Südtiroler Landwirt, Bauernbund | 21.02.2017

Selbstbewusst, aber auch selbstkritisch

Bauern dürfen sich nicht in die Rolle des Opfers begeben, sondern die Zukunft unserer Landschaft aktiv mitgestalten, sagt Thomas Aichner. Der Präsident des IDM Südtirol wird bei der 70. Landesversammlung des Südtiroler Bauernbundes am 25. Februar auch verraten, wie das gelingen kann.

Am Samstag findet in Bozen die Landesversammlung des Südtiroler Bauernbundes statt.

Am Samstag findet in Bozen die Landesversammlung des Südtiroler Bauernbundes statt.

Südtiroler Landwirt: Herr Aichner, Südtirols Landschaft ist ein Gut, das von verschiedenen Interessengruppen in Anspruch genommen wird. Wie können diese Interessen unter einen Hut gebracht werden? Können sie das überhaupt?
Thomas Aichner: Ja, die unterschiedlichen Interessen können unter einen Hut gebracht werden. Denn Kompromisse sind immer möglich, wenn die Menschen dazu bereit sind. Wichtig ist, dass man das Thema zunächst sachlich aufarbeitet und die unterschiedlichen Interessen so gegeneinander abwägt, dass am Ende der größtmögliche Nutzen für das Gemeinwohl entsteht. Gleichzeitig muss man anerkennen, dass die Diskussion auch eine emotionale Seite hat. Landschaften hatten und haben auch kulturelle Bedeutung für deren Bewohner, die über wirtschaftliche Interessen hinausgeht. Diesem Aspekt muss Rechnung getragen werden, und er muss mit Bedacht mit der Sachebene verknüpft werden. Eine herausfordernde Aufgabe, der wir uns im Wandel der Zeit stellen müssen, um das Gleichgewicht in der Gesellschaft zu erhalten.

Wie muss die Südtiroler Gesellschaft künftig mit der endlichen Ressource Boden umgehen?
Auf jeden Fall schonend. Ich zitiere die famosen drei R – Reduce (reduziere), Reuse (verwende wieder), Recycle – und füge ein viertes R hinzu, das für Rethink (überdenke) steht. Wir müssen überdenken, wie wir mit unserer Landschaft umgehen, weil alles, was einmal verbaut ist, für die Natur fast unwiederbringlich verloren ist.

Wie sollte Ihrer Meinung nach Südtirols Landschaft in etwa 20 Jahren ausschauen? Wie sollen wir sie der nächsten Generation übergeben?
Für meine Kinder wünsche ich mir, dass es auch zukünftig größere zusammenhängende Wald- und Grünflächen gibt. Dass unsere Landschaft nicht zersiedelt ist und wir bestehende, ungenutzte Kubatur in den Orten wiederbeleben. Schließlich wünsche ich mir, dass unsere Kinder selbst noch Möglichkeiten haben, Landschaft zu gestalten und wir nicht bereits alles vorweggenommen haben.

Welche Rolle kommt der Landwirtschaft in diesem Zusammenhang zu?
Der Landwirtschaft kommt aus meiner Sicht in zweierlei Hinsicht eine wichtige Rolle zu: Erstens besitzen und bewirtschaften Landwirte große Flächen, und alleine daraus entsteht Verantwortung für diese Flächen. Zweitens haben Landwirte durch ihren Beruf eine besondere Verbindung zur Natur. Sie sind deshalb auch Botschafter für das, was uns die Natur an wertvollen Lebensmitteln geben kann. Diese Rolle hat gerade heute eine große Bedeutung, und die Landwirtschaft sollte mit Selbstbewusstsein, aber auch selbstkritisch zu ihrer wichtigen Aufgabe stehen.

Was heißt das für den einzelnen Bauern?
Für den einzelnen Bauern heißt das in erster Linie, sich mit den Möglichkeiten und Stärken der eigenen Grundstücke dauerhaft auseinanderzusetzen. Es heißt auch, sich auf Orts-, Bezirks- und Landesebene in die Diskussion einzubringen, um gemeinsam mit den anderen Interessengruppen Lösungen zu erarbeiten und keinesfalls in die Rolle des Opfers oder der Verteidigung zu fallen.

Wenn Sie die Augen schließen und sich die ideale Landschaft vorstellen, was für ein Bild entsteht dann in Ihrem Kopf?
In meinem Kopf entsteht das Bild einer Landschaft, in der unberührte Flächen neben landwirtschaftlich genutzten Flächen stehen, in der es Siedlungsflächen gibt, aber auch Handwerkergebiete. Die Landschaft ist gesund, in Balance mit den Bedürfnissen des Menschen, und ich kann mich am Gesamtanblick erfreuen.

Interview: Renate Anna Rubner


Landesversammlung

Am Samstag, 25. Februar,
mit Beginn um 9 Uhr
im Haus der Kultur „Walther von der Vogelweide“, Bozen

Programm

9 Uhr
Begrüßung

Zukunft Raum und Landschaft
Leo Tiefenthaler, Landesobmann

Bäuerliche Baukultur erhalten und gestalten
Vergabe des Stiftungsbeitrags der
„Dr.-Steinkeller-Stiftung“ durch den
Präsidenten Siegfried Brugger

Was Raum und Landschaft zum
Lebensraum macht

Thomas Aichner,
Präsident IDM Südtirol

Verleihung des Bergbauernpreises
gestiftet von den Südtiroler Raiffeisenkassen

12.30 Uhr
Grußworte der Ehrengäste
Tagungsende


Moderation
Siegfried Rinner, Direktor 

IDM-Präsident Thomas Aichner ist Gastredner bei der diesjährigen Landesversammlung.

IDM-Präsident Thomas Aichner ist Gastredner bei der diesjährigen Landesversammlung.