Südtiroler Landwirt, Arbeitsberatung | 27.10.2016

Die neue „Voucher“-Meldung

Beschäftigen Landwirtschaftsbetriebe Arbeitnehmer mit Wertgutscheinen – den sogenannten Vouchern –, müssen sie seit 24. Oktober eine zusätzliche Meldung an das Arbeitsinspektorat machen. von Thomas Wieser

Maximal darf ein Arbeitnehmer 7000 Euro mit „Vouchern“ verdienen.

Maximal darf ein Arbeitnehmer 7000 Euro mit „Vouchern“ verdienen.

Mit einem Korrekturdekret zur Arbeitsmarktreform „Jobs Act“ hat die italienische Regierung eine neue Meldung für die geringfügige Beschäftigung, die  Bezahlung der Arbeitnehmer über die sogenannten Voucher, also Wertgutscheine, eingeführt. Die Meldung müssen die Landwirtschaftsbetriebe bis 60 Minuten vor Tätigkeitsbeginn an das Arbeitsinspektorat schicken. Obwohl das Gesetz eine Meldung mittels SMS und E-Mail vorsieht, ist die Meldung derzeit nur per E-Mail möglich. Die Regelung ist seit 24. Oktober gültig.

Meldung an das Arbeitsinspektorat
Bei der Meldung an das Arbeitsinspektorat muss der Arbeitgeber Folgendes mitteilen: seine Steuernummer, die Steuernummer des Arbeitnehmers, den Ort der Arbeiten und die Dauer der Arbeiten.
Bei der Dauer der Arbeiten ist zu betonen: Es kann maximal ein Zeitraum von drei Tagen angegeben werden. Falls die Tätigkeit mehr als drei Tage dauert, muss nach Ablauf der ersten drei Tage eine weitere Meldung erfolgen usw. Dies gilt auch für den Fall, dass die Arbeiten unterbrochen werden. Dann muss nach der Unterbrechung neuerlich eine Meldung gemacht werden. Jeder der drei Tage muss dabei separat angegeben werden. 

Die Meldung ist derzeit nur per E-Mail an die E-Mail-Adresse voucher@provinz.bz.it möglich. Die Abteilung Arbeit der Landesverwaltung hat in einem eigenen Rundschreiben das Format der E-Mail festgelegt (siehe Grafik unten). Die mitzuteilenden Daten müssen alle im „Betreff“ der E-Mail enthalten sein, das Textfeld der E-Mail hingegen muss leer bleiben. Ebenso darf die E-Mail keine Anhänge enthalten.
Änderungen und Ergänzungen der Daten können an dieselbe Adresse gesandt werden. Auch diese Änderungsmeldung muss spätestens 60 Minuten vor Tätigkeitsbeginn erfolgen. Die E-Mails müssen immer aufbewahrt werden. 

Strafen
Sendet der Betrieb dem Arbeitsinspektorat keine Meldung zu, verhängen die zuständigen Behörden eine Verwaltungsstrafe von 800 Euro. 

Aktivierung beim NISF/INPS bleibt
Aufrecht bleibt dagegen die Aktivierung der Wertgutscheine mit der bisherigen Mitteilung der Daten des Arbeitnehmers an das NISF/INPS. Es sind nun also zwei Meldungen zu tätigen.
Falls die Aktivierung der Wertgutscheine nicht erfolgt, handelt es sich um Schwarzarbeit, und das ist mit hohen Strafen verbunden.   

Regelung in den anderen Sektoren 
In anderen Wirtschaftssektoren können alle Personen über Wertgutscheine beschäftigt werden. Auch dort ist die neue Meldung an das Arbeitsinspektorat in Kraft. Allerdings kann bei der Meldung dann nicht ein Zeitraum von drei Tagen angegeben werden, sondern die Meldung muss jeden Tag mit der Angabe der Dauer der Arbeiten erfolgen.
Alle Arbeitgeber, die kein Betrieb sind – z. B. private Arbeitgeber bei Hausangestellten – müssen die Meldung nicht machen. 

Betreuung im Bauernbund
Da bei der neuen Meldung an das Arbeitsinspektorat nur ein Zeitraum von maximal drei Tagen angegeben werden kann, muss diese Meldung in kurzen Zeitintervallen erfolgen. Es ist daher ratsam, dass der Betrieb selbst die Meldung vornimmt. Dabei muss immer kontrolliert werden, dass der Zeitraum auch durch die Aktivierung der Wertgutscheine beim NISF/INPS abgedeckt ist.
Sollen die Mitarbeiter der Abteilung Arbeitsberatung/Löhne im Südtiroler Bauernbund die Meldung übernehmen, muss der Betrieb den Auftrag vor jedem Beginn der drei Tage neu erteilen.
Die Grafik beschreibt das Format der E-Mail. Es muss unbedingt eingehalten werden. Außerdem ist es dem Rundschreiben des Arbeitsministeriums zu entnehmen. Es kann auf der Internetseite der Abteilung Arbeit heruntergeladen werden. 

2020-Euro-Grenze auch in Landwirtschaft
Auch in der Landwirtschaft gilt: Mit Wertgutscheinen („Voucher“) darf einem Arbeiter pro Auftraggeber bis zu maximal 2020 Euro netto bezahlt werden. Dies wurde kürzlich durch eine parlamentarische Anfrage geklärt.
Die Arbeitsmarktreform „Jobs Act“ hatte die Einkommensgrenze, bis zu der die Personen ein Einkommen mit Wertgutscheinen haben dürfen, auf 7000 Euro angehoben. Diese Grenze ist auf den Auftragnehmer bezogen: Der Arbeiter darf also bei allen Auftraggebern zusammen bis zu dieser Grenze mit Wertgutscheinen ­bezahlt werden. Pro einzelnem Auftraggeber hingegen gilt die Grenze von 2020 Euro netto (2690 Euro brutto).
Die gesetzliche Formulierung ließ offen, ob diese Grenze auch für die Landwirtschaft gilt oder nur die restlichen Wirtschaftssektoren. Nun hat die parlamentarische Anfrage Klarheit gebracht. Das heißt: Der einzelne Student oder Pensionist darf bei einem Bauern nur bis zur Grenze von 2020 Euro netto mit Wertgutscheinen bezahlt werden. 

Pensionisten, Studenten, Arbeitslose

In der Landwirtschaft können bekanntlich Studenten von 16 bis 25 Jahren, Pensionisten und Arbeitslose mit den Wertgutscheinen (Vouchern) beschäftigt werden (der „Südtiroler Landwirt“ hat mehrfach berichtet).
Die Studenten müssen regulär in ein Studium eingeschrieben sein, und die Arbeitslosen müssen effektiv ein Arbeitslosengeld beziehen.
Betriebe mit einem Umsatz von bis zu 7000 Euro (von der MwSt.-Registerführung befreit) dürfen hingegen alle Personen ab einem Alter von 16 Jahren über Wertgutscheine beschäftigen.
Die Wertgutscheine haben weiterhin einen Nominalwert von 10 Euro brutto und 7,50 Euro netto. Die Differenz sind Abgaben an das NISF/INPS und die Deckung der Unfallversicherung.

 

So sollte die E-Mail an das Arbeitsinspektorat aussehen.

So sollte die E-Mail an das Arbeitsinspektorat aussehen.