Südtiroler Landwirt, Südtiroler Bauernjugend | 16.03.2017

„Tollen Jugendverein gut weiterführen“

Seit zwei Wochen stehen sie an der Spitze der Südtiroler Bauernjugend: Der „Südtiroler Landwirt“ hat mit Landesobmann Wilhelm Haller und Landesleiterin Angelika Springeth über ihre Wahl und die Pläne für die kommenden zwei Jahre gesprochen.

Angelika Springeth und Wilhelm Haller stehen in den kommenden beiden Jahren an der Spitze der größten Jugendorganisation Südtirols.

Angelika Springeth und Wilhelm Haller stehen in den kommenden beiden Jahren an der Spitze der größten Jugendorganisation Südtirols.

Dass das Führungsduo völlig ausgetauscht wird, ist in der fast 50-jährigen Geschichte der Südtiroler Bauernjugend nicht oft vorgekommen. Doch nicht nur deshalb war die Wahl am 5. März ein außergewöhnliches Ereignis – immerhin trat Wilhelm Haller gegen den amtierenden Landesobmann Sieghard Alber an, und Angelika Springeth war gar nicht als Landesleiterin nominiert.
Beide sind in der Bauernjugend fest verwurzelt: Angelika ist 27 Jahre alt, stammt als zweites von vier Kindern von einem Obst- und Weinhof in Bozen-Gries und war zuletzt zwei Jahre lang SBJ-Bezirksleiterin im Bezirk Bozen. Wilhelm ist knapp 30 Jahre alt, das jüngste von vier Kindern eines Hofes in St. Lorenzen und war in den vergangenen vier Jahren Bezirksobmann im Pustertal.

Seit eurer Wahl sind nun einige Tage vergangen. Welche Erinnerungen habt ihr an den Moment, an dem euer Name im Waltherhaus aufgerufen wurde?
Angelika Springeth: Ich war vollkommen überrascht und bin nach wie vor überwältigt davon, wie viele Stimmen ich bekommen habe. Ganz realisiert habe ich es noch immer nicht, dass ich jetzt Landesleiterin bin. Wenn ich dieses Wort höre, dann denke ich immer noch an meine Vorgängerin Christine ...
Wilhelm Haller: Ich habe natürlich gehofft, die Wahl zu gewinnen – geglaubt habe ich zuletzt aber nicht mehr daran. Als im Walther-haus mein Name genannt wurde und die Mitglieder applaudiert haben, das war schon ein gewaltiges Gefühl. Mittlerweile habe ich ein wenig realisiert, was da passiert ist.

Ihr kennt die Bauernjugend beide in- und auswendig und wisst, was sie alles leistet. Was erwartet ihr euch von den kommenden beiden Jahren?
Angelika Springeth: Die Bauernjugend ist ein toller Jugendverein, und ich möchte meinen Beitrag dazu leisten, dass wir diesen Verein gut weiterführen. Die kommenden zwei Jahre sind für mich sicher eine große persönliche Herausforderung. Ich erwarte und erhoffe mir, dass ich an dieser Aufgabe wachsen und im Sinne der Bauernjugend unsere vielen Projekte gut weiterbringen kann.
Wilhelm Haller: Ich sehe das auch so – ich bin ja selbst schon auf Orts- und Bezirksebene mit der Bauernjugend gewachsen. Die Aufgaben kommen auf einen zu, und ich bin zuversichtlich, dass wir diese Aufgaben meistern werden. Ich bin ja nicht allein in der Landesführung ...

Eure Vorgänger haben euch eine sehr gut aufgestellte Organisation hinterlassen und einige Ideen auch verwirklicht. Könnt ihr uns einen konkreten Schwerpunkt nennen, den ihr in eurer Amtszeit umsetzen möchtet?
Wilhelm Haller: Wir müssen uns erst mal mit unseren Kollegen in der Landesführung treffen und die kommenden Projekte besprechen. Ich möchte vor allem versuchen, die Akzeptanz für die Landwirtschaft in der nichtbäuerlichen Bevölkerung wieder zu verbessern. Wenn es in der Öffentlichkeit – auch vermittelt über die Medien – oft ein etwas verzerrtes Bild der Landwirtschaft gibt, dann liegt das häufig daran, dass grundlegende Informatio- nen fehlen. Es ist nicht immer alles so einfach, wie es dargestellt wird.
Angelika Springeth: Die Schwerpunkte werden wir erst noch festlegen. Mir persönlich ist es ein Anliegen, den großen Wert des Ehrenamtes und des Bauer- bzw. Bäuerinseins   zu vermitteln. Die Bauernjugend ist für mich eine Herzensangelegenheit – und diese Freude und Begeisterung, die ich bei der Arbeit für diesen Verein empfinde, möchte ich gerne weitergeben.

Die Bauernjugend hat als größte Jugendorganisation des Landes durchaus auch politisches Gewicht. Ein Dauerthema ist die Junglandwirteförderung. Was liegt euch dort am Herzen?
Wilhelm Haller: Bei der Reform der Junglandwirteförderung waren wir eingeladen mitzuarbeiten. Das haben wir sehr gerne gemacht, aber wir möchten dann schon auch sehen und spüren, dass man auf uns hört und uns ernst nimmt. Das war leider nicht immer der Fall. Ich bin überzeugt, dass bei der Erstniederlassungsprämie eine höhere Ausbildung auch entsprechend belohnt werden sollte.
Angelika Springeth: Unterstützungen wie die Junglandwirteförderung sollten leichter zugänglich gemacht werden, hier ist noch viel Platz für Bürokratieabbau. Vor allem sollte es den jungen Leuten am Hof leichter gemacht werden, auch neue Wege einzuschlagen. Zurzeit werden ihnen eher immer neue Prügel in den Weg gelegt ...

Stichwort Ausbildung: Welche Rolle spielen für euch die Fachschulen für Land-, Forst- und Hauswirtschaft für die Weiterentwicklung der heimischen Landwirtschaft?
Angelika Springeth: Die Fachschulen leisten eine super Arbeit: Sie bieten vor allem sehr viel Praxis und viele Möglichkeiten, auch über den eigenen Tellerrand hinauszuschauen und neue Ideen kennenzulernen – die man dann am eigenen Hof umsetzen kann.
Wilhelm Haller: Ich finde vor allem die Aufteilung nach unterschiedlichen Schwerpunkten sehr gut. Es muss nicht überall alles angeboten werden, als Kompetenzzentren leisten sie eine gute Vorbereitung. Vor allem lassen sie aber alle Wege für den weiteren Weg offen – vom Berufseinstieg bis zum Universitätsabschluss.

Die Bauernjugend hat mit dem Wettbewerb „Agri.Genuss – Frisch vom Hof“ zuletzt einen besonderen Schwerpunkt auf die heimischen Produkte gelegt. Was ist aus eurer Sicht das Besondere daran?
Wilhelm Haller: In den letzten Jahren ist das Verständnis für den Wert unserer Produkte – auch bei uns in Südtirol – spürbar gesunken. Für viele Dinge ist man bereit, viel Geld auszugeben, für Lebensmittel meistens nicht. Wir müssen wieder mehr in den Vordergrund rücken, was der Preis des Produktes im Regal eigentlich alles beinhaltet. Die hohe Lebensqualität, die wir in unserem Land genießen können, haben wir ganz wesentlich der Arbeit unserer Bäuerinnen und Bauern zu verdanken.
Angelika Springeth: Auch ich denke, dass    wir den Wert unserer Lebensmittel und vor allem ihre hohe Qualität noch besser vermitteln können und sollten. Auch wenn heimische Produkte im Regal oft mehr kosten – den Menschen sollte auch bewusst sein, was sie damit alles mitbekommen: unsere intakte Kulturlandschaft und die Möglichkeit, dort die Freizeit zu verbringen. Wer heimische Produkte kauft, tut nicht nur unseren Bäuerinnen und Bauern einen Gefallen, sondern investiert vor allem auch in sich selbst.


Interview: Bernhard Christanell