Südtiroler Landwirt, Marketing | 27.10.2016

Die Sehnsucht

Urlaub auf dem Bauernhof ist ein Sehnsuchtsprodukt. Wie das für die Gäste erlebbar gemacht werden kann, war Thema bei der 16. UaB-Tagung im neu gestalteten Konferenzzentrum der Messe Bozen. von Renate Anna Rubner

Wie UaB-Betreiber ihre Gäste auch im Winter glücklich machen können, zeigte die UaB-Tagung. (Foto: Roter Hahn/Frieder Blickle)

Wie UaB-Betreiber ihre Gäste auch im Winter glücklich machen können, zeigte die UaB-Tagung. (Foto: Roter Hahn/Frieder Blickle)

Hans J. Kienzl, Leiter der Abteilung Marketing im Südtiroler Bauernbund ist sichtlich stolz auf „seine“ Urlaub auf dem Bauernhof-Betriebe: „Wir haben die Marke ,Roter Hahn‘ in den letzten Jahren ständig weiterentwickelt. Das hat ihre Begehrlichkeit deutlich gesteigert.“ So sei es für heuer gelungen, ein Nächtigungsplus von sieben Prozent zu erreichen. Auch auf die Website www.roterhahn.it werde immer stärker zurückgegriffen: „Insgesamt werden wir auf unserer Website bis Ende des Jahres 1,5 Millionen Besucher verzeichnen können, das sind 150.000 mehr als noch im Vorjahr“, rechnete Hans J. Kienzl bei der diesjährigen UaB-Tagung im voll besetzten Saal der Messe Bozen vor.
Nun wolle man den Internetauftritt aber weiter verbessern: So werde man künftig nicht nur auf das Angebot der einzelnen Höfe eingehen, sondern auch auf Sehenswürdigkeiten und Freizeitangebote, die in der Nähe der Höfe liegen.
Kienzl bedankte sich bei den Bäuerinnen und Bauern: „Zum Einen danke ich euch, weil ihr in diesem Jahr wieder so viel geleistet habt. Wir hatten so viele Gäste wie noch nie!“ Aber auch für den guten Zusammenhalt lobte er die Anwesenden stellvertretend für alle Betreiber von Urlaub auf dem Bauernhof. „Dieser Zusammenhalt macht uns stark“, erklärte er.

Betriebe qualitativ aufwerten
Gleichzeitig verwies er auf die Herausforderungen, die es mittelfristig anzugehen gelte: Der Genuss auf dem Bauernhof müsse noch stärker in den Fokus gerückt werden, zumal Regionalität und hofeigene Produkte im Trend liegen. Urlaub auf dem Bauernhof im Winter sei die zweite große Baustelle und die Weiterentwicklung der ein- und zwei-Blumen-Betriebe der dritte große Schwerpunkt, dem man in den nächsten Jahren Gewicht geben müsse. Dafür habe die Abteilung Marketing in Zusammenarbeit mit der Weiterbildungsgenossenschaft einen eigenen neuen Lehrgang ins Leben gerufen. Er trägt den Namen „Neuer Schwung in meinem UaB-Betrieb“ und wird im Jänner in Bozen erstmals angeboten. „Weiters werden wir in den kommenden Monaten und Jahren mit den ein- und zwei-Blumen-Betrieben direkte Gespräche vor Ort führen und versuchen sie entsprechend zu betreuen, damit ihre Zukunft gesichert ist“, erklärte Kienzl.
Auf diesen letzten Schwerpunkt ging Bauernbund-Landesobmann Leo Tiefenthaler stärker ein: „Wir haben zwar ein hohes Niveau bei den UaB-Betrieben, es ist aber unser Anliegen, denjenigen, die in Ausstattung und Service noch Aufholbedarf haben, unter die Arme zu greifen: Und zwar nicht nur mit Beratung und Weiterbildung, sondern auch finanziell. Damit deutete er die neuen Förderkriterien für Urlaub auf dem Bauernhof an, die in enger Abstimmung mit dem Ressort für Landwirtschaft ausgearbeitet wurden.

Förderungen als Qualitätsoffensive
Davon zeigte sich auch Landesrat Arnold Schuler überzeugt und vertiefte die Neuerungen für die Förderungen des Urlaubs auf dem Bauernhof, die er als „Qualitätsoffensive“ bezeichnete. Als große Neuerung stellte er die Möglichkeit vor, Investitionen in die Aufwertung von Urlaub auf dem Bauernhof über den Rotationsfonds finanzieren zu können (siehe Kasten). Zudem werde man künftig auch die Lage des Hofes, sprich seine Erschwernispunkte, mit in den Beitrag einfließen lassen, um strukturschwache Gebiete aufzuwerten. Und zu guter Letzt wolle man auch dadurch eine qualitative Aufwertung erreichen, indem Betriebe, die einer Marke angehören, einen höheren Beitrag in Aussicht gestellt bekommen.
Urlaub auf dem Bauernhof habe in Südtirol eine lange Tradition, erklärte der Landesrat. Der Aufschwung, den er in den letzten Jahren erlebt habe, sei aber beispielhaft. Dadurch werde nicht nur Südtirols Landwirtschaft aufgewertet, sondern auch das touristische Angebot unseres Landes. Zudem sei diese Art des Urlaubs die ideale Gelegenheit, die Menschen wieder stärker an die Landwirtschaft und ihre Erzeugnisse heranzuführen. „Wir sind stolz auf euch!“, schloss der Landesrat und überbrachte damit die Grüße der gesamten Landesregierung.

UaB, ein Glücksfall
Peter Pfänder, Chefredakteur des größten deutschen Reisemagazins „abenteuer und reisen“ bezeichnete Urlaub auf dem Bauernhof als Glück für den aktiven Urlauber, den er als Momentesammler und Glückssucher definierte (s. Interview S.6). Er gab den Bäuerinnen und Bauern Tipps, wie sie den Gästen eine bleibende Urlaubserinnerung bescheren können. Dass das bereits beim Internet-Auftritt maßgeblich mitbestimmt wird, erklärte E-Marketing-Expertin Daniela Aichner von der Tourismusberatung Kohl und Partner.
Auch zwei Vorzeige-Betriebe kamen bei der diesjährigen UaB-Tagung wieder zu Wort: Christine und Heinz Kager bewirtschaften den Leitnhof in St. Pauls/Eppan. 2015 haben sie ihren Obst- und Weinhof mit den Ferienwohnungen saniert und bieten nun auch Frühstück an. Die Gäste sind glücklich und nehmen dieses Angebot gerne an. Auch die hofeigenen Produkte finden guten Absatz: Marmeladen und Sirup, Wein, Apfelsaft, Nüsse und Trockenfrüchte. Heinz macht zudem Hof- und Weinbergsführungen, die mit einer Verkostung des hofeigenen Weines und Olivenöls gekrönt werden. Christine hat noch viele Pläne: Sie möchte das Angebot an hofeigenen Produkten ausweiten, sich eventuell an Chutneys probieren. Dass ihnen die Arbeit mit den Gästen Freude macht, sieht man sofort. „Wenn man den Kontakt mit den Leuten mag, dann merken das die Gäste auch. Und dann hat man auch Erfolg“, ist die Bäuerin überzeugt.
Das bestätigen auch Erika und Florian Obrist vom Thalhofer Hof in Latzfons/Klausen. Sie haben einen Viehbetrieb, an dem sie schon seit längerem Urlaub auf dem Bauernhof anboten. Bei der UaB-Tagung vor zwei Jahren haben Erika die beiden Referentinnen aus Norddeutschland so imponiert, dass sie gemeinsam mit ihrem Mann beschloss, die Ferienwohnungen zu sanieren: viel Holz sollte her, warme Stoffe und Farben, um die Räume kuschelig und gemütlich zu machen. Das ist ihnen gelungen. Zur Aufwertung der Nebensaison haben sie sich zudem entschlossen Frühstückskörbe anzubieten: Das Angebot hofeigener Produkte ist groß, die Gäste haben die Qual der Wahl zwischen „deftigem Hans“ und „süßer Marie“, Kinder kriegen ihr eignes Frühstückskörbchen. Auch sonst ist jede Menge Platz für Kinder: beim Spielen draußen, beim Mithelfen im Stall oder beim Brotbacken. „Die Nebensaison wird inzwischen sehr gut gebucht“, erklärt Florian. „Auch weil die Gäste wissen, dass wir da mehr Zeit für sie haben“, grinst er.