Südtiroler Landwirt, Bauernbund | 13.10.2016

Der Dialog geht in die zweite Runde

Die Aktion „Dein Südtiroler Bauer“ stärkt den Dialog mit der Bevölkerung. Nach der Auftaktkampagne im Frühjahr wird sie nun fortgeführt. Dazu gekommen sind auch vier weitere Bäuerinnen und Bauern. Sie zeigen den Südtirolern, was die Landwirtschaft alles für sie leistet. von Tobias Egger

Rosmarie Mangger: „Zeigen, was wir leisten!“

Rosmarie Mangger: „Zeigen, was wir leisten!“

Im Frühjahr ist die Aktion „Dein Südtiroler Bauer“ mit blauen Plakaten in der Landschaft gestartet. Auch der „Südtiroler Landwirt“ war ganz in Blau gehüllt. Anschließend traten die Bauern selbst in den Vordergrund: Auf Plakaten, Zeitungsinseraten und im Internet zeigten vier Bäuerinnen und Bauern, wie sie sich um die Landschaft, schmackhafte Lebensmittel und eine starke Wirtschaft kümmern.
Der blaue Schriftzug „Dein Südtiroler Bauer“ war bei jedem Auftritt mit dabei. Seitdem ist das Blau immer dann zu sehen, wenn die Landwirtschaft in Dialog mit der Bevölkerung tritt. Bauernbund-Landesobmann Leo Tiefenthaler erklärt, warum dieser Kontakt so wichtig ist: „Immer weniger Menschen haben einen direkten Bezug zur Landwirtschaft. Wir müssen zeigen, wie wir arbeiten und was wir für die Gesellschaft leisten, damit wir als Landwirtschaft verstanden werden.“
Genau deshalb geht der Dialog jetzt weiter. Vier weitere Bäuerinnen und Bauern sind derzeit in Zeitungen und auf Plakaten in ganz Südtirol zu sehen: Jungbauer und Käser Michael Steiner zeigt, wie er Käse veredelt und wie innovativ Südtirols Bauern arbeiten. Andreas Kofler, Obst- und Weinbauer und Obmann der Kellerei Kurtatsch, steht für die Wirtschaftsleistungen der Landwirtschaft. Tiefenthaler betont in diesem Zusammenhang: „Gerade die Genossenschaften sichern Tausende Arbeitsplätze und haben durch die Auftragsvergabe eine tragende Rolle für die lokale Wirtschaft.“ Zu den Themen Wirtschaft und Ernährung gesellen sich mit der Tradition und der Wissensvermittlung zwei weitere bäuerliche Leistungen. Die Bäuerin und Kräuterpädagogin Rosmarie Mangger gibt ihr Wissen in Kursen und Kräuterwanderungen weiter (s. Interview unten). Viktoria Ainhauser, Bauernjugend-Ortsleiterin aus dem Sarntal, ist „Testimonial“ für die Brauchtumspflege. Die Federkielstickerin legt Wert auf die Sarner Tracht und Pflege der Bräuche. Tiefenthaler unterstreicht: „Alte Fertigkeiten und Traditionen sind ein Teil der Identität Südtirols. Die Bäuerinnen und Bauernjugend sorgen dafür, dass sie weitergeführt werden.“

Plakate, Zeitungen, Videos
Seit Kurzem informieren die vier Bäuerinnen und Bauern auf Plakaten und in Zeitungen über die Landwirtschaft. Auf der Webseite www.deinsuedtirolerbauer.it und bei Facebook findet man ihre Geschichte, ergänzt mit Informationen.
Hier ist auch das neue Video zu sehen. Es führt den Südtirolern vor Augen, wie sie in ihrem Alltag – oft unbewusst – mit den Bauern in Kontakt kommen und ihre Leistungen nutzen. Eine Kurzfassung des Videos läuft derzeit in den Kinosälen des Landes. Zudem wurden Radiospots erstellt, die auf die bäuerlichen Leistungen hinweisen.
Auch das Erntedankfest am 22. Oktober auf dem Bozner Waltherplatz ist in den Dialog mit eingebunden. „Beim Erntedankfest stehen Landwirtschaft und Bevölkerung in direktem Kontakt“, erklärt Bauernbund-Direktor Siegfried Rinner. „Deshalb werden wir auch hier Bezug auf die Initiative ‚Dein Südtiroler Bauer‘ nehmen.“ Mit der Initiative verbindet der Bauernbund schließlich auch das Ziel, die Wertschätzung und den Kauf regionaler Lebensmittel zu fördern.
Der Dialog mit der Bevölkerung geht auch im kommenden Jahr weiter. Sicher ist, dass die blauen Farbtupfer dann wieder mit dabei sein werden. Denn das Blau ist mittlerweile das Markenzeichen für diesen Dialog.

______________________________________________
„Müssen nach außen gehen“
Bauern sollten ihre Arbeit offen herzeigen und ihr Wissen weitergeben, meint Bäuerin und Kräuterexpertin Rosmarie Mangger. Sie macht bei „Dein Südtiroler Bauer“ mit und informiert dort über die Landwirtschaft.

Südtiroler Landwirt: Deine Leidenschaft sind die Kräuter. Was gefällt dir daran?
Rosmarie Mangger: Von klein auf begeistern mich Pflanzen. Kräuter faszinieren mich wegen ihrer Vielfalt. Jede Kräuterpflanze sieht anders aus, schmeckt anders, riecht anders, kurz: Die Verschiedenheit ist immens. Dazu kommt die vielseitige Einsetzbarkeit der Kräuter, sei es in der Küche oder als Heilkräuter.

Du gibst dein Kräuterwissen gerne weiter. Wie bist du zu dieser Aufgabe gekommen?
Ich habe einmal eine vom Tourismusverein initiierte Themenwoche zu Kräutern mitgestaltet. Die Kräuterführungen kamen bei Einheimischen und Gästen so gut an, dass ich das seither regelmäßig mache. Zuvor habe ich die Ausbildung für Kräuteranbau und zur Kräuterpädagogin absolviert. Ich bin auch Bäuerinnen-Dienstleisterin, mache Kurse und Gartenführungen unter der Marke „Aus unserer Hand“. Später kamen Projekte mit Senioren und Kindern hinzu, z. B. lese ich Kräutermärchen vor, die ich zum Teil selbst schreibe.

Was gefällt dir daran, anderen Menschen von deiner Tätigkeit zu erzählen?
Es ist schön, wenn man bei anderen Leuten Begeisterung dafür weckt, was einem selbst wichtig ist, wie in meinem Fall die Kräuter. Wenn die Leute nach der Kräuterwanderung sagen: „Meinen Garten gestalte ich ab jetzt anders“, dann freut mich das sehr.

Warum findest du den Kontakt zu Konsumenten wichtig für die Landwirtschaft?
Wir Bäuerinnen und Bauern haben ein enormes Wissen, das wir weitergeben sollten. Wir können z. B. aufzeigen, wo Lebensmittel herkommen und wie sie produziert werden. Kinder kennen heute das Fertigprodukt im Supermarkt, wissen aber z. B. nicht, wie das Korn gemahlen und Brot gebacken wird. In der Bäuerinnen-Organisation leisten wir sehr viel zur Sensibilisierung. Damit vermitteln wir auch, was unsere Lebensmittel wert sind und dass wir hinter unseren Produkten stehen.

Machst du deshalb bei der Initiative „Dein Südtiroler Bauer“ mit?
Ja. Wir sollten uns und unsere Arbeit nicht verstecken. Wir müssen nach außen gehen und den Leuten zeigen, was wir leisten, nicht nur, was das Erzeugen von Lebensmitteln betrifft, sondern auch, was damit zusammenhängt. Damit meine ich die ganzen Nebenleistungen, die mit unserer Arbeit einhergehen, wie etwa die Landschaftspflege oder bei mir die Weitergabe von Wissen.

Was können die Südtiroler noch von Bäuerinnen und Bauern lernen?
Die Bauernfamilien pflegen oft Bräuche und Fertigkeiten, die anderswo nicht mehr geläufig sind. Viele Leute interessieren sich wieder dafür, z. B. wie man einen Adventskranz selbst bindet, statt ihn zu kaufen; oder wie man Ostereier mit Rohnensaft bemalt. Viel von der Südtiroler Identität ist bäuerlich geprägt. Wir sollten unser Wissen bereitwillig weitergeben. Auch um zu zeigen, was die Landwirtschaft ausmacht und welch wichtige Rolle sie für die Gesellschaft spielt.