Südtiroler Bauernjugend | 09.03.2017

Ein großes Puzzle mit Strahlkraft

Ein leuchtendes Farbenspiel der Trachten war sie schon immer, die Mitgliederversammlung der Südtiroler Bauernjugend (SBJ). Doch dieses Jahr waren der völlig überfüllte Saal im Waltherhaus in Bozen und vor allem die gute Stimmung wie ein Spiegelbild des Mottos der Versammlung: „Mir verstian ins!“ von Andreas Mair, SBJ

Die Südtiroler Bauernjugend ist eine starke Gemeinschaft. Symbolisch dafür knüpften die Mitglieder während des Wortgottesdienstes ein buntes Netz.

Die Südtiroler Bauernjugend ist eine starke Gemeinschaft. Symbolisch dafür knüpften die Mitglieder während des Wortgottesdienstes ein buntes Netz.

Passende Worte dazu kamen vom scheidenden Führungsduo Christine Tschurtschenthaler und Sieghard Alber. „Die Südtiroler Bauernjugend ist wie ein großes Puzzle. Es besteht aus vielen Einzelteilen, die erst in der Summe ein großes Ganzes ergeben: Ein Bild das genau das ausstrahlt, was alle miteinander verbindet. Ein Bild das von Herzen kommt.“ 

Ehrenamt mehr wertschätzen
Mahnende Worte gab es für die Politik und die Gesellschaft. Diese sind gefordert, ehrenamtliche Leistungen in den Mittelpunkt zu stellen und sichtbar zu machen. Ohne das Ehrenamt würde Vieles in Südtirol nicht funktionieren. Nicht immer braucht es dazu finanzielle Mittel. Oft genügen ein nettes Wort und ein fester Händedruck, wenn man das nächste Mal auf jemanden trifft, der sich ehrenamtlich für die Gemeinschaft einsetzt.
Auch die Anforderungen an die Landwirtschaft sind groß: Sie soll gesunde Lebensmittel ohne Makel produzieren. Diese sollten dann auch günstig sein, denn eine gute und gesunde Ernährung wird von einem Teil der Gesellschaft mittlerweile als Grundbedürfnis angesehen und nicht mehr als Privileg. „Viele Konsumenten sind zwar bereit, fürs iPhone viel Geld auszugeben, wenn es aber um Lebensmittel geht werden beim Einkauf im Supermarkt die Cent abgewogen“, ärgert sich Tschurtschenthaler. Die SBJ antwortet darauf mit Aktionen, die sichtbar machen was die Landwirtschaft kann – wie dem Innovationspreis „IM.PULS“, dem Wettbewerb „Agri.Genuss – Frisch vom Hof!“, bei dem die Jugend die besten heimischen Qualitätsprodukte sucht, oder über Auszeichnungen wie den Raiffeisen-Jungbergbauern-Preis. 

Mit Herzblut für die Zukunft
Diese war dann auch sehr bewegend, wenn Hannes Oberhuber und Verena Obermair mit den Kindern Jonas, Elias und Simon auf die Bühne traten. Die junge Familie führt den Redenhof in Lappach, Gemeinde Mühlwald. Die Herausforderungen sind groß: 103 Erschwernispunkte sprechen für sich. Hinzu kommt, dass die Verbindungsstraße lawinengefährdet ist. Zum Hof gehören etwa 12,5 Hektar Wiesen, wobei ein Hektar noch mit der Hand gemäht wird. Auch 28 Hektar Wald, ein Hektar Interessentschaftsweide und 13 Hektar Bergwiesen, die wegen extremer Bedingungen gar nicht mehr gemäht werden, gehören zum Redenhof. Mit neuen Ideen setzten Hannes und seine Familie alles daran, dem Hof eine gute Zukunft zu geben:
So wurde das Wohnhaus großteils selbst und mit viel Herzblut neu gebaut. Der Neubau bildete gleichzeitig auch den Grundstein für Urlaub auf dem Bauernhof. Bei Nachmittagen am Hof laden Hannes und Verena Kinder dazu ein das Brotbacken, die Stallarbeit und das Herstellen von hauseigenen Produkten kennenzulernen.

SBJ MV 02

Spannende Wahlen
Mit Spannung erwartete die Versammlung das Ergebnis der Neuwahl der Landesführung. Bei der Wahl zum Obmann setzte sich der Herausforderer Wilhelm Haller aus St. Lorenzen gegenüber den bisherigen Obmann Sieghard Alber durch. Ihm zur Seite steht zukünftig Angelika Springeth aus Gries als Landesleiterin. Stefan Doná aus Girlan und Hannes Pirhofer aus Tarsch wurden als Stellvertreter in die Landesführung gewählt. Franziska Pedoth aus Kurtinig ist neue – und einzige – Stellvertreterin.

Danke Sigi!
Auch wenn es bei der Wahl fürs Weitermachen nicht gereicht hat, war Sieghard Alber bei vielen Mitgliedern vor allem für seine wertschätzende Art sehr beliebt. So war ihm vor allem die Gemeinschaft wichtig und er steckte viel Herzblut in die großen wie kleinen Aufgaben. Der Kilometerstand am Tacho seines Opel drehte sich unaufhörlich nach oben. Besonders mitgefiebert hat er mit den Südtiroler Teilnehmern beim Geotrac Supercup. Auch die Bubble-Soccer-Veranstaltungsreihe und das große „Mein Tirol-Fest“ waren für Sieghard – alias Sigi – nicht nur eine neue Herausforderung, sondern auch einschneidende Erlebnisse. Auch Sigi machte sich immer stark für Landwirtschaftsthemen, so etwa die Förderung der Junglandwirte und die Unterstützung von Innovation und neuen Ideen. Kurz: Er war ein Landesobmann mit viel Herz.
Für Christine Tschurtschenthaler war es nach sechs Jahren ihr letzter großer Auftritt als aktive Landesleiterin. Auch sie war stets mit sehr viel Herzblut bei allen Aktionen und Veranstaltungen dabei und wurde dafür von der Versammlung mit tosendem Applaus gewürdigt.

Mehr Bilder der 47. SBJ-Mitgliederversammlung gibt es auf der Facebook-Seite des „Südtiroler Landwirt“.

Sieghard Alber, ein scheidender Landesobmann mit viel Herz fürs Ehrenamt.

Auch wenn der Abschied schwer fällt, gehörte ein Lachen für Christine immer dazu.