Südtiroler Landwirt | 16.03.2017

Nur bestes Saatgut auf die Wiese

Eine neue Liste der empfohlenen Sorten und Qualitätssaatgutmischungen für den Südtiroler Futterbau liegt vor. Aktualisiert hat sie das Versuchszentrum Laimburg in Zusammenarbeit mit den anderen Partnern der Fachgruppe Grünlandwirtschaft der BRING-Expertenplattform. von Giovanni Peratoner, Nadia Überegger, Versuchszentrum Laimburg; Thomas Prünster, Hannes Klocker, BRING

Jährlich legt die Fachgruppe Grünlandwirtschaft der BRING-Expertenplattform an die Südtiroler Verhältnisse angepasste Empfehlungen neu fest. (Foto: Versuchszentrum Laimburg)

Jährlich legt die Fachgruppe Grünlandwirtschaft der BRING-Expertenplattform an die Südtiroler Verhältnisse angepasste Empfehlungen neu fest. (Foto: Versuchszentrum Laimburg)

Seit mehr als 25 Jahren werden Empfehlungen für Futterpflanzen und  Saatgutmischungen für Südtirol erarbeitet. Um die hohen Qualitätsstandards langfristig zu halten, überarbeitet das Versuchszentrum Laimburg jährlich die Sortenempfehlung der Futterpflanzen, die in den Südtiroler Qualitätssaatgutmischungen einzusetzen sind. Sie arbeitet dafür mit der Fachgruppe Grünlandwirtschaft zusammen – einer eigens geschaffenen Expertenplattform bestehend aus BRING (Koordination), Versuchszentrum Laimburg und den Landesabteilungen Landwirtschaft, sowie Forstwirtschaft und Fachschulen. Überprüft wird dabei in erster Linie die Eignung für die vorgesehene Nutzung und die Anpassung an das Berggebiet.
Grundlage der Sortenempfehlung sind die Ergebnisse der Sortenprüfungen aus den Nachbarländern im Alpenraum (vor allem Österreich, die Schweiz und Bayern) und eigene mehrjährige Feldversuche, die nach Bedarf unter lokalen Bedingungen vorgenommen werden.
Die Ergebnisse der Sortenprüfungen aus den Nachbarländern sowie die daraus resultierenden Empfehlungen werden kritisch bewertet.
Für Arten und Sorten, die in Südtirol nicht geprüft wurden, werden die Empfehlungen aus dem Ausland übernommen, wenn mehrjährig gute Ergebnisse in mehr als einer Sortenprüfung erzielt wurden.
Für jede Sorte werden dabei unterschiedliche Kriterien, je nach geplantem Einsatz in den Saatgutmischungen und vorgesehener Nutzung der Bestände, berücksichtigt. Das Hauptaugenmerk der lokalen Prüfungen gilt dabei, je nach Futterpflanze und vorgesehener Nutzung, insbesondere dem Ertragspotenzial, der Ausdauer und der Futterqualität.
Die aktuelle Empfehlung beinhaltet für das laufende Jahr 107 Sorten von 22 verschiedenen Arten, darunter 65 Gräser und 42 Leguminosen. Auf Anregung der Beratung wurde zum ersten Mal auch eine Empfehlung für Westerwoldisches Raigras, Bastard-Raigras, Perserklee, Alexandrinerklee und Inkarnatklee zur überjährigen bzw. einjährigen Nutzung ausgegeben. In die aktuelle Empfehlung sind auch die Ergebnisse einer fünfjährigen Sortenprüfung von 18 Knaulgrassorten unterschiedlicher Reifeklassen eingeflossen, die im Jahr 2016 abgeschlossen wurde. Der Schwerpunkt dieser Prüfung lag vor allem auf der Resistenz gegenüber Pilzbefall und der Ausdauer unter Konkurrenz nicht gesäter Kräuter sowie intensiver Nutzung (vier Schnitte pro Jahr).
Die Feldversuche wurden am Laimburg-Versuchsbetrieb „Mair am Hof“ in Dietenheim bei Bruneck und am Versuchsfeld in Eyrs im Vinschgau umgesetzt. Die Flächen wurden bei Bedarf beregnet. Elf Sorten entsprachen den Qualitätsanforderungen und wurden in die diesjährigen Saatgutmischungen aufgenommen. Als frühe Sorten sind die Sorten Barexel, Baridana, Oberweihst eingeflossen, als mittlere bis späte Sorten Baraula, Baridana, Beluga, Husar, Intensiv, Lidacta, Lidaglo und Tandem. Hinsichtlich der Ausdauer und des Ertrags waren Tandem, Baridana und Oberweihst besonders erfolgreich. Südtiroler Firmen übernehmen die Sortenempfehlung unter Berücksichtigung der Saatgutverfügbarkeit auf dem Markt und bieten die Saatgutmischungen dann auf dem lokalen Markt an.




Neues bei empfohlenen Mischungen
Die Ergebnisse der Sortenprüfungen dienen auch der Sortenwahl für die Entwicklung, Optimierung und Empfehlung der Rezepturen der Saatgutmischungen.
Neue Saatgutmischungen werden in der Regel in mehrjährigen Feldversuchen getestet, um ihre Eignung unter lokalen Verhältnissen zu überprüfen. Die standortgerechte Einteilung der Dauerwiesenmischungen erfolgt anhand einer Kombination von Bewirtschaftungsintensität (Schnitthäufigkeit, Düngung) und Meereshöhe.



Bei tiefer gelegenen Standorten wird zusätzlich die Wasserverfügbarkeit berücksichtigt.
Die wichtigsten Neuerungen für das laufende Futterbaujahr lauten folgendermaßen:
Die Mischung DWi-r wurde überarbeitet, wobei der Anteil von Rohrschwingel erhöht und der Anteil der anderen Komponenten verhältnismäßig verringert wurde (s. Artikel auf Seite 55).
Einführung einer Saatgutmischung (KRW) für die intensive Beweidung in einigermaßen günstigen Lagen – die Hauptkomponente bilden wenige tritt- und ­weidefeste Arten (Englisches Raigras und Wiesenrispe mit oder ohne Weißklee).

Auch zertifiziertes Saatgut ist auf dem Markt erhältlich
Die Vermarktung der Qualitätssaatgutmischungen beruht auf einer Vertrauensbasis zwischen Forschung, Beratung und Firmen.
Die Südtiroler Saatgutmischungen sind seit dem Jahr 2011 auch in zertifizierter Form auf dem Saatgutmarkt erhältlich. Dank der konstruktiven Zusammenarbeit mit der Österreichischen Arbeitsgemeinschaft für Grünland und Futterbau (ÖAG) und dem CREA (Centro di Sperimentazione e Certificazione delle Sementi) sind die Südtiroler Saatgutmischungen in das privatrechtlich geregelte Saatgutqualitätssystem der ÖAG eingegliedert worden.