Südtiroler Landwirt, Politik | 30.03.2017

Die neue Laimburg

Die Reorganisation des Versuchszentrums Laimburg ist vollzogen und die neuen Organisations-bereiche sind aktiv. Lesen Sie hier, was sich geändert hat und wie das Versuchszentrum der Landwirtschaft und dem Lebensmittelsektor in Südtirol dienen soll. von Michael Oberhuber, Jennifer Berger, Franziska Maria Hack

(Foto: Werbefoto Seppi)

(Foto: Werbefoto Seppi)

Im Jahr 2015 hatten die ersten Gespräche stattgefunden, inzwischen ist die Umstrukturierung des Versuchszentrums Laimburg vollzogen. Seit Anfang 2017 sind die neuen Organisationsbereiche aktiv, deren Ziel es ist mit angewandter Forschungs- und Versuchstätigkeit die Wettbewerbsfähigkeit und Nachhaltigkeit der Südtiroler Landwirtschaft und des Südtiroler Lebensmittelsektors zu steigern. Darin sieht das Versuchszentrum Herausforderungen und Chancen zugleich.

Aufgaben neu aufgeteilt
Am 1. Jänner ist die Reorganisation des Versuchszentrums Laimburg in Kraft getreten. Sie sieht eine Aufteilung der bisherigen Aufgabenfelder auf zwei verschiedene Organisationen vor: Die Gutsverwaltung Laimburg wurde vom Versuchszentrum abgespalten und in den Landesbetrieb für Forst- und Domänenverwaltung eingegliedert. Durch Umstrukturierung des Landesbetriebs wurde die Agentur Landesdomäne errichtet. Sie soll sich in Zukunft um Verwaltungsaufgaben kümmern und wird zudem die Bewirtschaftung aller land- und forstwirtschaftlichen Flächen und Betriebe sowie die Führung der Gärten von Schloss Trauttmansdorff übernehmen.

Auf Kernkompetenzen besonnen
Dadurch soll sich die Forschungseinrichtung – sie heißt seit Jänner 2017 übrigens nur mehr kurz „Versuchszentrum Laimburg“ – wieder stärker auf ihre Kernaufgaben konzentrieren können: die angewandte Forschung und das Versuchswesen. Dies ist auch notwendig, da viele Verwaltungsabläufe aufwändiger und komplexer geworden sind; etwa im Auftragswesen und in der Buchhaltung. Zudem sind in den 40 Jahren seit der Gründung des Versuchszentrums ständig neue Themenbereiche in Angriff genommen worden. Insgesamt arbeiten nun 151 Mitarbeiter am Versuchszentrum Laimburg; über 30 davon sind über Forschungsprojekte beschäftigt, die aus Drittmitteln finanziert werden.

Den neuen Erfordernissen Rechnung tragen
In den vergangenen fünf bis zehn Jahren ist das Versuchszentrum Laimburg thematisch stark gewachsen: 2011 wurde das Labor für Aromen und Metaboliten errichtet. Dies war der erste Schritt des Versuchszentrums in das neue Tätigkeitsfeld Lebensmittelwissenschaften.
Seit 2013 wird dieser Bereich mit dem Aufbau des Technologieparks für Lebensmittelwissenschaften weiter ausgebaut. Der Aktionsplan für Berglandwirtschaft und Lebensmittelwissenschaften, den die Südtiroler Landesregierung 2015 beschlossen hat, sieht einen weiteren Ausbau des Bereichs Lebensmittelverarbeitung sowie eine substanzielle Verstärkung der bisher eher kleinen Sektion Berglandwirtschaft vor.
Diese Fachgebiete wurden nun im Zuge der Reorganisation in einem eigenen Institut zusammengefasst: dem Institut für Berglandwirtschaft und Lebensmitteltechnologie.


Vier neu organisierte Institute sind für vier Themenfelder zuständig. Sie bilden die Säulen der Forschungstätigkeit am Versuchszentrum Laimburg.


Vier neue Institute
Ziel der Neuordnung der internen Struktur war es, alle neuen Themenfelder in das Organigramm des Versuchszentrums Laimburg zu integrieren und dabei die gemeinsamen Schnittstellen mit den bereits bestehenden Fachbereichen zu nutzen.

Institut für Berglandwirtschaft und Lebensmitteltechnologie: Es beinhaltet die Fachbereiche Berglandwirtschaft und Lebensmitteltechnologie und umfasst 25 Mitarbeiter. Leiter ist Angelo Zanella, bislang Direktor des Amts für Versuchswesen I (Obstbau, Weinbau, Kellerwirtschaft) und Experte auf dem Gebiet der Obst- und Gemüselagerung. Mit seinem Team hat er am Versuchszentrum Laimburg unter anderem die Dynamisch Kontrollierte Atmosphäre mittels Chlorophyll-Fluoreszenz entwickelt und in die Praxis überführt.
- Fachbereich Berglandwirtschaft: Er besteht aus den Arbeitsgruppen Grünlandwirtschaft, Acker- und Kräuteranbau sowie Freilandgemüsebau. Er betreibt angewandte Forschung zu den vielfältigen Fragestellungen der Südtiroler Berglandwirtschaft.
Dazu gehören die Suche nach standortangepassten Sorten, die Optimierung der Bewirtschaftung verschiedener Kulturen (Wiesen, Weiden, Silomais) nach agronomischen und ökonomischen Gesichtspunkten, die Entwicklung und Prüfung von Saatgutmischungen für das Grünland aber auch die Sicherung der lokalen genetischen Ressourcen (Landsorten) im Bereich Getreide.
Die klimatischen und ökologischen Nischen des Berggebiets mit seinen unterschiedlichen Vegetationsperioden bieten Raum für eine Vielfalt an Produkten und eröffnen interessante Marktnischen, die landwirtschaftlichen Betrieben im Berggebiet als zusätzliches Standbein dienen können. Am Versuchszentrum laufen mehrere interdisziplinäre Projekte. Sie erarbeiten die wissenschaftlichen Grundlagen für die Identifizierung und Nutzung dieser Nischen (Getreide, Gemüse), um so regionale Kreisläufe zu aktivieren und zu unterstützen.
- Fachbereich Lebensmitteltechnologie: Er umfasst die Arbeitsgruppen Lagerung und Nacherntebiologie, Obst- und Gemüseverarbeitung, Fermentation und Destillation sowie Lebensmittelsensorik. Im Bereich Lebensmitteltechnologie übernimmt das Versuchszentrum Laimburg sein erfolgreiches Modell der Zusammenarbeit mit der Südtiroler Landwirtschaft und weitet es auf den Lebensmittelsektor aus. Ziel ist es, die Lebensmittelproduzenten mit Forschungs- und Entwicklungsarbeit zu unterstützen und die Innovationskultur zu stärken. Durchgeführt werden die Forschungs- und Innovationsprojekte in enger Kooperation mit den Unternehmen der Südtiroler Lebensmittelbranche sowie mit anderen Forschungsinstitutionen.

Institut für Obst- und Weinbau: Es ist gewissermaßen „Nachfolger“ des Amts für Versuchswesen I, setzt sich aus den Fachbereichen Obstbau, Weinbau und Önologie zusammen und beschäftigt 33 Mitarbeitern. Leiter ist Walter Guerra, der seit rund zehn Jahren die Arbeitsgruppe Pomologie verantwortet und das Laimburger Apfelsortenzüchtungsprogramm leitet.
- Fachbereich Obstbau: Er umfasst die fünf Arbeitsgruppen Pomologie; Boden, Düngung und Bewässerung; Physiologie Obstbau; Ökologischer Anbau sowie Beeren- und Steinobst.
Die Aufgaben des Fachbereichs liegen in der grundlegenden Forschung und praxisnahen Versuchstätigkeit zu den mannigfaltigen Fragestellungen des Südtiroler Obstbaus. Im Mittelpunkt der Versuche stehen die Züchtung und Prüfung neuer Sorten, arbeitsökonomische Erziehungsmaßnahmen, eine qualitätsorientierte Ertragsregulierung sowie der umweltschonende Einsatz von Düngern und Bewässerung. Ein besonderes Augenmerk gilt der ökologischen Anbauweise. Die in Forschungs- und Versuchstätigkeit erworbenen Erkenntnisse werden in Weiterbildungsmaßnahmen und Beiträgen in verschiedenen Fachzeitschriften direkt an die Praxis – Berater und Obstbauern – weitergegeben.
- Fachbereich Weinbau: Er besteht aus den beiden Arbeitsgruppen Rebsorten und Pflanzgut sowie Physiologie und Anbautechnik und fördert durch praxisnahe Versuchsanstellung den Südtiroler Weinbau.
Im Mittelpunkt steht die Erhaltung und Verbesserung der Trauben- und Weinqualität sowie ein schonender Umgang mit den Produktionsgrundlagen Boden und Wasser und mit der Umwelt insgesamt. Am Fachbereich werden darum Zeit und Kosten sparende Methoden zur Bewirtschaftung der Rebanlagen entwickelt und erprobt.
- Fachbereich Önologie: Dieser Fachbereich beinhaltet die beiden Arbeitsgruppen Weinbereitung in Anbaufragen sowie Verfahren und Wissenstransfer. Er soll die Weinwirtschaft Südtirols mittels angewandter Forschung und Grundlagenforschung fördern. Zu diesem Zweck betreibt er weinbauliche Versuche im Keller, entwickelt kellertechnische Verfahren (weiter) und bietet Beratung und fachliche Weiterbildung an.

Institut für Pflanzengesundheit: Der Pflanzenschutz spielt nicht nur eine Rolle für die Landwirtschaft, sondern für unsere ganze Umwelt und steht auch bei der allgemeinen Bevölkerung zunehmend in der Diskussion. Dem trägt das neue Institut für Pflanzengesundheit Rechnung, das aus dem bisherigen Amt für Versuchswesen II (Pflanzenschutz, Berglandwirtschaft, Sonderkulturen) hervorgegangen ist. Es beinhaltet die Fachbereiche Pflanzenschutz sowie Angewandte Genomik und Molekularbiologie. Hier arbeiten 39 Mitarbeiter. Leiter ist Klaus Marschall, Experte auf dem Gebiet der Phytopathologie.
- Fachbereich Pflanzenschutz: Dazu gehören die vier Arbeitsgruppen Entomologie, Phytopathologie, Mittelprüfung sowie Virologie und Diagnostik. Der Fachbereich entwickelt und erprobt praxisgerechte Strategien zur Regulierung von Schaderregern. Sie sollen einerseits die Ernte sichern, andererseits aber auch den Anforderungen des Anwender-, Konsumenten- und Umweltschutzes gerecht werden. Die Versuchstätigkeit deckt sämtliche Bereiche der Südtiroler Landwirtschaft ab.
- Fachbereich Angewandte Genomik und Molekularbiologie: Dieser Fachbereich war bisher Teil des Amts für Agrikulturchemie.
Die Arbeitsgruppe Funktionelle Genomik forscht u. a. an dem langjährigen Schwerpunktthema Apfeltriebsucht. Die Arbeitsgruppe Züchtungsgenomik setzt moderne molekulare Methoden für die Erhaltung der genetischen Vielfalt und deren Nutzung für die Entwicklung neuer Sorten ein. Dafür entwickelt die Gruppe standardisierte Methoden, auf deren Grundlage Apfel- und Rebsorten auf ihre Sortenechtheit überprüft und möglichst robuste Sorten zielgerichtet für einen nachhaltigeren Anbau gezüchtet werden können. Molekulare Marker werden dazu eingesetzt, eine umfassende Genbank aufzubauen sowie vorteilhafte Erbanlagen in neuen Züchtungen nachzuweisen.

Institut für Agrikulturchemie und Lebensmittelqualität: Es ist gewissermaßen der „Nachfolger“ des Amts für Agrikulturchemie und setzt sich aus folgenden Fachbereichen zusammen: Lebensmittelmikrobiologie, Lebensmittelchemie (mit den Laboren für Wein- und Getränkeanalytik, für Rückstände und Kontaminanten und für Aromen und Metaboliten) sowie dem Labor für Pflanzenernährung und Futtermittelanalysen.
Unter der Leitung von Aldo Matteazzi ist in diesem Institut mit 19 Mitarbeiter ein Großteil der Labore des Versuchszentrums Laimburg zusammengefasst. Der Aktionsplan für Berglandwirtschaft und Lebensmittelwissenschaften sieht eine weitere Verstärkung des Instituts vor.
- Fachbereich Lebensmittelmikrobiologie: Er charakterisiert den mikrobiellen Status von Lebensmitteln und bietet verschiedene Laboranalysen an. Sie basieren entweder auf der Erfassung und Quantifizierung eines bestimmten Mikroorganismus oder auf der Ermittlung der gesamten Keime in einem Lebensmittel. Das Labor für Mikrobiologie verfügt über mehrjährige Erfahrung in der Charakterisierung von Mikroorganismen in Wein und fermentierten Getränken, weshalb eine Qualitätskontrolle und der daraus resultierende Service gewährleistet werden.
- Fachbereich Lebensmittelchemie: Hier sind drei Labore zusammengefasst: Das Labor für Aromen und Metaboliten erforscht und untersucht den Bereich Lebensmittelqualität und Pflanzengesundheit: Mit modernen analytischen Methoden identifiziert und quantifiziert es natürlich vorkommende Inhaltstoffe in landwirtschaftlichen Produkten (Äpfeln, Apfelsäfte, Trauben, Weine, Käse, Milch) und Pflanzenteilen (Blätter, Wurzel, Holz).
Das Labor für Wein- und Getränkeanalytik betreibt chemisch-physikalische Analysen von Traubenmost, Wein, Fruchtsäften und Destillaten sowohl für Versuchsprojekte als auch als Dienstleistung für Dritte.
Das Labor für Rückstände und Kontaminanten schließlich analysiert Rückstände, um eine umweltschonende Produktion von weitgehend unbelasteten landwirtschaftlichen Erzeugnissen unter Einhaltung der höchstzulässigen Gehalte an Pflanzenschutzmitteln zu gewährleisten.
- Labore für Pflanzenernährung und Futtermittelanalysen: Sie bilden den dritten Fachbereich des Instituts.
Das Labor für Boden- und Pflanzenanalysen bietet einerseits Bodenanalysen an, spricht darauf aufbauend Empfehlungen für eine gezielte Düngung aus und leistet damit einen wichtigen Beitrag zu einer erfolgreichen und umweltschonenden Landwirtschaft, in der Obst, Gemüse und Futtermittel von guter Qualität produziert werden. Andererseits macht das Labor Blatt- bzw. Pflanzenanalysen, um den aktuellen Ernährungszustand der Nutz- und Zierpflanzen zu ermitteln und festzustellen, ob die Pflanze im richtigen Maße mit Nährstoffen versorgt ist. Das Labor für Futtermittelanalysen ermittelt die Inhaltsstoffe in Futtermitteln. Diese Daten dienen als Grundlage für eine ausgewogene und leistungsgerechte Fütterung und tragen wesentlich zu einer effizienten Tierhaltung und zum Tierwohl bei.

Direktion
Der Direktion des Versuchszentrums Laimburg sind neben der Dienststelle für Arbeitssicherheit und dem Bereich Aquakultur drei Fachbereiche zugeordnet.

Science Support Centre:
Der gesamte Forschungsbetrieb des Versuchszentrums wird von diesem Fachbereich umfassend unterstützt. Dieser Dienstleistungsbereich wirkt bei der strategischen Ausrichtung des Zentrums mit und umfasst die Arbeitsgruppen Projektservice, Projektmanagement, Öffentlichkeitsarbeit & Eventmanagement sowie Bibliothek. Damit begleitet der Fachbereich die Wissenschaftler und Kooperationspartner des Zent-rums durch den gesamten Lebenszyklus eines Forschungsvorhabens: von der Anbahnung und Beantragung von Forschungsprojekten über deren Verwaltung und Abwicklung bis zum Wissenstransfer.
Dies trägt der Tatsache Rechnung, dass immer mehr Forschungsprojekte aus Drittmitteln finanziert werden, was mit einem größeren Verwaltungsaufwand verbunden ist. Um den Austausch mit dem internationalen Wissenschaftsbetrieb, allen in der Landwirtschaft Tätigen und der allgemeinen Öffentlichkeit zu fördern und die breite Forschungs- und Versuchstätigkeit des Versuchszentrums bekannt zu machen, ist die Öffentlichkeitsarbeit des Zentrums zielgruppenspezifisch ausgerichtet. Sie bedient sich verschiedener Kanäle – von der Medienarbeit über die Publikation von Artikeln in Fachzeitschriften wie dem „Südtiroler Landwirt“ bis hin zur Organisation von Veranstaltungen und Besucherführungen.

Zentrale Dienste und Verwaltung: Dieser Fachbereich kümmert sich um eine effiziente und koordinierte Zusammenarbeit mit der Agentur Landesdomäne. Er fungiert somit als Schnittstelle zwischen Versuchszentrum und Landesdomäne in folgenden Bereichen: Personal; Auftragswesen und Verträge; Rechnungswesen und Buchhaltung; Infrastruktur und Instandhaltung.
Hier wird die Abwicklung dieser komplexer gewordenen Verwaltungstätigkeiten zwischen beiden Organisationen koordiniert. Profit- und Versuchsflächen werden strikt getrennt, wobei das Versuchszentrum Laimburg für die Bewirtschaftung der Versuchsflächen sowie für andere Leistungen der Agentur Landesdomäne aufkommt.

Landesweingut
Das Landesweingut Laimburg gehört weiterhin dem Versuchszentrum an. Es konzentriert sich künftig auf die Produktion hochwertiger Weine und Raritäten, die Umsetzung neuen Wissens aus der Forschung in Weininnovationen und auf die Weinkommunikation.
Auch für den Felsenkeller gibt es eine neue Aufgabe: Er soll zu einem Zentrum der Südtiroler Weinwirtschaft ausgebaut und verstärkt zu repräsentativen Zwecken genutzt werden.