Südtiroler Landwirt, Betriebsberatung | 09.12.2016

Neue Almwirtschaftsförderung

Von 1. Jänner bis 28. Februar jeden Jahres können Landwirtschaftsbetriebe beim Land um Förderung der Almwirtschaft ansuchen. Die neuen Kriterien hat die Landesregierung am 22. November beschlossen und damit neuen EU-Vorgaben angepasst. von Guido Steinegger

Voraussetzung für die Förderung einer Alm ist unter anderem eine Mindestbestoßung mit Vieh.

Voraussetzung für die Förderung einer Alm ist unter anderem eine Mindestbestoßung mit Vieh.

Notwendig geworden war der Beschluss vor allem wegen „formaler Änderungen und Anpassungen an die europäischen Vorgaben“, wie Landeshauptmann Arno Kompatscher den von Landesrat Arnold Schuler vorgelegten Vorschlag kommentierte. Die inhaltlichen Neuerungen halten sich also in Grenzen.
Damit bezuschusst das Land Südtirol weiterhin Maßnahmen zur Verbesserung und Erhaltung von Almen. Berücksichtigt werden Maßnahmen an der Kulturlandschaft, an Gebäuden, zum Schutz der Umwelt und zur Anpassung der landwirtschaftlichen Produktion an die Marktentwicklung. Die Regelung gilt bis Ende 2020.

Begünstigte und Fristen
In den Genuss der Förderung kommen:
- Gemeinden und Eigenverwaltungen bürgerlicher Nutzungsrechte,
- Interessenten-, Nachbarschaften und Agrargemeinschaften sowie
- landwirtschaftliche Unternehmen.
Ansuchen kann man nur vom 1. Jänner bis 28. Februar eines jeden Jahres und auf alle Fälle vor Beginn der Arbeiten oder des Ankaufs. Eine Ausnahme von dieser Frist gilt für Anträge, die aufgrund von Naturkatastrophen oder ähnlichen Witterungsverhältnissen gestellt und für dringlich oder unaufschiebbar erklärt werden.

Wo das Ansuchen abzugeben ist
Das Ansuchen ist in zweifacher Ausfertigung abzugeben. Dafür stellt die Landesverwaltung Vordrucke bereit. Abzugeben sind die Ansuchen bei den gebietsmäßig zuständigen Forstämtern oder beim Landesamt für Bergwirtschaft in Bozen.

Geförderte Maßnahmen
Das Land fördert folgende Maßnahmen:
Almgebäude und Anlagen
Errichtung, Sanierung und Anpassung von landwirtschaftlich genutzten Almgebäuden und Anlagen, die der Erhaltung und Verbesserung der Funktionsfähigkeit und der Arbeitsbedingungen dienen. Konkret wird dabei Folgendes gefördert:
Stall, Futter- und Bergeraum, Düngerlagerstätte sowie Anlagen zur Wasser- und Energieversorgung der Almgebäude;
Gebäude für Unterkunft des Almpersonals,
Räumlichkeiten zur Verarbeitung und Lagerung landwirtschaftlicher Erzeugnisse;
Investitionen im Wohnteil des Almgebäudes wie Heizung, sanitäre Einrichtungen, Multifunktionsräume sowie Kläranlagen;
Viehunterstände für den vorübergehenden Schutz von Tieren.
Weidewirtschaft
Schaffung oder Erneuerung von Einrichtungen zur ordnungsgemäßen Weidewirtschaft. Konkret wird dabei Folgendes gefördert:
Anlagen zur Wasserversorgung für das Weidevieh;
Strukturen wie Weidezäune, Weideroste, eingefriedete Sammelplätze für Weidevieh sowie Fütterungseinrichtungen;
Weideverbesserungsarbeiten mit besonderem Augenmerk auf den Erhalt der biologischen Vielfalt von Arten und Lebensräumen;
Maßnahmen zur Wald-Weide-Trennung.
Wegenetz
Ansuchen kann man auch um den Bau von Anschluss- und Viehtriebwegen im Bereich der Almen sowie um deren grundlegende Erneuerung. Konkret sind das Ausbau, Befestigung, Böschungsverbauung und Regelung des Oberflächenwassers. Der Anschluss kann auch durch den Bau von Materialseilbahnen erfolgen.
Schäden nach Naturkatastrophen
Schließlich fördert das Land die Wiederherstellung des Produktionspotenzials, das durch Naturkatastrophen oder naturkatastrophenähnliche Witterungsverhältnisse geschädigt wurde.

Voraussetzungen
Ausgeschlossen sind Ansuchen für Maßnahmen unter 10.000 Euro. Eine Förderung kann nur dann gewährt werden, wenn eine Mindestbestoßung von einem Drittel der Normalbestoßung nachgewiesen wird. Als Normalbestoßung wird eine Großvieheinheit je 2,5 Hektar Nettoweidefläche laut Almkartei definiert.
Für einzelne landwirtschaftliche Unternehmen können die Zuschüsse bis zu 50 Prozent der zulässigen Kosten decken. Für Almen im gemeinschaftlichen Eigentum von Körperschaften des öffentlichen oder privaten Rechts beträgt die maximale Höhe der Beihilfe für gemeinschaftliche Investitionen 70 Prozent der zulässigen Kosten in naturbedingten, benachteiligten Gebieten.

Zulässige Kosten
Bei der Kostenberechnung spielt zum einen die Bestoßung und die Almfläche, zum anderen auch die Anzahl an Almpersonal eine Rolle.
So ist eine Förderung der Almen nur möglich, wenn der Nachweis einer Mindestbestoßung von einem Drittel der Normalbestoßung (Normalbestoßung = GVE pro 2,5 ha Nettoweidefläche laut Almkartei) erbracht wird.
Die zulässigen Kosten des Wohnteiles des Almgebäudes werden auf der Grundlage der Berechnung in Tabelle 1 festgelegt.
Bei Neubauten ergeben sich die zulässigen Kosten aus der Multiplikation der für den Bezug der Beihilfe maximal zulässigen Wohnfläche mit den gesetzlichen Baukosten.
Der Berechnung der zulässigen Kosten für Viehunterkünfte werden die Einheitskosten für eingestallte Großvieheinheiten (GVE) zugrunde gelegt, die jährlich von der Fachkommission bestimmt werden.
Zusätzlich zum Höchstausmaß der zulässigen Standardkosten können Ausgaben für Zusatzarbeiten wie Abbrucharbeiten, Felsaushübe, Bau von erforderlichen Stützmauern, Hubschraubertransportspesen sowie weitere Sicherungsmaßnahmen zugelassen werden, die im Projekt klar definiert und dokumentiert sind und unmittelbar mit dem geförderten Vorhaben in Verbindung stehen. Die zulässigen Kosten werden anhand der diesbezüglichen Einheitspreise der von der Fachkommission genehmigten Preisliste festgelegt.
Als zulässige Kosten für die Errichtung und Anpassung von Räumlichkeiten zur Verarbeitung und Lagerung landwirtschaftlicher Erzeugnisse werden 50 Prozent der gesetzlichen Baukosten anerkannt.
Die zulässigen Kosten für die Sanierung von Gebäuden sowie für Mistlegen, Gülle- und Jauchegruben werden anhand der diesbezüglichen Einheitspreise der von der Fachkommission genehmigten Preisliste festgelegt.
Die zulässigen Kosten zur Deckung des durch Naturkatastrophen verursachten Sachschadens ergeben sich aus dem Betrag des unmittelbar damit zusammenhängenden Schadens. Die Investitionen müssen mit den Natur- und Umweltschutzvorschriften von EU, Staat und Land in Einklang stehen.

Weitere Regelungen
Geregelt sind auch die Kontrollen, ab wann man um Auszahlung der Beihilfen ansuchen kann und wann sie ausbezahlt werden. Wenn die Arbeiten vom zugelassenen Projekt abweichen, kann die gewährte Beihilfe widerrufen werden.


Tabelle 1:
Zulässige Kosten des Wohnteils des Almgebäudes

Personalbedarf (Für die Bedarfsberechnung wird der Durchschnitt der in den vergangenen drei Jahren tatsächlich aufgetriebenen Tiere herangezogen.)

Milchviehalm

bis 20 Kühe

2 Personen

21 bis 50 Kühe

3 Personen

Mehr als 51 Kühe

4 Personen

Jungrinder- und Galtviehalmen

Bis 50 Tiere

2 Personen

Mehr als 50 Tiere

3 Personen

Schaf- und andere Almen

 

2 Personen

Wohnflächenbedarf (Bei notwendiger ständiger Anwesenheit des Almpersonals)

2 Personen

43 m2

3 Personen

58 m2

4 Personen

73 m2



Definition

Was Almen sind
Als Almen gelten natürliche Dauergrünflächen, die im Handbuch des Landesverzeichnisses der landwirtschaftlichen Unternehmen als Alpe ausgewiesen sind und die jährlich mindestens 60 Tage lang beweidet werden, einschließlich der für die Alpung nötigen dazugehörenden Strukturen.