Südtiroler Landwirt, Südtiroler Bäuerinnenorganisation | 16.03.2017

Keinen Punkt, sondern Doppelpunkt ...

Zusammenhalt und Selbstbewusstsein zelebrierten Südtirols Bäuerinnen beim diesjährigen Landesbäuerinnentag im Auditorium J. Haydn in Bozen wieder. Viel Anerkennung gab es am vergangenen Sonntag aber nicht nur dafür.

Stehende Ovationen gab es für Peter Hahne (im Bild mit Hiltraud Erschbamer) für seinen Vortrag.

Stehende Ovationen gab es für Peter Hahne (im Bild mit Hiltraud Erschbamer) für seinen Vortrag.

Peter Hahne erfreute sich sichtlich an dem bunten Schauspiel: „Wer so wie ihr an Festen festhält, der darf auch ‚feste‘ feiern“, ermutigte er die versammelte Bäuerinnenschaft in ihren kunstvollen Trachten. Es sei schön zu sehen, mit welchem Selbstverständnis hier in Südtirol noch Brauchtum und Tradition gelebt werden, wie man sich hierzulande noch auf den Glauben und auf Gott besinne. Vielerorts habe man das bereits verdrängt. Dabei sehne sich der Mensch nach christlichen Werten, nach Orientierung und Halt. Umso mehr, je weiter er sich vom Glauben entfernt.

Bäuerinnen leben christliche Werte
„Das Land wird oft belächelt“, kritisierte der Gastreferent des diesjährigen Landesbäuerinnentages am vergangenen Sonntag im Auditorium Josef Haydn in Bozen. „Aber alle wollen aufs Land! Ein Urlaub in den Bergen, in Südtirol, ja, das wäre schön!“ Aber diese Landschaft müsse auch gestaltet werden, das bedeute Arbeit und Mühe für die bäuerlichen Familien. Die Bäuerinnen tragen einen gewichtigen Teil zu diesem Gestalten bei. Wie sie auch die christlichen Werte nicht nur in ihrem Leitbild niedergeschrieben haben, sondern sie auch leben und dafür sorgen, dass sie künftig weitergelebt werden. „Wir müssen an den Werten des christlichen Glaubens festhalten“, forderte er. Und „liebe Bäuerinnen, macht nach diesem gemeinsamen Vormittag hier keinen Punkt. Macht einen Doppelpunkt, und tragt diese Werte, eure Überzeugungen, Traditionen, die Schaffenskraft und den Mut hinaus in eure Familien, zu Freunden und Bekannten, in die Dorfgemeinschaft“!
Gleichzeitig prangerte er die zunehmende „Entwertung“ Europas an: „Wenn wir den Glauben verlieren, verlieren wir die Wurzeln wie eine Pflanze, die in der Folge verdorrt. Das muss uns bewusst sein“, sagte er. Denn Europa sei eine Idee , eine Wertegemeinschaft, die auf dem Christentum fuße.
„Die Forderung, die Gipfelkreuze von unseren Bergen zu nehmen, weil man das im Himalaja auch nicht mache, sei Ausdruck eines „Bildungsnotstands im Endstadium“, wetterte der Theologe und bekannte ZDF-Journalist. Nur dumme Menschen könnten sich zu so einer Äußerung hinreißen lassen. „Denn was haben unsere Berge hier mit dem Himalaja zu tun? Nichts!“, antwortete er selber auf seine Frage (ein Interview folgt in einer der nächsten Ausgaben).

Unternehmerischer Mut zu Neuem
Dekan Bernhard Holzer hatte in seiner Predigt zum Auftakt des Landesbäuerinnentages bereits auf die Kraft christlicher Werte und den Halt hingewiesen, den Glauben geben kann: Am Beispiel der Bäuerin Maria Mayr-Nusser, Mutter des bald seliggesprochenen Josef Mayr-Nusser, zeichnete er das Bild einer mildtätigen Frau, die trotz schwerer Schicksalsschläge ihr sonniges Gemüt und ihre Hilfsbereitschaft nie verloren hat. „Sie und ihr Sohn Josef sind beide gute Adressen im Himmel für unsere Anliegen“, legte er den Bäuerinnen ans Herz.
Zum Bewahren des Bewährten aber unternehmerischen Mut für Neues, rief Landesbäuerin Hiltraud Erschbamer „ihre“ Bäuerinnen auf: Denn das ermögliche Zukunft für die bäuerlichen Familien. Die soziale Landwirtschaft biete dafür viele Möglichkeiten. Innovation und Entwicklung müsse sein, damit bäuerliche Familien Bestand haben und ihre Höfe zukunftsfähig erhalten. „Dieser Motor für Neues sind oft wir Frauen am Hof. Das müssen wir weiterhin so halten!“
Die Landesbäuerin bekannte sich in ihrer Rede, die wie der ganze Landesbäuerinnentag unter dem Motto „Etwas Festes braucht der Mensch! Von welchen Werten wir leben“ stand, klar zu den Werten des christlichen Glaubens, wie sie von der Südtiroler Bäuerinnenorganisation als Grundwert verankert sind. Sie bekannte sich auch zum Kreuz als sichtbares Zeichen dafür und sprach sich für den Erhalt des Sonntags als Ruhetag aus: „Lasst uns den heiligen Sonntag nicht dem Konsum opfern!“, mahnte sie.
Dann beschwor sie den Zusammenhalt der Bäuerinnen: „Lasst uns verbunden bleiben in unseren Werten. Denn der Mensch braucht Rituale“, sagte die Landesbäuerin und kündigte ein Buch über Bräuche an, das die Bäue­rinnenorganisation herausgeben wird. Auch setze man sich für einen Internationalen Tag des Brauchtums ein, was von der Landesregierung mitgetragen werde. „Wäre schön, wenn wir dieses Buch bereits im nächsten Jahr am Internationalen Tag des Brauchtums der Öffentlichkeit vorstellen könnten“, sagte Hiltraud Erschbamer mit einem Augenzwinkern in Richtung der Politikerplätze.
Wertvoll sei oft das, was nicht gekauft werden könne, wie Heimat beispielsweise. Heimat sei da, wo man sich wohlfühle, sagte Hiltraud Erschbamer. „Heimat leben und erleben verbinde ich auch mit der Gabe, andere Menschen an der bäuerlichen Welt teilhaben zu lassen.“ Das werde mit dem Gesetz zur sozialen Landwirtschaft stärker möglich.

Zur rechten Zeit die Stimme erheben
Auf das Thema Heimat ging auch Landeshauptmann Arno Kompatscher in seinen Grußworten ein, die die Landesbäuerin verlas: „Heimat gibt Halt, Zuversicht und Zukunft. Ihr als Bäuerinnen und als Bäuerinnenorganisation tragt maßgeblich dazu bei“, ließ er ausrichten. Dabei seien Bäuerinnen nicht nur Wahrerinnen von Tradition und Brauchtum, sondern auch Innovationstreiberinnen, die mit Offenheit und Flexibilität die Geschicke der Bauernhöfe mit leiten.
Landesrat Arnold Schuler gab unumwunden zu, dass nur die Tüchtigkeit „seiner“ Frauen am Hof es ihm ermöglicht haben, als Bürgermeister früh politisch aktiv zu werden und nun Landesrat zu sein. „Denn im Zweifelsfall hätte der Hof natürlich Prio­rität gehabt“, sagte er und sprach den Bäuerinnen die Hauptrolle am Hof zu: Ihr seid jene, die Haus, Hof und Familie zusammenhalten!“ Gleichzeitig bedankte er sich bei der Bäuerinnenorganisation für ihre hervorragende Arbeit: „Gut, dass ihr zur richtigen Zeit Wort ergreift und nicht nur für die Bäuerinnen, sondern für die ganze Bauernschaft Wort ergreift – und das lautstark!“, sagte er.
Den Fleiß, die Kreativität und den Innovationsgeist der Bäuerinnen lobte auch Kammerabgeordnete Renate Gebhard. „Damit werdet ihr nicht nur dem Prinzip der Nachhaltigkeit gerecht, sondern macht aus eurem Beruf einen Beruf mit Zukunft.“
Auch Europaparlamentarier Herbert Dorfmann ging es in seinen Grußworten um Fortbestand und Weiterentwicklung der bäuerlichen Betriebe: „Eure Zuversicht und euer Mut ist nötig, damit junge Leute sehen, dass Bauer und Bäuerin sein, schön ist. Damit sie Lust bekommen, diesen Beruf zu wählen.“