durchfallerkrankungen. Gründe dafür sind Fehler bei Hygiene und Haltung.

Wenn Kälber sich wohlfühlen, können sie sich zu gesunden und leistungsstarken Kühen entwickeln.

Wenn Kälber sich wohlfühlen, können sie sich zu gesunden und leistungsstarken Kühen entwickeln.

Für gesunde Kälber sind ein geringer Keimdruck, gute Luft sowie ein idealer Wärmehaushalt entscheidend. Für Kälber liegt die optimale Temperatur zwischen plus vier und 20 Grad Celsius, in diesem Bereich wird Futter am besten verwertet.
Bei trockenem Fell und geringer Luftfeuchtigkeit kann man Kälber auch bei niedrigen Temperaturen im vorgesehenen Bereich halten, es soll jedoch ein trocken eingestreuter und windgeschützter Liegebereich vorhanden sein. Bei Temperaturen unter null Grad benötigt das Kalb mehr Futter. Im Sommer erleiden Kälber bei direkter Sonneneinstrahlung schnell Hitzestress, sie sollten deshalb der Wärme ausweichen können. Im Extremfall ist auch ein Sonnenbrand möglich, deshalb sind eine gute Belüftung und eine ausreichende Beschattung, zumindest von Teilen des Fress- und Bewegungsbereiches, notwendig. Die Hüttendächer und Kälberiglus sollten von direkter Sonneneinstrahlung geschützt oder isoliert werden.

Keimdruck und Stallklima
In der Kälberhaltung sollte man besonders auf gute Luftqualität und Stallhygiene achten, um den Keimdruck so gering wie möglich zu halten.
Es empfiehlt sich, Kälber von anderen Tiergruppen zu trennen. Kälberställen soll immer Frischluft zugeführt werden, im Liegebereich darf kein Luftzug entstehen. Iglu-systeme, Hütten und Offenfrontställe – auch Außenklima-Haltungssysteme genannt – eignen sich bei entsprechender Anwendung am besten.
Um die Bedingungen in Warmställen zu optimieren, kann durch Auslaufmöglichkeiten oder ständigen Zugang ins Freie die Haltungsform verbessert werden.
Länger nicht entmistete Tiefstreusysteme führen zu starken Ammoniakausdunstungen und sind deshalb nicht ideal. Die Strohmatratzen sollten für Kälber einmal im Monat entfernt, für die Tiergesundheit die Tränken und der Stall regelmäßig gereinigt werden.

Sozialverhalten und Platzangebot
In den ersten Lebenstagen kann man Kälber einzeln halten, das entspricht dem natürlichen Verhalten der Tiere. Sie sollten jedoch Sichtkontakt zu anderen Artgenossen haben, um den sozialen Kontakt ausleben zu kön
nen – das sehen auch die Cross-Compliance-Bestimmungen vor.
Ab der achten Lebenswoche sollen Kälber in Gruppen gehalten werden – sie mögen es nämlich, gemeinsam zu fressen und zu liegen. Zusätzlich wird die Fresslust (Wiederkautätigkeit) in der Gruppenhaltung durch die Artgenossen gesteigert.
Weil sich Kälber gerne bewegen, sollte der Liege- vom Laufbereich getrennt werden, Raufutter und Wasser sollten jederzeit in geeigneter Menge zur Verfügung stehen.

Licht und Luft
Im idealen Kälberstall sollten die Lichteinfallsflächen – also Fenster, Türen und offene Stallwände – mindestens fünf bis zehn Prozent Stallgrundfläche ausmachen. Kälbern muss mindesten zehn Stunden Tageslicht mit einer Lichtintensität von 80 Lux gewährleistet werden.

Bewegung und Platzangebot
Kälber müssen sich nach Belieben hinlegen, putzen und nach Bedarf Futter und Wasser aufnehmen können.
Daher ist die Anbindehaltung von Kälbern generell verboten, es ist jedoch erlaubt, die Tiere eine Stunde während des Fütterns und Tränkens bei Gruppenhaltung zu fixieren. Jedem Tier muss unbedingt ein Fress- und Liegeplatz bereitgestellt werden – im Verhältnis 1 : 1. Bei Tränkeautomaten gilt das nicht, da die Futteraufnahme über den ganzen Tag verteilt ist.
Einzelboxenwände müssen mindestens mit Öffnungen von 10 mal 25 Zentimeter ausgestattet sein, um den Berührungskontakt zu gewährleisten.

Boden ohne scharfe Kanten
Um an den weichen Klauen der Kälber Verletzungen zu vermeiden, sollten Spaltenböden keine scharfkantigen Stellen aufweisen, empfohlen wird eine maximale Spaltenweite von 2,5 Zentimetern. Wenn Betonspalten mit Gummimatten bedeckt sind, kann die Spaltenweite bis zu drei Zentimeter betragen, die Auftrittsfläche zwischen den Spalten sollte acht Zentimeter ausmachen.
Um gegenseitiges Besaugen von Ohren, Nabel und Euteranlagen zu unterbinden, empfiehlt es sich, die Kälber während des Tränkvorgangs zu fixieren. Durch die Gabe von Heu und Kälberaufzuchtfutter wird der Saugreflex abgebaut. Bei Tränkeautomaten kann das Öffnen des Verschlusses der Station mit einer Zeituhr gesteuert werden, dadurch wird das trinkende Kalb einige Zeit von den Artgenossen getrennt, und der Saugreflex lässt nach.

Buchtenformen mit Einstreu
Die Haltung auf Stroh trägt wesentlich zum Tierkomfort bei. Das Stroh bietet den Kälbern einen wärmeisolierten Bereich, der Liegebereich muss immer trocken gehalten werden. Die Einstreumenge in den ersten sechs Lebenswochen beträgt etwa ein bis vier Kilogramm je Tier und Tag. Wegen der Ammo­niakbelastung sollte in Kälberställen öfters ausgemistet werden. Mindestens einmal im Monat sollte die komplette Mistmatratze entfernt werden, wodurch die Fliegenbelastung reduziert wird. Arbeitstechnisch sollte der Stall so geplant sein, dass das Entmisten maschinell erfolgen kann. Es bietet sich an, große Öffnungen – zum Beispiel Tore – für die Buchten einzubauen.

Liegeboxen helfen Stroh sparen
Es ist möglich, Kälber ab der dritten Lebenswoche auf Spaltenböden oder planbefestigtem Untergrund zu halten. Hierfür bietet es sich an, den Liegebereich mit Liegeboxen auszustatten. Auch ältere Tiergruppen können in Liegeboxen gehalten werden, zudem wird auf diese Weise Stroh eingespart.
Die Kälber können in Tief- oder Hochboxen gehalten werden, Erstere bieten einen besseren Tierkomfort. Bei Hochboxen wird im Vergleich zu Strohmatratzen und Tiefboxen weniger Stroh benötigt (ca. 50 g je Tier und Tag), sie eignen sich besonders in Kombination mit Spaltenböden. Die Liegeboxenreihen können parallel oder kammartig zum Futtertisch angeordnet werden. Bei kammartiger Aufstallung lässt sich viel Platz sparen, jedoch erschweren die Quergänge (Stichgänge) die Entmistung. Die Schwemmentmistung kann bei Jungvieh durch den geringen Flüssigkeitsanteil und dem festeren Kot möglicherweise nicht richtig funktionieren, ein planbefestigter Boden mit mechanischer Entmistung ist empfehlenswert.

Auslauf für Kälber zu empfehlen
Für Kälber ist ein Auslauf besonders empfehlenswert, er steigert den Tierkomfort. Durch die zwei Klimabereiche können die Tiere den bevorzugten Bereich wählen.
Besonders bei schlecht belüfteten oder überbelegten Warmställen wird durch den Auslauf Stress in der Aufzucht reduziert. Positiv wäre eine eingestreute, geschützte Liegefläche im Auslauf. Durch den häufig begrenzten Platz sind die Ausläufe meist nur Laufhöfe.
Hier muss die Bodenplatte beständig und wasserundurchlässig sein, damit ein Einsickern der Gülle in den Boden vermieden wird. Großzügige Ausläufe mit Weidecharakter können je nach Witterung besonders in Übergangsmonaten nicht ganzjährig genutzt werden, da es zu Trittschäden kommen kann. 


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