Südtiroler Landwirt, Bauernbund | 25.02.2017

Südtirols Landschaft für unsere Kinder erhalten

Wie die knappe Ressource Landschaft im Spannungsfeld zwischen den Bedürfnissen der Landwirtschaft und jenen der Bevölkerung sowie anderer Wirtschaftszweige künftig gestaltet werden soll, war Thema bei der diesjährigen Landesversammlung des Südtiroler Bauernbundes.

Leo Tiefenthaler: "Landschaft wurde vom Menschen immer schon gestaltet und verändert."

Leo Tiefenthaler: "Landschaft wurde vom Menschen immer schon gestaltet und verändert."

Die Landwirtschaft trägt für die Landschaft eine besondere Verantwortung. „Dieser Verantwortung sind sich Südtirols Bäuerinnen und Bauern sehr wohl bewusst“, unterstrich Landesobmann Leo Tiefenthaler. „Wir waren und sind offen für Veränderungen und Verbesserungen. Gemeinsam kann und muss es uns gelingen, die Vision umzusetzen, Südtirol zum begehrtesten Lebensraum Europas zu machen. Helfen Sie alle mit, damit dies gelingt!“

Initiativen um Landschaft mit zu gestalten
Der Südtiroler Bauernbund tue bereits einiges dafür, um an der Umsetzung dieser Vision mit zu arbeiten. Ein Beispiel: Mit der Initiative „Regiokorn“ will man altes Wissen über den Getreideanbau und die Getreideverarbeitung wieder beleben und mehr Biodiversität und Vielfalt in Südtirols Landschaft bringen.
Viele Projekte gibt es auch, um alte, schützenswerte Baukubatur zu erhalten. So habe man zusammen mit Partnern die Initiative „Bauern(h)auszeichnung“ ins Leben gerufen. Das Projekt soll Bäuerinnen und Bauern den besonderen Wert alter, bäuerlicher Bausubstanz vermitteln, aber auch Architekten für die besonderen Bedürfnisse der Landwirtschaft sensibilisieren.
Die intelligente Flächennutzung ist eines der großen Ziele der „Plattform Land“, die vom Gemeindenverband Südtirol und dem Südtiroler Bauernbund ins Leben gerufen wurde. Sie arbeitet daran, den ländlichen Raum lebenswert zu erhalten.
„Unsere Täler, Dörfer und Weiler Südtirols sind glücklicherweise noch bewohnt, Einheimische und Touristen nutzen den ländlichen Raum als Freizeit- und Erholungsraum“, sagte Leo Tiefenthaler. Aber: „Die Vorstellungen über die ,Funktionen‘ von Landschaft sind verschieden.“ Also müsse ein Ausgleich gefunden werden, denn eines dürfe man nicht vergessen: Landschaft ist nicht nur Naturlandschaft sondern vor allem Kulturlandschaft – vom Menschen immer schon gestaltet und verändert.

Raumordnungsgesetz als Entwicklungsinstrument
Als wesentliches Instrument der Gestaltung dieser Landschaft nannte der Landesobmann  das Gesetz für Raum und Landschaft, das derzeit in Ausarbeitung ist. „Mit vielem, was an generellen Zielen vorgegeben wurde, sind wir einverstanden. Leider wurde der erste Entwurf diesen Zielen aber nicht immer gerecht!“ Der Bauernbund wird aber auch weiterhin konstruktiv am neuen Gesetz mitarbeiten, um die notwendige wirtschaftliche Entwicklung zu garantieren.
Das unterstrich auch Bauernbund-Direktor Siegfried Rinner: „Die Landschaft darf nicht unter eine Käseglocke gesetzt und die Bauern nicht zu Landschaftsgärtnern gemacht werden“, forderte er. Diese Forderung griff Landeshauptmann Arno Kompatscher in seinen Grußworten auf und garantierte: „Das neue Raumordnungsgesetz wird ein Entwicklungsinstrument, das im Einklang mit dem Landschaftsschutz stehen wird. Wenn uns das nicht gelingt, lassen wir es lieber.“ Er versprach, dass das vereinfachte Verfahren für Bagatelleingriffe aufrecht erhalten bleiben und es darüber hinaus möglichst weitere Vereinfachungen geben soll.

Gemeinsamen Nenner finden
Thomas Aichner, Präsident des IDM Südtirol, versuchte in seinem Gastreferat vor allem die Spannungsfelder aufzuzeigen, die im Falle der raren Ressource Landschaft wirksam sind: Zum einen die Südtiroler Bevölkerung mit ihren Wünschen und Bedürfnissen sowie die Unternehmen mit ihren Erwartungen und Anforderungen, zum anderen die Landwirtschaft, die aus ihrem Grund und Boden Wertschöpfung generiert. Es sei notwendig, dass diese verschiedenen Interessengruppen einen gemeinsamen Nenner finden und sich bewusst werden, „dass es im Grunde um eine ganz andere Interessensgruppe geht, nämlich um unsere Kinder.“ Deshalb müsse man versuchen, Eigeninteressen nicht zu stark in den Vordergrund treten zu lassen und den Blick für das große Ganze zu schärfen. „Wir alle tragen eine gemeinsame Verantwortung dafür, wie unsere Landschaft in Zukunft sein wird“, schloss er seinen Vortrag.

Enge Zusammenarbeit bei Vorbereitungen der nächsten GAP-Periode
Landesrat Arnold Schuler bedankte sich bei den Bäuerinnen und Bauern für die Geduld, die sie im letzten Jahr bei den Auszahlungen der Beiträge bewiesen haben: „Dank konzertierter Anstrengungen ist es uns nun aber gelungen, die Probleme zu beheben und sind nun sogar auf einem guten Punkt,“ sagte er. Da es nun bereits an die Vorbereitungen für die nächste Förderperiode der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) in der EU gehe, sprach er sich für eine intensive Zusammenarbeit mit dem Bauernbund und den internationalen Partnern im Alpenraum aus, um die Bedürfnisse und Interessen der Berggebiete gemeinsam zu vertreten.
Die Zusage kam prompt in den folgenden Grußworten: Josef Geißler, Landeshauptmann-Stellvertreter und Bauernbundobmann von Nordtirol, sowie Walter Heidl, Präsident des Bayerischen Bauernverbandes, sicherten ihre enge Zusammenarbeit zu: Die Entwicklungen zeigen, dass es auf Brüsseler Ebene sicher nicht einfacher werde. Deshalb sei es notwendig, dass die Berggebiete noch stärker zusammenrücken.

Bergbauernpreis und Steinkeller-Stiftung
Gleich zwei Auszeichnungen bildeten die feierlichen Höhepunkte der Versammlung: Zum einen die traditionelle Verleihung des Bergbauernpreises. Er ging – stellvertretend für mehr als 6000 Bergbauernfamilien im Lande – für die mustergültige Führung ihres Betriebes an folgende Familien: Giuseppe und Irma Clara, (Oriana, Kampill/Gadertal), Reinhard und Marika Staffler, (Schleidhof, Tabland/Naturns) und Herta Erlacher (Haselbrunn, Sarntal).

Mehr Infos zu den Bergbauernpreisträgern 2017 gibt es hier.



Zum elften Mal schon vergab die Stiftung „Dr. Viktoria Schulz Steinkeller“ einen Stiftungsbeitrag. Er unterstützt eine Bauernfamilie finanziell, wenn sie wertvolle bäuerliche Bausubstanz saniert und somit erhält. Der heurige Beitrag ging an Familie Oberhöller vom Jörglmoarhof in St. Lorenzen im Pustertal.

Mehr Infos zum "Steinkeller"-Preis gibt es hier.


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