Südtiroler Landwirt, Politik | 16.03.2017

Dreifacher Ärger für die Imker

Wettermäßig war das Honigjahr schwierig, am Ende aber versöhnlich. Die großen Schwierigkeiten liegen auf anderen Ebenen – bei Pflanzenschutz, Bär und Zettelkram. von Guido Steinegger

Imker-Bundesobmann Engelbert Pohl: „Wir haben Probleme mit den Pflanzenschutzmitteln, aber Lösungen können wir nur gemeinsam finden.“

Imker-Bundesobmann Engelbert Pohl: „Wir haben Probleme mit den Pflanzenschutzmitteln, aber Lösungen können wir nur gemeinsam finden.“

Die Imker blicken auf ein spannendes Jahr 2016 zurück. Das Wetter bot Tief- und Höhenflüge, mit einigen Krankheiten oder zu vielen Parasiten im Bienenvolk. Am Ende fuhren aber viele Imker eine gute Honigernte (s. Infokasten S. 20) ein. Auch der Südtiroler Imkerbund selbst hatte einige Herausforderungen zu meistern. Daran erinnerte Bundesobmann Engelbert Pohl bei der Jahreshauptversammlung am Samstag, dem 4. März, in Terlan.

Sorge mit Pflanzenschutz
An einzelnen Orten beklagte Pohl Bienenverluste durch Pflanzenschutz, „und dies obwohl die Landwirtschaft immer weniger aggressive Pflanzenschutzmittel einsetzt“, berichtete Pohl. Er sorgt sich besonders über den langen Zeitraum der Bienenschäden in einigen Gebieten: „Sie zogen sich von der Vorblütezeit bis in den August hinein.“ Allerdings sah Pohl keinen Grund, mit dem Finger auf die Bauern zu zeigen. „Ich weiß: Die Apfelbauern müssen schöne, gute Äpfel für wählerische Konsumenten produzieren“, sagte er und mahnte zur Zusammenarbeit.
Eine gute Grundlage dafür liege inzwischen vor: Die vor Kurzem präsentierte, dreijährige Studie „Apistox“ des Versuchszentrums Laimburg (s. „Südtiroler Landwirt“, Nr. 3, S. 56). „Ich bin froh, dass wir klare Ergebnisse haben!“, sagte Pohl. Damit lägen Fakten auf dem Tisch, und man könne nach Lösungen suchen. Er begrüßte, dass Apistox in Zukunft weiter geführt wird. Vor allem dankte er dem Südtiroler Bauernbund für seine intensiven Bemühungen um die Vereinbarung zum Schutz der Bienen, die im Jänner unterzeichnet wurde. Bauernbund-Landesobmann Leo Tiefenthaler sieht in dieser Vereinbarung „eine Plattform aller betroffenen Institutionen: Gemeinsam sollen sie Lösungen finden“. Auch von Altlandeshauptmann Luis Durnwalder erntete der Imkerbund Lob für seinen Weg der Gemeinsamkeit. Landwirtschaftslandesrat Arnold Schuler sprach vom Imkerbund als wichtigem Partner: „Den Konfliktsituationen müssen wir uns stellen, sie erkennen, diskutieren, offen dazu stehen und sie intern lösen.“ Besonders problematisch seien die Übergangszeiten zwischen dem Bienenschutz in der starken Apfelblüte und der danach erlaubten Ausbringung von Pflanzenschutzmitteln. Mögliche Maßnahmen seien: „Möglichst auf Pflanzenschutzmittel verzichten, die Ausbringungszeiten anpassen, das alternierende Mulchen aus dem Programm zu nehmen.“

Nein zu Schutzzäunen gegen Bär
Aber auch mit einigen Landesbeamten hat der Imkerbund Schwierigkeiten: „In einem Schreiben fordern sie, dass jeder Imker seine Bienenstände selbst vor dem Bären schützen soll, auch mit Schutzzäunen.“ Direkt an Schuler gewandt, meinte Pohl: „Solche Aussagen zeigen, dass Ihre Beamten von der Realität keine Ahnung haben!“ 1500 bis 2000 Bienenstände seien betroffen: „Für die kleinen Hobby-imker stehen Errichtung und Wartung in keinem Verhältnis zum Ertrag.“ Daher beharrt der Imkerbund auf dem bisherigen Entschädigungssystem des Landes.
Schützenhilfe bekam er von Durnwalder, der in seinen Grußworten für ein Weiterführen der bisherigen Entschädigungen plädierte und forderte, „dass in dieser Frage die Politik und nicht die Beamten entscheiden sollen“. Für Schuler ist der Bär ein „schwieriges Thema, denn in Rom finden die Befürworter des Großraubwildes viel eher Gehör als all jene, die draußen am Berg leben und arbeiten müssen“. Er werde versuchen, alle Spielräume der Autonomie zu nutzen.

Erdrückende Bürokratie
Die dritte große Hürde für die Südtiroler Imker liegt in Rom. Während in Österreich bis zu 50 Völker steuerrechtlich nicht relevant sind, setzt Italien alle Imker gleich: Egal ob einer nur ein einziges oder tausend Völker betreut – er muss immer gleich viel Bürokratie bewältigen und gleich viel Steuern zahlen. Landesrat Schuler nannte das eine „Geißel für die kleinen Imker“. Pohl dankte Senator Hans Berger für seine Gesetzesinitiative. Berger erklärte, er habe eine Befreiung für Imker mit maximal 20 Bienenvölkern beantragt: „Ich weiß, ihr wünscht euch mehr, aber das wäre politisch nicht durchsetzbar.“
Auch an den Landesrat für Raumentwicklung, Richard Theiner, hat der Imkerbund einen Wunsch: Einige Imker möchten ihre Tätigkeit halb- oder sogar vollberuflich ausüben. „Wir haben Theiner darauf angesprochen und hoffen, dass er dafür eine Möglichkeit in Gewerbezonen schafft“, sagte Pohl.

Bienen für Kinder
Terlans Bürgermeister Klaus Runer beklagte, dass „Kindergärten und Schulen auf ihren Spielplätzen und Schulhöfen aus Angst vor den „stechenden Bienen“ oft bienenfreundliche Pflanzen vermeiden. „Dabei lernen die Kinder gerade durch den frühen Kontakt, mit der Biene umzugehen.“
Europaparlamentarier Herbert Dorfmann bescheinigte der Imkerei europaweite Bedeutung: 630.000 Imker mit 15 Millionen Bienenvölkern gab es vergangenes Jahr. „Dennoch importiert die EU 40 Prozent ihres Honigkonsums aus Drittländern. Das bedeutet Niedrigpreis-Konkurrenz.“ Die EU fördert die Imkerei im aktuellen Dreijahresprogrammen mit 218 Millionen Euro. Das Problem des Pflanzenschutzes sei in ganz Europa ein Thema. „Wir arbeiten daran, künftig Pflanzenschutzmittel mit geringerer Gefahr für die Bienen schneller zuzulassen.“
Direktor Paolo Zambotto versicherte, der Landestierärztliche Dienst werde die Imker bestmöglich vor übertriebenen Vorschriften aus Rom schützen. Honigkönigin Melanie Romen berichtete von vielen spannenden Erfahrungen: „Honig ist ein Super-Produkt mit hoher Qualität, das alle schätzen.“

Ehrung und Wohltätigkeit
Gleich drei verdiente Imker wurden mit der Ehrennadel „Bienenmuch“ in Silber ausgezeichnet. Bundesobmann Pohl erklärte: „Nur mit langem und hohem ehrenamtlichen Einsatz kommt man auf die erforderliche Punktezahl.“ Geschafft haben dies Alois Brugger (Gais), Anton Pitscheider (Völs) und in Abwesenheit Leo Mussner (Gröden).
Gleichzeitig dachte der Imkerbund auch an die „Ärmsten der Armen“, wie Pohl es formulierte: Jede Imker-Ortsgruppe trug zu einer Pyramide aus Honiggläsern bei, die der Freiwilligenverein Volontarius verteilen wird. Symbolisch übergab Pohl ein Glas an Michael Hilpold von Volontarius.

Imkerbund in Zahlen

Mitglieder

3091

Bienenvölker

34.548

Ortsgruppen

114

Bezirke

14

Fachvereine

4

Wanderlehrer

16

Gesundheitswarte

120



BERICHT

So war das Imkerjahr 2016

Das Imkerjahr 2016 bot laut Bundesobmann Engelbert Pohl „erfreuliche positive, aber auch weniger erfreuliche, herausfordernde Seiten“. Es startete hoffnungsvoll bis in die erste Blütephase. Mit dem Regen kam die Angst, heuer vielleicht keinen einzigen Tropfen Honig zu ernten: „Mancher Imker musste seine Bienen im Mai und Anfang Juni sogar füttern, statt Honig zu ernten!“
Dann aber zeigte sich, was ein guter Imker ist: „Wer danach dank Können, Wissen, gut ausselektierter, ertragsleistender und vor allem krankheitsresistenter Bienen und dank Fleiß starke Völker hatte, wurde mit einer außergewöhnlich guten Waldtracht belohnt. Sehr spärlich gab es leider den wertvollen Alpenrosenhonig.“
Warm waren Herbst und Winter: Überraschenderweise sind dann noch viele Bienen geflogen. Pohl sah darin den Beweis, dass „die Imkerei eines der spannendsten, aber auch gerechtesten Hobbys ist: Wer seine Hausaufgaben macht, den belohnen die Bienen direkt mit Freude – sprich wunderbaren Völkern und reicher Ernte“.