Südtiroler Landwirt, Politik | 02.02.2017

Nicht Ende, sondern Anfang der Diskussion …

Herausforderungen durch klimabedingt neue Krankheiten und Schädlinge, Südtirols Weg der Lagenabgrenzung und Robotik für den Präzisionsweinbau: Die diesjährige Weinbautagung in Eppan ließ tief ins Glas der Zukunft schauen.

Das Konsortium Südtiroler Wein hat das Modell zur Lagenabgrenzung vorgestellt. (Foto: Weingut Franz Haas)

Das Konsortium Südtiroler Wein hat das Modell zur Lagenabgrenzung vorgestellt. (Foto: Weingut Franz Haas)

Als Prozess, der gerade angestoßen wurde, sieht Werner Waldboth die Abgrenzung der Weinbaulagen in Südtirol. Der Geschäftsführer des Konsortiums Südtirol Wein erklärte bei der diesjährigen Weinbautagung im Raiffeisensaal in Eppan zum Abschluss seiner Präsentation „Wir haben ein Modell erarbeitet, auf dessen Basis diskutiert werden soll. Über Jahrzehnte und Generationen hinweg, um es ständig weiterzuentwickeln.“
„Wir stehen hier nicht am Ende sondern am Anfang einer Diskussion“, stellte Waldboth klar. Zuvor hatte er die aktuellen Ergebnisse des Projektes vorgestellt, an dem eine Arbeitsgruppe seit etwa zwei Jahren intensiv gebastelt hat.
Was hatte den Prozess in Bewegung gesetzt? Zwar hatte man sich in Südtirol schon länger Gedanken über eine Lagenabgrenzung gemacht, war aber nicht wirklich vorangekommen. Dann stieg aber der Druck vonseiten der entsprechenden Kontrollstelle, die verlangte, dass die Herkunftsbezeichnungen besser abgegrenzt werden müssen. Unsere historischen „Riede“ stellen allerdings keine solchen abgegrenzten Gebiete dar.
Die Aufgabenstellung war komplex, man versuchte, sich mit Beispielen im In- und Ausland einen Überblick über mögliche Lösungsansätze zu verschaffen: im Burgund, in der Wachau oder im Barolo-Gebiet. Dort wurde man letztendlich „fündig“. In diesem Weinbaugebiet im Piemont hatte man bereits im Jahr 2010 Lagen festgelegt. Das dieser Abgrenzung zugrunde gelegte Modell überzeugte letztendlich, weil es sich am besten für eine Adaption an Südtiroler Verhältnisse zu eignen schien.

Lage nur dann sinnvoll, wenn von mehreren benutzt
Im Zuge dieser Spurensuche wurde sich die Arbeitsgruppe bewusst, dass eine Lagenbezeichnung für Südtirol nur dann Sinn machen würde, wenn einzelne Lagen von mehreren Betrieben verwendet werden könnten. Entsprechend groß sollten die einzelnen Lagen definiert sein.
Als Vorgaben für die Definition der Lagen wurden folgende Kriterien festgelegt: Die Lagen sollten klimatisch und geologisch homogen sein. Nur bereits bestehende historische Riede sollten verwendet und nur solche Lagen bezeichnet werden, die mittel- bis langfristig auch benutzt werden. Letztendlich wurden pro Lage maximal je drei Sorten definiert.
Auf dieser Basis hat man 90 Lagen definiert, die zwischen drei und 70 Hektar Fläche umfassen. Das geschah in enger Abstimmung mit den jeweils betroffenen Weinbauern, den Vertretern der einzelnen Weinbaugemeinden und des Südtiroler Bauernbundes. „Für die Zone Auer, Montan, Neumarkt gab es beispielsweise fünf Sitzungen mit der Arbeitsgruppe. Letztendlich wurden acht Lagen definiert, eine davon ist Mazon. Mit einer zugewiesenen Sorte, dem Blauburgunder“, versuchte Werner Waldboth die Ergebnisse zu veranschaulichen.
In manchen Zonen wurden auch „Lagen in Lagen“ definiert: So gebe es – immer beim Beispiel der Zone Auer, Montan, Neumarkt bleibend – in der Lage „Lehen“ eine Lage in der Lage „Lehen Vill“.

Lagen werden nun in Erzeugervorschriften eingetragen
Einige Weinbauzonen oder einzelne Ortschaften wurden allerdings nicht in Lagen unterteilt: Das Eisacktal verzichtet beispielsweise darauf wie auch die Gemeinden Branzoll oder Jenesien.
Innerhalb dieses Jahres wolle man die Lagen nun in den Erzeugervorschriften eintragen, damit sie zur Ernte 2017 Anwendung finden können.
Die Lagen sollen aber nicht nur klar bestimmten Sorten zugewiesen, sondern auch mit einer definierten Wertigkeit in Verbindung gesetzt werden: So werde eine um 25 Prozent reduzierte Erntemenge im Vergleich auf die generische DOC-Menge vorgeschrieben. Das sei aber eine Vorgabe, der man großteils bereits gerecht werde. Zwar sind drei Sorten pro Lage möglich, bei Lagen in Lagen reduziert sich das aber auf eine einzige Sorte. Geplant sei auch eine Kennzeichnung auf dem Etikett, entweder als Schriftzug oder als extra dafür ausgearbeitetes Logo.
„Derzeit ist es so, dass eine Lagenbezeichnung am Etikett gegen das Gesetz verstößt“, gab Waldboth zu bedenken. „Auch eine Lagenbezeichnung, die nicht zu den 90 ausgearbeiteten zählt, sei demnach künftig verboten. „Aber“, beruhigte er das Publikum, „wir arbeiten an diesem Problem!“

Turbulentes Weinbaujahr
Landesrat Schuler bekräftigte die Chancen, die sich mit der neuen Lagenbezeichnung für die Weinwirtschaft auftun: Sie stellen für uns einen Mehrwert dar“, gab er sich überzeugt. Er hielt einen Rückblick auf das turbulente aber letztendlich erfolgreiche Südtiroler Weinbaujahr 2016, das nun viel versprechende Weine hervorbringe. Mit Überraschungen habe aber nicht nur das wechselhafte Wetter aufgewartet, auch die Neuregelung der Zuteilung von Pflanzgenehmigungen habe für Aufregung gesorgt: „Glücklicherweise hatten wir es geschafft, dass die Verteilung nicht zentral organisiert, sondern die Genehmigungen in vollem Maße an die einzelnen Regionen vergeben wurden. Trotzdem hatten wir zu viele Anfragen, sodass jeder Antragsteller mit nur 44 Prozent der beantragten Fläche bedacht werden konnte.“ Er hoffe, dass sich die Lage beruhigen und sich Angebot und Nachfrage künftig die Waage halten werden. Die nächste Kampagne beginnt bereits am 15. Februar (siehe Seite 54).

Vielfältiges Spektrum an Fachvorträgen
Ruhig Blut zu bewahren, riet Michael Maixner vom Julius-Kühn-Institut in Siebeldingen, als er seinen Vortrag über neue, durch den Klimawandel auftretende Schadorganismen und Rebkrankheiten schloss: Es kommen große Herausforderungen auf uns zu“, sagte er, „aber bitte – keine Panik!“ (Siehe Beitrag auf Seite 67.)
Christine Mair, Präsidentin der Sommeliervereinigung Südtirol, sprach über die Meilensteine der Erfolgsgeschichte des Südtiroler Weinbaus und die Herausforderungen, die künftig auf die Produzenten warten.
Am Nachmittag waren Fachthemen auf dem Programm: Hans-Peter Schwarz von der Hochschule Geisenheim berichtete vom Einsatz von Elektronik und Robotik im Präzisionsweinbau, während Thomas Weitgruber vom Südtiroler Beratungsring für Obst- und Weinbau über Netzsysteme im Weinbau und Arno Schmid vom Versuchszentrum Laimburg die Ergebnisse des Einsatzes einer Traubenbürste zur Förderung der Lockerbeerigkeit präsentierten.