Südtiroler Landwirt, Politik | 02.03.2017

Mehr Überwachung, weniger Panik

Ob Kirschessigfliege oder neue Schädlinge und Krankheiten: Panik ist ein schlechter Ratgeber. Dagegen hilft nur Information. Daher wird der Beratungsring für Obst- und Weinbau das Monitoring in mehreren Bereichen ausbauen, wie vergangene Woche auf der Beratungsring-Generalversammlung in Nals deutlich wurde.

Beratungsring-Obmann Manuel Santer: „Digitalisierung ist weiterhin eine der großen Aufgaben.“

Beratungsring-Obmann Manuel Santer: „Digitalisierung ist weiterhin eine der großen Aufgaben.“

Mehr als 6000 Obst- und Weinbauern sowie Marillen- und Kirschenproduzenten sind Mitglieder des Südtiroler Beratungrings für Obst-und Weinbau. Zusammen bewirtschaften sie eine Anbaufläche von knapp 22.000 Hektar. Wer sie kompetent und verlässlich beraten will, trägt eine große Verantwortung. Bewusst ist dies dem Obmann Manuel Santer, dem Geschäftsführer und Koordinator für den Obstbau Robert Wiedmer sowie dem Weinbau-Koordinator Hansjörg Hafner.
Deutlich wurde dies am Beispiel, wie der Beratungsring mit verschiedenen Schädlingen und Krankheiten im Südtiroler Obst- und Weinbau umgeht. So hatte die Kirschessigfliege vergangenes Jahr für erhebliche Schäden bei Steinobst und Beeren und in der Folge auch für große Sorge unter den Weinbauern gesorgt. Aber Panik ist auch im Pflanzenschutz ein schlechter Ratgeber. „Am wirksamsten schützt man Pflanzen, wenn man genau weiß, wie viel von welchem Mittel man wann einsetzen muss“, sagte Obmann Santer. Um den Bauern diese Information noch gezielter geben zu können, wird der Beratungsring sein Monitoring heuer intensivieren – nicht nur bei der Kirschessigfliege, sondern auch bei anderen Schädlingen: Im Apfelanbau zum Beispiel bei der Marmorierten Baumwanze, die erstmals in Südtirol festgestellt wurde, und bei der Mittelmeerfruchtfliege, die sich inzwischen über ihr klassisches Vorkommen um Bozen hinaus ausgebreitet hat.

Immer mehr digitale Dienste
Ein großes Anliegen ist dem Beratungsring die digitale Dienstleistung: Die Beratungsring-App für Mobiltelefone wird weiterentwickelt. Da Obstbauern künftig zu einem Online-Betriebsheft verpflichtet sind, hofft Santer dass sie auf das Beratungsring-Angebot zurück greifen, statt sich anderweitig einzudecken.
Als wichtige Errungenschaft sieht Santer auch die neue Sprüher-Prüfstelle in Lana: „Die Bauern profitieren von dieser unabhängigen Prüfstelle, weil sie ihre eigenen Geräte professionell und optimal einstellen können, aber auch, weil Hersteller hier ihre Neuentwicklungen für einen nachhaltigeren Pflanzenschutz testen.“
Eine weitere Aufgabe des Beratungsringes ist es, die vielen offenen Fragen zur Injektordüse zu klären. Sie gehört ab 2019 verpflichtend zum Agrios- Programm. Insgesamt soll die Integrierte Produktion weiter entwickelt, die Zusammenarbeit mit den Genossenschaften ausgebaut und die Betreuung des Bio-Bereichs intensiviert werden. Im Bio-Anbau sind zudem die neuen Sorten Bonita und Natyra aus der Testphase in die kommerzielle Phase getreten und brauchen Betreuung.

Kämpferischer Kritiker
Immer wieder zeigt sich auch der Wert einer unabhängigen Beratungseinrichtung: Gleich zweimal hat der Beratungsring in jüngsten Jahren fachliche Kritik an Pflanzenschutzmitteln erhoben. Der Fall „Luna Privilege“ wurde 2016 erfolgreich abgeschlossen. Insgesamt zahlte die Firma Bayer den Südtiroler Weinbauern 2,5 Mio. Euro für die Schäden. Auch beim Fungizid „Mildicut“ der Firma Belchim erhob der Beratungsring als einzige Organisation offiziell Bedenken. In Versuchen – u.a. mit dem Versuchszentrum Laimburg – konnte der Beratungsring dann zumindest bei Cyazofamid – einem von zwei Wirkstoffen – eine deutliche Resistenzbildung nachweisen.

Anerkennung und Aufgaben
Viel Lob gab es von Landesrat Arnold Schuler und dem Obmann des Verbandes der Kellereigenossenschaften Georg Höller. Beide sehen im Beratungsring einen wichtigen Partner. Schuler sieht drei große Herausforderungen: Erstens den Pflanzenschutz. Zweitens die Pflanzengesundheit: „Dafür werden wir mehr Gelder zur Verfügung stellen.“ Und drittens die Ausbringungstechnik.
Wohl mit Blick auf so manche Abdriftproblematik appellierte Höller an die Obst- und Weinbauern, „gut aufeinander acht zu geben: Wir stehen in gegenseitiger Verantwortung!“

Dreimal 25 Jahre Mitarbeit
Gleich drei Mitarbeitern – Paul Hafner, Harald Weis und Markus Knoll – dankte Obmann Santer zu ihrem 25-jährigen Dienstjubiläum  „für ihre Arbeitstreue, ihren Einsatz und ihre fachliche Kompetenz, die jeder auf seine Weise eingebracht hat.“