Produktion | 23.03.2017

Wie Bauer im Grünland richtig düngt

Dünger ist nicht gleich Dünger – und eine gezielte Ausbringung einfach entscheidend! Wie man das richtig macht: Darüber hat der Beratungsring für Berglandwirtschaft BRING nun einen Leitfaden herausgegeben. Er richtet sich an Bauern und Interessierte gleichermaßen.

Schlechtes Image für Wirtschaftsdünger? Zu Unrecht, sagen (v.l.) Christian Plitzner, Daniel Gasser und Leo Tiefenthaler.

Schlechtes Image für Wirtschaftsdünger? Zu Unrecht, sagen (v.l.) Christian Plitzner, Daniel Gasser und Leo Tiefenthaler.

Wirtschaftsdünger ist besser als sein Ruf und für die Grünlandwirtschaft unverzichtbar. Damit gibt der Bauer dem Boden wertvolle Nährstoffe zurück und der Kreislauf wird geschlossen wird. Aber Dünger ist nicht gleich Dünger und eine gezielte Ausbringung von entscheidender Bedeutung. Daher hat der Beratungsring für Berglandwirtschaft BRING für Bauern und Interessierte einen Leitfaden herausgegeben.

Grasschnitt entzieht Nährstoffe
Mit jedem Grasschnitt werden dem Boden Nährstoffe entzogen. Diese müssen mit der Düngung wieder zugeführt werden. Das Prinzip auf einer Wiese ist nahezu dasselbe wie in jedem privaten Gemüsegarten: Auch dort ist eine Düngung sinnvoll und notwendig.
Bei der Vorstellung des neuen Leitfadens vor zwei Wochen erklärte BRING-Geschäftsführer Christian Plitzner, wie das in der Grünlandwirtschaft funktioniert: „Dort werden in erster Linie keine mineralischen Dünger, also künstlich hergestellte Düngemittel verwendet, sondern natürliche Wirtschaftsdünger, die von den Rindern am Hof selbst kommen und verschieden eingesetzt werden können.“ Mit der Düngung schließt sich also der Nährstoffkreislauf. 

Die verschiedenen Düngerarten
Je nach Stalltyp und Haltungsform fallen Festmist, Jauche, Tiefstallmist oder Gülle an. Festmist ist ein Gemisch aus Kot und Harn mit Einstreu und Futterresten, Jauche besteht vorwiegend aus Harn. Tiefstallmist ist hingegen ein bei Freilaufhaltung anfallender Mix aus tierischen Ausscheidungen und hohen Einstreumengen. Die immer wieder genannte Gülle besteht aus Kot und Harn, das außerdem Wasser sowie Futterreste und Einstreuteile enthalten kann. Plitzner erklärte: „Gülle wird vielfach auch als Flüssigmist bezeichnet und fällt vor allem bei Laufställen an. Gerade sie ermöglichen eine von der Gesellschaft geforderte, besonders tiergerechte Haltung.“ Jede Wirtschaftsdüngerart hat spezielle Eigenschaften mit Vor- und Nachteilen. Bei Gülle etwa sind die einfache Art der Ausbringung und die Verteilgenauigkeit von Vorteil. 

Anleitung zum richtigen Ausbringen 
Wie gut sich die einzelnen Wirtschaftsdüngerarten für die Düngung eignen, hängt neben den Inhaltsstoffen auch von der Art der Ausbringung ab. Wichtig ist, die Nährstoffe möglichst gezielt auszubringen. Besonders bewährt haben sich die bodennahe Ablage mittels Schleppschlauchverteiler oder Schleppschuhverteiler oder die Anwendung von Schlitzverfahren. „Dadurch kann der Landwirt Nährstoffverluste vermeiden und die Geruchsbelästigung stark reduzieren, was ebenfalls gewünscht ist. Auch das Beimengen von Wasser hilft gegen einen zu intensiven Geruch“, sagte Plitzner. Allerdings lassen die Geländebeschaffenheit und die landwirtschaftlichen Kleinstrukturen die bodennahe Ausbringung derzeit oft nicht zu. In Zukunft sollte es aber möglich sein, auch steilere Wiesen bodennah zu düngen: Die Technik hat sich weiterentwickelt!

Gewässerschutz regelt Düngung
Geregelt wird die Düngung u. a. durch die Gewässerschutzrichtlinie, die den maximalen Viehbesatz der einzelnen viehhaltenden Betriebe pro Hektar nach Höhenstufen und angebauter Kulturart definiert und so die Düngermengen reguliert. So dürfen auf Wiesen bis 1250 m maximal 2,5 Großvieheinheiten/ha gehalten werden, über 1800 m sind es hingegen maximal 1,8 GVE/ha. Für Betriebe, die an den Agrarumweltmaßnahmen des Entwicklungsplanes für den ländlichen Raum (ELR) teilnehmen, werden diese strengen Grenzwerte nochmals um 0,2 GVE/ha reduziert. Einschränkungen gibt es auch beim Ausbringungszeitraum: Vom 1. Dezember bis Ende Februar ist das Ausbringen von Wirtschaftsdünger im Regelfall untersagt. Zudem können weitere technische und umweltbedingte Faktoren die Ausbringung von Wirtschaftsdüngern verbieten. Ideal ist laut Plitzner, „den Dünger in kleinen Mengen nach den einzelnen Grasschnitten auszubringen. Festmist sollte speziell im Herbst verteilt werden, da er nur langsam wirkt.“ 

Zuerst Boden analysieren 
Bevor mit der Düngung begonnen wird, raten die Experten im Leitfaden zu einer Bodenanalyse. Eine solche sollte pro Feldstück mindestens alle zehn Jahre erfolgen. Die Auswertung und Interpretation der Bodenanalyse bietet dem Landwirt in Zusammenarbeit mit der Fachberatung die Möglichkeit, die Beschaffenheit des Bodens besser zu kennen und auf etwaige Nährstoffungleichgewichte gezielt zu reagieren. Dadurch kann der Wirtschaftsdünger effizienter eingesetzt werden, was nicht nur im Interesse der Umwelt, sondern auch des Bauern selbst ist: Wird nämlich zu viel gedüngt, nimmt das Unkraut zu, was die Futterqualität enorm vermindert.

Nützlicher Ratgeber
Wie BRING-Obmann Daniel Gasser erklärte, ist der Leitfaden „Düngung im Grünland“ gedacht als „Sensibilisierungsmaßnahme für alle viehhaltenden Betriebe, aber auch für die Beratung und die landwirtschaftlichen Schulen.“ Zugleich soll er die Bevölkerung über die Düngung im Grünland informieren: „Viele wissen nicht, dass Wirtschaftsdünger ein natürlicher und wertvoller Dünger ist.“ Auch Bauernbund-Landesobmann Leo Tiefenthaler hob die Bedeutung der Broschüre für Interessierte und Praktiker hervor.
Der Leitfaden wurde von Hannes Klocker und Thomas Prünster – beide Fachberater beim BRING – erstellt. Die Co-Autoren waren Giovanni Peratoner vom Versuchszentrum Laimburg und Matthias Gauly von der Freien Universität Bozen.