Südtiroler Landwirt, Innovation | 16.02.2017

Vorreiter in Sachen Innovation

Häufig geht es für Betriebsbesichtigungen mit Fachleuten ins benachbarte Ausland – kürzlich war es umgekehrt: Eine Delegation der Landwirtschaftskammer Österreich informierte sich beim Südtiroler Bauernbund über dessen Innovationsschalter und stattete innovativen Betrieben einen Besuch ab. von Michael Deltedesco

Auch den Afingsbruckhof – Gewinner des SBJ-Innovationspreises 2015 – lernten die Besucher aus Österreich kennen.

Auch den Afingsbruckhof – Gewinner des SBJ-Innovationspreises 2015 – lernten die Besucher aus Österreich kennen.

Die gute Beratung des Innovationsschalters hat sich nicht nur unter den Bauernbund-Mitgliedern herumgesprochen. Auch die Innovationsverantwortlichen der Landwirtschaftskammer Österreich, des Netzwerkes Zukunftsraum Land und des Bundesministeriums für Landwirtschaft und Forstwirtschaft sind auf den Innovationsschalter der Bauernbund-Abteilung Innovation & Energie aufmerksam geworden. Da eine Beratung von innovativen Bauern, so wie sie die Abteilung seit etwa vier Jahren anbietet, in Österreich noch im Aufbau begriffen ist, hatten etwa 30 Mitarbeiter aus verschiedenen Bundesländern zwei Tage lang die Gelegenheit, die unterschiedlichen Beratungs- und Dienstleistungsangebote des Bauernbund-Innova-
tionsschalters näher kennenzulernen. Organisiert hatte das Treffen die bisherige Abteilungsleiterin Irene Unterkofler.

Gute Vernetzung und große Vielfalt
Ähnlich wie in Südtirol ist Innovation auch in Österreich nicht etwas gänzlich Neues, sondern gab es schon immer. Der Unterschied zu jetzt ist aber, dass es ein gezieltes Angebot für Betriebe gibt, die mit einer neuen Idee ihren Betrieb langfristig wirtschaftlich stärken wollen.
Astrid Weiss – seit Kurzem neue Leiterin der Bauernbund-Abteilung Innovation & Energie (siehe Artikel auf Seite 17) – berichtet: „Besonders angetan waren die Besucher von der Vielfalt der sehr strukturiert aufgebauten Hilfestellungen für Bäuerinnen und Bauern mit neuen Ideen sowie der guten territorialen Vernetzung mit verschiedenen Partnern wie dem Versuchszentrum Laimburg, der Freien Universität Bozen, der EURAC. Das aktuelle Angebot geht über jenes hinaus, das öster­reichischen Bäuerinnen und Bauern derzeit zur Verfügung steht.“

Fördermöglichkeiten angesprochen
Ein Thema waren auch die verschiedenen Förderungen, die in den einzelnen Ländern für innovative Betriebe vorgesehen sind. Dabei zeigte sich, dass die Förderschienen nicht nur zwischen Südtirol und den österreichischen Bundesländern unterschiedlich sind, sondern auch von Bundesland zu Bundesland variieren.
Es werden zwar viele Projekte unterstützt, die „Förderungen sind aber noch ausbaufähig“, hörte man von mehreren Besuchern. Vor allem wurde die oft unverhältnismäßig hohe Bürokratie auch für kleinere Förderungen angesprochen. Das Ziel für alle Länder inklusive Südtirol wäre, für Unterstützungen in geringerem Ausmaß die Auflagen zu vereinfachen.  
Zum positiven Eindruck beigetragen haben weiters die Vorstellung und die Besichtigung verschiedener praktischer Beispiele für die erfolgreiche Entwicklung neuer Produkte durch landwirtschaftliche Betriebe: der Afingsbruckhof im Sarntal als Gewinner des SBJ-Innovationspreises 2015, der Oberweidacherhof auf dem Ritten mit seiner Zucht von Wagyurindern und der Hubenbauerhof in Vahrn als Produzent von bäuerlichem Bier.

Zusammenarbeit angestrebt
In Zukunft wollen der Innovationsschalter im Südtiroler Bauernbund und die Innovationsverantwortlichen in Österreich noch enger zusammenarbeiten.
Geplant sind auch in Zukunft ein regelmäßiger Austausch, eine gemeinsame Weiterentwicklung des Betreuungsangebotes im Bereich Innovation und Absprachen zu potenziellen Themen von gemeinsamem Interesse wie die Digitalisierung oder soziale Innovationen.