Südtiroler Landwirt, Bauernbund | 22.12.2016

So war das Bauern-Jahr 2016

Trotz weitgehend guter Ernte blicken Südtirols Bauern auf ein Jahr 2016 mit etlichen Schwierigkeiten zurück. Warum das so ist, erklärten die Obmänner der sechs Bauernbund-Bezirke dem „Südtiroler Landwirt“. Auch auf politischer Ebene gab es eine wahre Themenfülle. von Guido Steinegger, Bernhard Christanell und Michael Deltedesco

Schwierig war im Jahr 2016 die Marktlage bei Milch und Äpfeln, besser lief es für die Weinbauern in unserem Land. (Foto Weinglas: EOS-Florian Andergassen)

Schwierig war im Jahr 2016 die Marktlage bei Milch und Äpfeln, besser lief es für die Weinbauern in unserem Land. (Foto Weinglas: EOS-Florian Andergassen)

Die sechs Bezirksobmänner Anton Tschurtschenthaler (Pustertal), Konrad Obexer (Eisacktal, Reinhard Dissertori (Unterland), Karl Framba (Bozen), Bernhard Burger (Burggrafenamt) und Raimund Prugger (Vinschgau) ziehen eine recht unterschiedliche Bilanz über das zu Ende gehende Landwirtschaftsjahr.

Berglandwirtschaft
Am Berg verzögerte sich wegen des regnerischen Wetters im Frühjahr der erste Schnitt. Danach war für viele Betriebe der ideale Erntezeitpunkt vorbei und die gute Futterqualität dahin. „Das spüren einige Betriebe jetzt beim Füttern“, berichtet Konrad Obexer, Obmann des Bezirks Eisacktal/Wipptal. Das Sommerwetter gestaltete sich dann versöhnlich.
Sorgen bereitete der Milchmarkt. Bozens Bezirksobmann Karl Framba erinnert an die „europaweit schlechten Preise“. Alle Bezirks-obmänner loben, dass „die gut organisierten Milchgenossenschaften den Preis einigermaßen halten konnten“, wie es der Pustertaler Obmann Anton Tschurtschenthaler formuliert. Er ist überzeugt: „Neue Produkte wie Heumilch, Biomilch oder gar Bioheumilch werden an Bedeutung gewinnen.“ Obexer wünscht, „dass die Milchhöfe mehr zusammenarbeiten. Ich meine nicht Fusionen, aber sie sollten sich beim Preis weniger bekämpfen.“

Holz und Vieh
Bei stagnierenden Nutzholz-Preisen ist es gut, dass zumindest beim Brennholz die Fernheizwerke einen Absatz garantieren und – so Tschurtschenthaler – dank der bewährten Zusammenarbeit einen guten Preis bringen.“ Die Preise für das Zucht- und Nutzvieh waren laut dem Pustertaler Bezirksobmann zufriedenstellend, sofern die Qualität passte. Wichtig sei es, „den Standort für Versteigerungen im Pustertal zu halten.“

Gedrückte Stimmung im Obstbau
Gedrückt ist die Stimmung bei den Obstbauern. Positiv war nur die Ernte mit guter Qualität der Äpfel. Und obwohl es die kleinste Ernte seit vier Jahren (s. S. 65) ist, passt in den meisten Bezirken auch die Menge.
Leider müssen vor allem Raimund Prugger und Bernhard Burger von Frostschäden berichten – mit Berostungsschäden vor allem bei der vorherrschenden Sorte Golden Delicious im Vinschgau, und mit beträchtlichen Schäden in den mittleren Lagen des Burggrafenamtes. Die Ernte ist dann sehr gut verlaufen. Weitgehend verschont blieb der Apfelanbau heuer von den Krankheiten Besenwuchs und Feuerbrand und vom Hagel.
Enttäuschend verlief dagegen die Vermarktungssaison. Einen Gewinn konnten fast nur die Clubsorten erzielen. Im Unterland gibt es laut Dissertori vor allem ein Problem mit dem Golden Delicious: „Ein Auszahlungspreis von 20 Cent pro kg liegt weit unter den Kosten. Ähnlich bei Fuji und Breaburn.“ Er hofft, dass das Sortenerneuerungsprojekt zwischen Versuchszentrum Laimburg und VOG „demnächst Alternativen anbieten kann.“ Insgesamt hoffen die Apfelbauern nach drei mageren Jahren endlich wieder auf bessere Preise.

Guter Weinjahrgang in Sicht
Für die Weinbauern hat es nach anfänglicher Sorge eine sehr gute Ernte gegeben. Burger berichtet „wegen des nassen Frühjahrs von vielen nötigen Pflanzenschutz-Behandlungen.“ Dissertori und Obexer erinnern, dass „zeitweise auch große Angst wegen der Kirschessigfliege umging.“ Doch zur Erntezeit war das Wetter hervorragend und die Qualität der Trauben verspricht einen sehr guten Jahrgang.
Arg zugesetzt hat die Kirschessigfliege dagegen den Sonderkulturen – allen voran den Kirschen, aber auch dem Beerenobst.
Recht gut waren im Pustertal die Ernte und der Preis bei Kartoffeln. Bei den Rohnen ging die Ernte zurück. Positiv beurteilt Tschurtschenthaler die Entwicklung von Urlaub auf dem Bauernhof im Pustertal: „Mit einer Zunahme um etwa sieben Prozent ist und bleibt es der wichtigste Zuerwerb.“
Im Vinschgau stellt Prugger fest, dass der Bär heuer weniger Schäden angerichtet hat als in den vergangenen Jahren. Beim Rotwild haben wohl die meisten Vinschgauer Reviere die Abschusspläne erfüllt. „Die Bauern erhoffen sich von der Umstellung des Jagd-Schwerpunktes auf jüngere Tiere eine langfristige Abnahme der Population“, sagt Prugger.

Politik und Gesellschaft
Auf politischer Ebene haben sich die Bezirksbauernräte oft mit landesweiten Themen beschäftigt, besonders intensiv z.B. mit Raumordnung und Landschaftsschutz, Almerschließungen oder Schwierigkeiten bei der Auszahlungen der Förderungen. Das Gülleverbot in Natura-2000-Gebieten ist laut Karl Framba „eines von mehreren Beispielen überzogener, in Südtirol hausgemachter Bürokratie.“
Beim Flughafen-Referendum im Juni ist der Unterlandler Obmann Dissertori „sehr froh“ über das mehrheitliche „Nein“ der Wähler: „Es ist die richtige Lösung, den Flughafen nicht auszubauen.“ Für Karl Framba vom Bezirk Bozen, „war es im Rückblick gut, dass sich der Landesbauernrat neutral verhalten hat: Die Mitglieder haben bewiesen, dass sie mündig genug sind selbst zu entscheiden.“
Ein weiteres Südtiroler Großprojekt – die Zulaufstrecken zum Brennerbasistunnel – beschäftigte das Unterland. Für Dissertori ist klar: „Wenn es eine neue Trasse braucht, dann nur im Berg, um Grund zu sparen.“ Allerdings mit der Garantie der öffentlichen Hand, dass sie möglichst vorsichtig vorgeht und – sollte es bei Wasser dennoch Ausfälle geben – entsprechenden Ersatz garantiert. Dissertori ist froh, „dass wir hier eine vertretbare Tunnel-Variante gefunden haben.“
Im Eisacktal wird es im Zusammenhang mit den Zulaufstrecken demnächst landwirtschaftliche Flächen für Lagerung und Logistik brauchen. Obexer fordert, dass die Betreiber frühzeitig und auf Augenhöhe mit den Grundbesitzern reden.
Bei der Neuregelung des „Geschlossenen Hofes“ erinnert Dissertori, dass es im Unterland und Vinschgau viele kleine Betriebe gibt: „Auch sie sollen in Zukunft noch die Möglichkeit haben, einen Hof zu schließen.“
Im Pustertal sieht Obmann Tschurtschenthaler „weiteres Potenzial bei der Zusammenarbeit mit dem Tourismus.“ Bei der Nutzung landwirtschaftlicher Flächen zu Freizeitzwecken erwartet er sich noch respektvollere Lösungen. Mit dem Bauernbund aus Osttirol hat der Bezirk Pustertal eine stärkere Zusammenarbeit vereinbart.
Da der Vinschgau wieder als LEADER-Gebiet eingestuft wurde, hofft Prugger, wieder einige gute Projekte für die Berglandwirtschaft umsetzen zu können.“ Nach dem Übergang der Nationalpark-Verwaltung an die einzelnen Länder arbeiten nun mehrere Arbeitsgruppen an den künftigen Spielregeln.