Südtiroler Landwirt, Bauernbund | 19.01.2017

Raumordnung bleibt ein heißes Thema

Das wohl wichtigste Gesetzesvorhaben des vergangenen Jahres – ein neues Landesgesetz für Raum und Landschaft – wird den Südtiroler Bauernbund auch 2017 beschäftigen. Wie die ­weiteren Schwerpunkte für das neue Jahr aussehen, berichtet Bauernbund-Landesobmann Leo Tiefenthaler im Gespräch zum Jahresauftakt.

Landesobmann Leo Tiefenthaler: „Möchten den Landschaftsschutz von der Raumordnung trennen.“

Landesobmann Leo Tiefenthaler: „Möchten den Landschaftsschutz von der Raumordnung trennen.“

Das neue Jahr ist erst wenige Wochen jung, die Liste der Vorhaben und konkreten Pläne des Bauernbundes für das neue Jahr ist lang und ambitioniert.  

Südtiroler Landwirt: Herr Tiefenthaler, 2016 war aus Sicht der Vermarktung ein schwieriges Jahr. Der Milch- und der Apfelmarkt standen stark unter Druck. Wird 2017 wieder besser oder müssen sich die Bäuerinnen und Bauern auf ein weiteres, durchwachsenes Jahr einstellen?
Leo Tiefenthaler: Der europäische Milchmarkt hat sich in den letzten Wochen stark erholt und die Tiefstpreise deutlich hinter sich gelassen, da dank der Intervention der EU die Milchproduktion zurückgegangen ist. Ich glaube, dass die Preise weiter anziehen werden und wir einigermaßen gelassen auf das heurige Jahr blicken können. Für Südtirol kommt hinzu, dass die Milchbauern dank der hervorragenden Arbeit der Genossenschaften und des hohen Veredelungsgrades gute Auszahlungspreise erhalten.
Beim Obstbau hoffe ich, dass der Aufwärtstrend von 2016 auch 2017 weitergeht. Bei den roten Sorten gibt es eine positive Entwicklung, hier bin ich optimistisch. Schwierigkeiten bereitet die Sorte Golden Delicious. Die Stimmung am Weinmarkt ist gut, die Preise sind stabil. Auch 2017 dürfte daher wieder ein gutes Jahr werden, weil wir in Südtirol eine sehr gute Qualität produzieren.

Eines der wohl wichtigsten verbandspolitischen Themen war 2016 das neue Landesraumordnungsgesetz. Mit dem ersten Entwurf war der Bauernbund nicht wirklich zufrieden. Was muss beim Gesetz verbessert werden?
Wir haben uns im vergangenen Jahr regelmäßig mit Vertretern der Landesverwaltung und der Landespolitik zu Gesprächen getroffen. Im November haben wir dann unsere Vorschläge für das neue Gesetz vorgelegt. Jetzt warten wir ab, wie viele dieser Vorschläge in das neue Gesetz übernommen werden. Die Bereitschaft von politischer Seite, viele unserer Anmerkungen zu berücksichtigen, war auf alle Fälle da.
Alles in allem bin ich zuversichtlich, dass wir am Ende mit dem neuen Landesraumordnungsgesetz gut leben werden können. Schwieriger gestalten sich die Verhandlungen über den Landschaftsschutz, der in diesem Gesetz ebenfalls neu geregelt werden soll. Unser Vorschlag hier ist, Landschaftsschutz und Raumordnung zu trennen, ein neues, verbessertes Raumordnungsgesetz zu verabschieden und den Landschaftsschutz so zu belassen, wie er derzeit ist. Die Gefahr bei einem einzigen, gemeinsamen Gesetz für Raum und Landschaft ist, dass Rom Teile des Gesetzes, die den Landschaftsschutz betreffen, anficht.
Auf was wir immer hingewiesen haben ist, dass es die Bagatelleingriffe auch in Zukunft geben muss. Von dieser Forderung rücken wir nicht ab!

Schon seit längerem will der Bauernbund die Kommunikation mit der Gesellschaft verstärken. Im vergangenen Jahr ist die Kommunikationsinitiative „Dein Südtiroler Bauer“ gestartet, die über mehrere Jahre weitergeführt werden soll. Was will der Südtiroler Bauernbund damit erreichen?
Wir müssen näher an die nichtbäuerliche Bevölkerung rücken und zeigen, was die Landwirtschaft für das ganze Land leistet, welche Rahmenbedingungen sie dafür aber braucht und die Landwirtschaft besser erklären. Dazu soll diese Kommunikationsinitiative dienen.
Wir haben bereits vor dieser Initiative mit verschiedenen, sehr erfolgreichen Maßnahmen für die Landwirtschaft geworben und Bauern wie Konsumenten wieder näher zusammengebracht. Beispiele sind das Erntedankfest in Bozen oder der Bauernhof-Sonntag. Letztlich sind aber jede Bäuerin und jeder Bauer selbst die besten Botschafter der Landwirtschaft!

Der Südtiroler Bauernbund arbeitet seit längerer Zeit an einem „Bio-Konzept“. In den kommenden Wochen wird das Papier vorgestellt. Ist das Konzept eine Reaktion auf die Kritik der letzten Zeit oder will man damit den Bäuerinnen und Bauern verstärkt eine Alternative aufzeigen?
Letzteres ist der Fall. Unser Standpunkt war und ist: Es gibt mehrere Wege, wie bäuerliche Qualitätsprodukte produziert werden. Ein Weg ist die biologische Landwirtschaft, ein anderer der integrierte Anbau. Letztlich müssen jede Bäuerin und jeder Bauer für sich selbst entscheiden, was und wie sie produzieren möchten. Unser „Bio-Konzept“ soll einen möglichen Weg aufzeigen und als Unterstützung dienen. Zudem werden wir die Weiterbildungen im Bereich biologische Landwirtschaft ausbauen.

Die derzeitige EU-Agrarfinanzperiode läuft bis 2020. Die Diskussion über die neue Periode nach 2020 hat begonnen. Wie kann die Unterstützung der Berglandwirtschaft abgesichert werden?
Die erste Aussprache von Bauernverbänden aus dem Alpenraum hat es bereits im Dezember in Südtirol gegeben. Bald werden sich die Vertreter der Verbände, darunter auch der Südtiroler Bauernbund, wieder treffen und die weiteren Schritte planen. Zudem wird es Kontakte mit weiteren Akteuren geben, die ähnliche Interessen wie wir haben.
Wir müssen sehr aufmerksam sein und um jeden Euro kämpfen, da auch andere Interessensgruppen ihre Forderungen stellen werden und die verfügbaren Geldmittel nicht mehr werden.
Zuversichtlich stimmt mich die Tatsache, dass viele Abgeordnete im Europäischen Parlament die besondere Bedeutung der Berggebiete allgemein und die schwierigen Rahmenbedingungen, unter denen Bergbauern arbeiten, erkannt haben. Zudem war die Förderung der Berglandwirtschaft sehr erfolgreich. Ich glaube kaum, dass die EU genau dieses Modell in Frage stellen wird. Es geht aber nicht nur um die Förderungen, sondern auch um die Rahmenbedingungen, wie zukünftig Landwirtschaft betrieben werden kann. Auch dieser Diskussion werden wir uns stellen.

Die nächsten Landtagswahlen finden im Herbst 2018 statt. Wann werden die verbandsinternen die Diskussionen über mögliche Kandidaten beginnen?
Nach der Wahl ist bekanntlich vor der Wahl. Die Diskussion wird sicherlich noch heuer beginnen. Wir möchten im Februar 2018 unsere bäuerlichen Kandidaten vorstellen. Jetzt über Personalien zu sprechen, ist aber noch zu früh.


Interview: Michael Deltedesco